Putin-Unterstützerin in Esslingen „Wie kann man so unsensibel sein?“ – OB erneuert Kritik an Melnikowa-Auftritt

Der Auftritt der russischen Turnerin Angelina Melnikowa sorgt in Esslingen weiter für Gesprächsstoff. Foto: IMAGO / Xinhua / Roberto Bulgrin

Esslingens OB Matthias Klopfer kritisiert erneut den Auftritt der russischen Turnerin Angelina Melnikowa. Der Sport habe auch politische Verantwortung.

Der Einsatz von Angelina Melnikowa in der Turn-Bundesliga sorgt in Esslingen weiter für Gesprächsstoff. Der Wettkampf wurde am Samstag im Sportpark Weil ausgetragen. Die 25-jährige Mehrkampf-Weltmeisterin ist wegen ihrer demonstrativen Unterstützung für das Putin-Regime sowie ihrer zeitweisen Kandidatur für die putintreue Partei „Einiges Russland“ bei einer Kommunalwahl umstritten.

 

Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer hatte bereits in seiner Eröffnungsrede scharfe Kritik an der russischen Top-Athletin geübt. Von dieser Haltung rückt er auch nicht ab, nachdem sich nun in den sozialen Medien vermehrt Stimmen melden, wonach sportliche Leistungen und Politik nicht vermischt werden dürften.

OB Klopfer: Auftritt Melnikowas „ein völlig falsches Signal“

Der Auftritt der Turnerin sei „ein völlig falsche Signal“, sagte Klopfer am Montag auf Anfrage. „Wie kann man nur so unsensibel sein“, empörte er sich.

Der Oberbürgermeister hält die Entscheidung der Deutschen Turn-Liga für „absolut falsch und nicht nachvollziehbar“. Das Stadtoberhaupt forderte die Gremien sowie den TSV Tittmoning-Chemnitz, der die Russin verpflichtet hatte, erneut auf, ihre Entscheidung zu überdenken. „Sie müssen sich ihrer Verantwortung stellen“, sagte er.

Esslingens OB Matthias Klopfer kritisiert den Auftritt der russischen Turnerin Melnikowa. Foto: Roberto Bulgrin

Melnikowa unterstütze Putins Regime und damit einen Krieg, der viel Leid verursacht habe. Mit seiner Kritik fühle er sich den Opfern und nicht zuletzt den in Esslingen lebenden ukrainischen Kriegsgeflüchteten verpflichtet, so Klopfer.

Umstrittener Auftritt in Esslingen: „Der Zweck heiligt niemals die Mittel“

Dass Melnikowa zweifelsfrei eine Ausnahmesportlerin mit enormer Ausstrahlung ist, ändere nichts daran, dass ihr Auftritt eine politische Dimension habe. Es mache ihn fassungslos, dass ein Verein die umstrittene Top-Turnerin verpflichte, nur um sich damit den Titelgewinn Ende November beim Liga-Finale in Heidelberg zu sichern. „Der Zweck kann doch niemals die Mittel heiligen. Der Sieg ist hier wichtiger als die Solidarität mit der Ukraine“, kritisierte Klopfer.

Fragwürdige Einstufung von Melnikowa als „neutrale Athletin“

Dass Angelina Melnikowa in Esslingen einen Wettkampf in der Deutschen Turnliga bestreitet, hat beim Ausrichter TSV Berkheim für gemischte Gefühle gesorgt. „Es war in zweierlei Hinsicht eine außergewöhnliche Situation. Sportlich stand im Vordergrund, dass eine Weltmeisterin zu Gast ist, das gab es zuvor noch nie. Gleichzeitig wurde ein sportlicher Wettkampf zum Politikum“, resümierte Holger Bentzien, Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

Die Berkheimer haben wegen der Verpflichtung einer Putin-Befürworterin einige kritische Mails bekommen. „Wir sind aber der falsche Adressat. Wir sind nur der Ausrichter und haben keinen Einfluss darauf, wer hier buchstäblich auf der Matte steht“, betonte Bentzien.

Dass Melnikowa als „neutrale Athletin“ eingestuft wurde und damit starten konnte, sei aber auch für ihn fragwürdig. Als Gastgeber sei man beim TSV Berkheim dennoch in erster Linie froh, dass alles ruhig über die Bühne gegangen sei. „Es hat alles reibungslos funktioniert“, lautet Bentziens Fazit. Rund 1000 Besucherinnen und Besucher – damit etwa genauso viele wie im Vorjahr – hätten die Wettkämpfe im Sportpark Weil verfolgt.

Turnerinnen aus Russland und Belarus waren seit Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar 2022 bei Wettkämpfen des Weltturnverbandes FIG gesperrt. In diesem Jahr zählte Melnikowa jedoch zu den Ersten, die unter neutraler Flagge auf die internationale Bühne zurückkehren durften. Auch bei der WM in Jakarta war sie dabei. Die Gründe für diese Entscheidung werden von der FIG indes nicht offengelegt. Sollte Melnikowa auch beim DTL-Finale am 29. November in Heidelberg für den Chemnitzer Top-Favoriten an den Start gehen, werden vermutlich wieder alle Augen auf sie gerichtet sein.

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