Memorandum zu Rosensteinquartier Stuttgart-21-Gegner drohen mit Ausstieg

Von Josef Schunder 

Der Verkehrsclub Deutschland und der BUND kritisieren, wie die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung zum Rosensteinquartier zusammengefasst wurden. Manche S-21-Gegner lehnen das 155 Seiten starke Papier gar strikt ab. Doch es gibt auch Lob.

Auch aus der Vogelperspektive unverkennbar: Die weitläufigen Gleisflächen zwischen Rosensteinpark (unten) und Hauptbahnhof stehen zur Disposition. Foto: DB Bahnprojekt Stuttgart Ulm
Auch aus der Vogelperspektive unverkennbar: Die weitläufigen Gleisflächen zwischen Rosensteinpark (unten) und Hauptbahnhof stehen zur Disposition. Foto: DB Bahnprojekt Stuttgart Ulm

Stuttgart - Kurz vor dem Ziel bei der Bürgerbeteiligung Rosensteinviertel passiert es: Der Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland im Forum Rosenstein droht am Dienstagabend die Mitarbeit aufzukündigen – und er spricht auch für den Bund für Umwelt und Naturschutz. Der Grund: In der Zusammenfassung der Beteiligungsergebnisse, bei den sogenannten „Leitplanken“, ist nicht davon die Rede, dass VCD und BUND auch künftig sechs Gleise im Planungsgebiet für nötig halten.

Moment mal, wendet Moderator Stefan Kessen von der Berliner Mediator GmbH ein. In dem Entwurf des Memorandums sei von solchen Interessen schon die Rede – nur nicht im Kapitel mit der knapp formulierten Quintessenz, sondern im großen Katalog der Interessen und Bedürfnisse. Irgendwann müsse man ja gewichten, und im monatelangen Verfahren habe S 21 „eine völlig untergeordnete Rolle gespielt“. Daher will Kessen die Kapitel so belassen.

Ähnlich läuft es noch an der einen oder anderen Stelle. Auch da, wo Jochen Hammer von der IG Bürger fordert, die Originalbeiträge der Interessenvertreter zu dokumentieren. Man habe vermeiden wollen, dass man ein tonnenschweres Memorandum herausbringen müsse, kontert Kes­sen. Seine Kollegin Beate Voskamp lenkt aber ein: Über das Bedürfnis nach einer gewissen Dokumentation könne man reden.

Der Architekt Sebastian Sage hält das Bestreben zur Erhaltung von Bauwerken der Bahn für unterbewertet. Auch müsse man bedenken, ob stellenweise nicht mehr Urbanität à la Millionenstadt nötig wäre. Ex-Bezirksvorsteher Jupp Klegraf mahnt an, die Verzahnung mit Nachbargebieten im Kapitel „Leitplanken“ zu thematisieren.

Es gibt aber auch Zufriedenheit. Etwa beim Stadtjugendring. Dessen Vertreter lobt die Beteiligung von Kindern. Der starke Wunsch nach flexiblen Nutzungsmöglichkeiten von Bauten und Plätzen sei gut betont. Schon vorher hat OB Fritz Kuhn von einem beeindruckenden Entwurf und einer „erarbeiteten Grundgrammatik“ des Gebiets gesprochen. Davon werde sich so manches als prägend für die Haltung des Gemeinderats erweisen. Ihn freut auch, dass das Ganze nicht mit den Ideen für eine Internationale Bauausstellung kollidiere.

Weit verbreitet ist das Bedauern, dass das Forum von einst 80 auf knapp 20 Teilnehmer geschrumpft sei. Und die Ahnung, dass es jetzt erst losgeht: wenn Lösungen her müssen. Die Einigkeit, wirft Uwe Stuckenbrock vom Verschönerungsverein ein, wirke bisher größer als sie sei. Das ergebe sich aus dem methodischen Ansatz.

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