Jill Biden könnte Melania Trump als First Lady beerben. Was ändert sich dann im Weißen Haus? Ein Vergleich zweier gänzlich ungleicher Frauen.

Digital Unit : Theresa Schäfer (the)

Washington - „Die First Lady ist ein unbezahlte Bedienstete im öffentlichen Dienst, die von einem Menschen gewählt wurde – ihrem Ehemann.“ Dieses Zitat von Lady Bird Johnson, von 1963 bis 1969 erste Dame im Staat, sagt viel über die eigentümliche Rolle aus, die die Frau des Präsidenten in den USA hat. Sie steht nicht auf dem Wahlzettel und doch kann sie Wahlen mitentscheiden. Sie hat kein Amt und soll doch die Politik ihres Mannes ergänzen. Sie wird nicht bezahlt, hat aber einen Stab und einen ganzen Flügel im Weißen Haus: Den „East Wing“. In einem anderen Zitat einer First Lady, es stammt von Barbara Bush, heißt es: „Die First Lady wird kritisiert werden – egal was sie tut.“

In diesem Jahr stehen zwei Frauen zur Auswahl, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Melania Trump, das ehemalige Model, die „Sphinx aus dem Weißen Haus“, die sich in den vier Jahren Amtszeit ihres Mannes Donald Trump mit eigenen Initiativen eher zurückhielt. Von der man nie genau weiß, was sich hinter der meist unbewegten Miene abspielt, wie sie zur Politik ihres Mannes steht.

Und Jill Biden, eine alte Bekannte für viele Amerikaner, die als Frau des Vizepräsidenten acht Jahre lang als „Second Lady“ Hand in Hand mit Michelle Obama arbeitete. Die sich als Pädagogin für das Thema Bildung engagiert und plant, auch weiterhin als Professorin zu arbeiten, selbst wenn ihr Mann Joe Biden zum Präsidenten gewählt würde.

Bleibt Melania Trump First Lady – oder wird sie von Jill Biden beerbt? Wir versuchen den Vergleich zweier ungleicher Frauen.

Ihr Leben vor dem Weißen Haus

Melania Trump: Als Melanija Knavs 1970 geboren wurde, gehörte ihr Heimatland Slowenien noch zur Republik Jugoslawien. Das hübsche Mädchen modelte schon als Kind. In den 1990er Jahren ging Melania nach New York, landete auf den Titeln von Magazinen wie „Vanity Fair“ oder „GQ“. 1998 lernte sie auf einer Party den 24 Jahre älteren Immobilien-Mogul Donald Trump kennen. 2005 heirateten die beiden – für Trump ist es Ehe Nummer drei. 2006 brachte Melania einen Sohn zur Welt: Barron. Sie soll vollauf zufrieden gewesen sein mit ihrem privilegierten Leben in New York und alles andere als begeistert über die Präsidentschaftskandidatur ihres Mannes. In der Wahlnacht, so heißt es zumindest in Michael Wolffs Buch “Fire and Fury“, soll Melania geweint haben – nicht vor Freude.

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Jill Biden: Jill Biden kommt aus Pennsylvania – dem Staat, in dem das Präsidentschaftsrennen 2020 entschieden werden könnte. Dort wurde sie 1951 als Jill Jacobs geboren. Jill ist Bidens zweite Frau, seine erste Frau Neilia kam 1972 bei einem Autounfall ums Leben. Jill und Joe lernten sich 1975 bei einem „Blind Date“ kennen und heirateten 1977. „Manche Menschen ist nicht einmal eine große Liebe in ihrem Leben vergönnt – mir gleich zwei“, sagt Joe Biden gern. Jill studierte Englisch auf Lehramt, erwarb zwei Master-Abschlüsse und schließlich einen Doktortitel in Pädagogik. Beim Parteitag der Demokraten ließ sich die 69-Jährige aus einem Klassenraum einer High School in Wilmington zuschalten, in der sie früher Englisch unterrichtet hatte. Auch nachdem ihr Mann 2008 zum Vizepräsidenten in der Obama-Regierung gewählt wurde, arbeitete „Dr. Biden“ weiter als Dozentin an einem Community College. „Lehrerin zu sein ist nicht, was ich tue, es ist, was ich bin“, schrieb die frühere „Second Lady“ in ihren Memoiren.

Ihr Engagement

Melania Trump: Eine Herzblut-First-Lady ist Melania Trump nicht. Eher zögerlich soll sie sich in ihre Rolle gefügt haben. Ein Gesprächsmitschnitt aus dem Jahr 2018, den ihre ehemals enge und jetzt in Ungnade gefallene Freundin Stephanie Winston Wolkoff, veröffentlichte, verfestigt dieses Bild: Sie arbeite sich „den Arsch ab“ für die Weihnachtsdekoration im Weißen Haus, die dann aber wegen der Migrationspolitik ihres Mannes „einen Scheißdreck“ interessiere, sagt Melania in dem Telefonat mit Wolkoff. In ihren vier Jahren im „East Wing“ machte sie vor allem mit ihrer „Be best“-Kampagne von sich reden. Die Initiative richtet sich gegen Cyber-Bullying, also gegen Mobbing in sozialen Medien. Da entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ihr Mann seinen Gegnern via Twitter praktisch täglich verbale Tiefschläge versetzt. Nur einmal wendete sich Melania Trump öffentlich gegen die Politik ihres Mannes: 2018, als die Trump-Administration an der Grenze zu Mexiko Migranten-Kinder von ihren Eltern trennte. „Ich sagte ihm, dass ich finde, dass das nicht hinnehmbar ist“, gab Melania in einem ihrer seltenen TV-Interviews zu Protokoll. Trump beendete schließlich die umstrittene Praxis. Im Wahlkampf hält sich Melania Trump auffällig zurück: Öffentliche Termine an der Seite ihres Mannes sagte sie teilweise ab – offiziell lautete die Begründung, sie fühle sich nach ihrer Corona-Infektion noch nicht ganz wohl.

Ihr Stil

Melania Trump: Als ehemaliges Fotomodell legt Melania Trump viel Wert auf ihre Kleidung. Die First Lady trägt stets die Entwürfe namhafter Designer und weiß sie zu präsentieren. Mit ihrer ranken Figur und ihren 1,80 Meter macht sie als First Lady optisch eine ebenso gute Figur wie früher auf dem Laufsteg. Oft lässt Melania Trump ihre Kleider für sich sprechen – nicht immer zu ihrem Vorteil. Bei einem Besuch in Kenia zeigte sich Melania mit einem Tropenhut, wie er in der Kolonialzeit üblich war – eine zumindest unsensible Kleiderwahl. 2018, als die Regierung ihres Mannes an der Grenze zu Mexiko Kinder von ihren Eltern trennte, fuhr die First Lady zwar in die Grenzregion, um sich selbst ein Bild zu machen – verstörte aber dann mit einer Jacke, auf der in großen Lettern zu lesen war: „I don’t really care, do you?“ Was sie damit sagen wollte, bleibt ihr Geheimnis.

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Jill Biden: Sie will bodenständig wirken, die nette Amerikanerin von nebenan, „relatable“ heißt das in den USA. Und entsprechend kleidet sich Jill Biden auch. Im Wahlkampf sieht man sie häufig in Jeans, Blazer und Bluse – schick, aber bloß nicht aufgetakelt. Der Stil: Junggebliebene Mutter beim Elternabend. Die Bidens präsentieren sich gerne als ganz normale Familie aus der US-amerikanischen Mittelschicht (obwohl sie dieser finanziell und statusmäßig natürlich längst entwachsen sind) und distanzieren sich von den Trumps, die sie gerne als abgehobene Milliardärsfamilie der New Yorker Upper Class darstellen. Wie sich ihr Mann als Anti-Trump inszeniert, gibt sich Jill als Anti-Melania. Die Botschaft: Ich kümmere mich um euch – und nicht bloß um mein Aussehen.

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