„Melodic Wine“ im Schloss Ludwigsburg Partystimmung mit gewissen Mängeln

Die DJs heizen dem Publikum ein – später auch über Kopfhörer. Foto: avanti/Ralf Poller

Erstmals hat „Melodic Wine“ im Schloss Ludwigsburg stattgefunden. Die Besucher tanzen ausgelassen bis Mitternacht zu den Beats der DJs – aber üben auch scharfe Kritik an den hohen Preisen und der Organisation der Veranstaltung.

Mit den Händen zu greifen ist hier die gute Laune! Technobeats füllen das Geviert des Ehrenhofes ebenso wie die rund 3000 Gäste, die vier Stunden nach dem Start von „Melodic Wine“ am Nachmittag ordentlich am Tanzen sind. Rechts sind die Bänke und Tische gut gefüllt, links strahlt das Extra-Areal mit Strandstühlen und Sonnenschirmen pure Lässigkeit aus. Und wer eine der Hängematten erobert hat, braucht ebenfalls keinen Glückskeks mehr.

 

Jasmine hat ihre Wartezeit gestoppt: 34 Minuten

Eher nicht ins Bild einer sommerlichen Tanzparty passen aber die Warteschlangen allerorten. Schon vor dem Eingang grenzt die Menge vor dem WC ans Dreistellige – und auch drinnen sollte man es nicht eilig haben. Jasmine ist fast von Beginn an dabei und jetzt zum dritten Mal „unterwegs“. „Das letzte Mal habe ich 34 Minuten gestoppt“, stellt sie mäßig erheitert fest, während just da eine Durchsage erklingt, dass „weitere Toiletten“ herbeigeschafft wurden. Lange Warteschlangen auch an den Wein- und Cocktailtheken, an den drei Foodtrucks sowieso.

„Die Klugen bauen vor“, sagt Omarion, der prinzipiell keinen Alkohol braucht, aber dringend noch einen Kopfhörer für die „Silent Disco“, auf die um 20.30 Uhr umgeschaltet wird. „Nachher rennen alle gleichzeitig, also lieber jetzt hier Schlangestehen“, sagt er. Erst aber darf es nochmals ein bisschen lauter werden. „Jetzt aber, Ludwigsburg!“, tönt es von der Bühne vorne, „die Hände nach oben! Wir klatschen!“ Was ziemlich gut funktioniert. „Ihr da hinten aber auch“, wird nachgeregelt.

Besucherinnen wünschen sich regionale Weine

Wuchtige Beats und schnelle Breaks heizen die Stimmung an: „Alright, here we go!“ Einen dicken Hals hat derweil Swetlana aus Mundelsheim am Weinstand. „Stark übertrieben“, seien die Preise sagt sie, 22 Euro für eine Flasche Wein „ziemlich unverschämt“. „Abzocke“ nennt das ihre Freundin. Beide stört außerdem, dass Pfälzer ausgeschenkt wird: „Wir haben hier so coole eigene Wein! Man sollte was Regionales anbieten bei so einem Event.“

„Ludwigsburg, braucht ihr noch mehr Energie?“, wird von vorne weiter animiert und das Publikum postwendend mit neuen Starkstrombeats kurzgeschlossen. Genau sechs Minuten lang – dann werden die Lautsprecher ab- und die Kopfhörer angeschaltet. Allerdings ohne Imke, die das „bescheuert“ findet. Ein Stimmungskiller sei das, Techno, das sei „ein Gemeinschaftsgefühl, der coole Rave in der Menge“. Sie zieht lieber weiter zu den Brau-Tagen auf dem Marktplatz: „Dort ist es echt, dort feiern wir weiter.“ Und völlig „angepisst“ ist Mark: „Ein Witz, eine Frechheit ist das hier! Du zahlst 25 Euro Eintritt, fünf Euro für die Kopfhörer, 15 Euro Pfand, dazu die irren Preise für den Wein.“ Er kriegt sich kaum noch ein: „Und dann verpasst du die Hälfte durch Anstehen und Warten. Die Organisation ist voll der Bullshit!“

Mehr Foodtrucks und Toiletten im nächsten Jahr

Zumindest in dieser Hinsicht streut Veranstalter Simon Wissing von der Wisio Media GmbH aus Koblenz Asche auf sein Haupt. Doppelt so viele Foodtrucks und locker die dreifache Zahl an Klos sollen es nächstes Jahr sein, der Vertrag sei „unterschriftsreif“. Bei den Preisen aber macht er direkt klar: „Das Schloss als Location ist sehr teuer, wir müssen das weitergeben.“

Und das Konzept „Silent Disco“? Das funktioniert offensichtlich ziemlich gut. Die Menge bleibt jedenfalls weitestgehend beisammen. Gesendet wird auf drei Kanälen, entsprechend der drei DJs, die unterschiedliche Musikstile auf die Hörer schicken, von House und Pop bis zu Techno. Die Stilrichtung ist frei wählbar und an den Kopfhörerleuchten farblich annonciert in Rot, Blau und Grün, während die Lightshow permanent übers tanzende Publikum streift. Und das wird wunderlicherweise immer wieder zur homogenen Masse, ist „völlig losgelöst“ und lässt Songfragmente ertönen: „I am so beautiful“ etwa, oder „Use somebody“ oder einfach „Ey ey, oh oh“.

Und plötzlich leuchten, wie auf Knopfdruck, unzählige Smartphone-Lampen zugleich unterm dunklen Nachthimmel. Gänsehaut macht das Olga, 42 Jahre alt. „Sehr irritierend, eigentlich paradox“, sei das: „Man feiert zusammen und ist doch irgendwie in unterschiedlichen Zimmern.“ Jetzt aber will sie einfach nur weitertanzen: „Bis Mitternacht, ganz bestimmt!“

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