Neuer Trend Warum Vodafone mit der Menopause Personalpolitik macht

Mitarbeiterin Alexandra Just sprach bei Vodafone über den Einfluss ihrer Wechseljahre auf die Arbeit. Seitdem zieht das Thema große Kreise. Foto: Voda/e

Wenn Frauen in die Wechseljahre kommen, ist das in Unternehmen meist ein Tabu. Vodafone dagegen klärt seine Beschäftigten darüber auf und hilft den Betroffenen. Das hat auch überraschende wirtschaftliche Gründe.

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Alexandra Just, Kundenbetreuerin bei Vodafone, hat eine offene, direkte Art. So auch vor gut einem Jahr vor einem Teammeeting, als sie in lockerer Runde von ihren Wechseljahrbeschwerden erzählte. Etwa wie ihr Hitzewallungen und Hormonschwankungen zu schaffen machten und Schlaflosigkeit und Gereiztheit sich auch auf den Job auswirkten.

 

Symptome, wie sie viele Frauen zwischen 45 und 55 Jahren erleben, auf der Arbeit aber meist tabu sind. Doch dieses Gespräch zog bei Vodafone immer weitere Kreise. „Immer mehr Beschäftigte trauten sich darüber zu sprechen – das ist richtig ins Rollen gekommen“, sagt Just.

Wechseljahre beeinträchtigen die Mehrheit der Frauen bei ihrer Arbeit

Dass die Wechseljahre gerade bei Vodafone Teil der Personalpolitik wurden, hat eine längere Vorgeschichte, die mit einer repräsentativen Studie der britischen Konzernmutter 2021 Fahrt aufnahm. Demnach beeinträchtigen die Wechseljahr-Symptome bei zwei von drei Frauen die Arbeit. Rund die Hälfte gab an, für Frauen in den Wechseljahren müsse es mehr Unterstützung am Arbeitsplatz geben.

Kurz darauf schlugen die Studienergebnisse auch in Vodafones Deutschlandzentrale in Düsseldorf auf – in der Personalabteilung wie auch bei Unternehmenssprecherin Ute Brambrink. „Da habe ich mich selbst als Frau gefragt, warum ich zu diesem Thema PR machen sollte“, erinnert sie sich. „Doch dann haben wir uns mit den Ergebnissen auseinandersetzt und gemerkt, wie wichtig sie sind.“

Die Menopause ist jetzt Teil der Personalpolitik

Inzwischen informiert Vodafone seit drei Jahren unter anderem im Intranet die Beschäftigten über Wechseljahre und die Auswirkungen auf die Arbeit. Bei einer Infoveranstaltung in diesem Frühjahr nahmen 120 Frauen teil. Es gibt einen E-Learning-Kurs, eine digitale Info-Mappe sowie Tipps für Führungskräfte und Beschäftigte – inklusive Vorschläge, wie man das Gespräch über Wechseljahre am Arbeitsplatz beginnen könne. Vodafones Diversity-Managerin Erdmute Thalmann hat die Menopause offiziell aufs Tableau gehoben: „Wenn Frauen, Familie und andere Mitarbeitende gut informiert sind, können Frauen und ihr Umfeld diese Lebensphase mit Zuversicht und einer positiven Einstellung angehen.“

Geholfen hat auch eine Studie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin vom Herbst vergangenen Jahres, die sich auch mit den möglichen wirtschaftlichen Folgen der Wechseljahre befasste. Demnach gaben 90 Prozent der befragten Frauen an, dass die Wechseljahre-Symptome das Berufsleben beeinträchtigte – etwa dass sie an Konzentrationsstörungen litten oder sich phasenweise überfordert fühlten.

Jede zehnte Frau mit Wechseljahresbeschwerden sagte, früher in Rente gehen zu wollen oder schon gegangen zu sein. Jede vierte Frau hatte ihre Arbeitszeit deswegen reduziert, jede sechste die Stelle gewechselt. Ein Grund: Fast alle der befragten Frauen fühlten sich mit ihren Problemen zu wenig verstanden. „Es ist wichtig, dass man ernst genommen wird. Ich weiß noch, wie eine Kollegin mich anfangs belächelt hat, als ich bei Minusgraden das Fenster aufriss und sagte: ,Ja, jetzt ist es soweit’“, betont auch Just. „Zum Glück ist bei uns jetzt das nötige Verständnis da.“

„Das Wichtigste sind Vertrauen und Wertschätzung“

Brambrink wiederum weist auf die Gefahr hin, dass sich die Mitarbeiterinnen in dieser Phase von den Unternehmen abkoppeln könnten – „bis hin, dass sie das Unternehmen verlassen“. Allein bei Vodafone Deutschland arbeiteten derzeit bis zu 2000 Frauen im Alter von 45 bis 55 Jahren, rechnet sie hoch; bis zu 20 Berufsjahren stünden noch vor ihnen. „Warum sollen wir diese Mitarbeiterinnen mit ihren großen Erfahrungen ohne Not verlieren? Deshalb ist es wichtig, dass sie bei uns Wertschätzung spüren und sich dem Unternehmen verbunden fühlen. In Zeiten des Fachkräftemangels sind die Wechseljahre für alle Firmen ein großes Thema.“

Inzwischen hat Vodafone Maßnahmen ergriffen, um das Arbeiten in den Wechseljahren zu erleichtern. Ein gesundes Kantinenessen, Gesundheitschecks oder das Fitnessstudio auf dem Vodafone-Campus – alles Angebote, die es ohnehin gibt – zählen dazu, auch die Betriebsärztin wurde mit einbezogen.

Am meisten aber helfe, dass Vodafone seit über zehn Jahren auf flexible Arbeitszeiten und Homeoffice setze, betont Brambrink. Dass statt der Präsenz vor Ort vor allem das Ergebnis zähle. „Deshalb kann man sich bei Beschwerden auch ein, zwei Stunden herausnehmen, ohne groß Rechenschaft ablegen zu müssen. Und wenn es wieder besser geht, können die Arbeitsaufgaben erledigt werden. Das Wichtigste sind Vertrauen und Wertschätzung, dass Themen wie die Wechseljahre nicht stigmatisiert werden.“

Auch bei SAP und Bayer sind die Wechseljahre ein Thema

Für Just hat das Unternehmen Vodafone das im Großen und Ganzen schon geschafft. Sie fühle sich mit ihrem Anliegen viel besser verstanden als noch vor einem Jahr, meint sie – und andere Frauen auch. Mittlerweile berichtete sie auch Führungskräften, wie sich Hitzewallungen und Hormonschwankungen anfühlten, weshalb sie manchmal dünnhäutiger sei.

Auch Männer seien darunter gewesen, berichtet sie. Es gebe viele, die nicht darüber sprechen wollten, das sei okay und manchmal auch bei Frauen nicht anders, betont Just: „Aber sie danken es mir, weil sie wissen, dass sie gehört werden.“

Wechseljahre und ihre Auswirkungen

Hormonumstellung
Die Wechseljahre treten in der Regel zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr auf – die große Mehrheit der Frauen ist von den Symptomen betroffen, die die hormonellen Veränderungen in ihrem Körper mit sich bringen. Zu ihnen zählen Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Gelenkschmerzen, Schlaf- und Gedächtnisstörungen.

Auswirkungen
Die Symptome können sich auch auf den Job auswirken und den Arbeitsalltag erschweren. Das Bewusstsein dafür ist in den angelsächsischen Ländern größer als in Deutschland, wo die Diskussion nur langsam Fahrt aufnimmt, aber inzwischen auch in der Politik angekommen ist. Auch bei Hausärztinnen und Hausärzten ist die Teil sehr individuelle Diagnose und Zuordnung der Symptome zuweilen ein Problem.

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