Mensa in Weil der Stadt Wo bleibt eigentlich die Treppe?

Von Florian Mader 

Die fehlende Schlagkraft des städtischen Bauamts zeigt sich bei der Merklinger Mensa. Der Beigeordnete Jürgen Katz gelobt bei der Eröffnung Besserung.

Die Würmtalschule freut sich über die neue Mensa. Die Pfeiler in der Mitte hatten indes für Kritik gesorgt. Foto: factum/
Die Würmtalschule freut sich über die neue Mensa. Die Pfeiler in der Mitte hatten indes für Kritik gesorgt. Foto: factum/

Weil der Stadt - Manchem Besucher der kleinen Eröffnungsfeier der Merklinger Mensa treibt es ein kleines Schmunzeln ins Gesicht, als er über die Treppe in den Mensa-Saal schreitet. Denn zwar hat der Neubau zwei Geschosse. Eine Treppe nach oben aber war bei der Planung zunächst offenbar nicht vorgesehen.

Dass das Stadtbauamt der Weil der Städter Stadtverwaltung nicht gut aufgestellt war, war bekannt. Nach außen drangen die häufigen Mitarbeiterwechsel und unbesetzten Stellen. Vieles blieb liegen. „Mir war bewusst, dass nicht alles sofort rundläuft“, hatte der für dieses Bauamt zuständige Beigeordnete Jürgen Katz mal gesagt, der im Herbst 2018 die Geschäfte übernahm und zugab, selbst überrascht gewesen zu sein, wie wenig Struktur es im Amt gegeben hatte.

„Rege Dich nicht über Dinge auf, die Du nicht beeinflussen kannst“

Darunter zu leiden hatte die Schulgemeinde der Würmtalschule Merklingen, deren Vertreter am Freitagnachmittag nicht mit Kritik sparen. „Mein Mantra war immer: Rege Dich nicht über Dinge auf, die Du nicht beeinflussen kannst“, sagt der Schulleiter Stefan Kunze in seiner Ansprache. Zum Beispiel, als sich am Bau vom Frühjahr 2017 an nichts mehr tat. „Wo sind eigentlich die Bodenleger?“, habe man sich da gefragt, erinnert sich der Schulleiter. Das wusste auch Sonja Nolte, die Elternvertreterin, zu berichten. „Zumindest von außen hat man keinen Baufortschritt gesehen“, sagte sie. „Herrn Kunze ist dann das Kunststück gelungen, uns in Elternbriefen zu informieren, obwohl er selbst nichts wusste.“

Schon im April 2016 hatte der Gemeinderat den Neubau der Mensa beschlossen. Baubeginn war dann im Juli, schon im April 2017 konnte man Richtfest feiern. Dann aber sind die Verzögerungen eingetreten. Ein Grund war zum Beispiel, dass die für den Linoleum zuständigen Bodenleger pleitegegangen waren. Diskussionen gab es in dieser Zeit auch um die Treppe und die Frage, wer sich um sie eigentlich kümmern muss: der Architekt Jochen Stuible oder die Stadtverwaltung?

Und dann waren da noch plötzlich zwei Stützpfeiler inmitten des großen Mensa-Saals, um die es auch im Technischen Ausschuss heftige Wortgefechte gegeben hatte. Auch bei der Eröffnungsfeier zeigte sich, dass diese Stützpfeiler größere Veranstaltungen erschweren. „Wären die Pfeiler nicht da, hätten wir heute viel besser bestuhlen können“, sagte Stefan Kunze.

Heftiges Kopfzerbrechen

Die Fertigstellung war eigentlich schon für September 2017 vorgesehen. Zu diesem Zeitpunkt wollte der Schulleiter daher auch mit der Ganztagsschule an den Start gehen. „Das hat uns heftiges Kopfzerbrechen gekostet, nachdem klar war, dass der Zeitplan nicht gehalten wird“, erinnert sich Kunze. Er bedankte sich beim Sängerbund Merklingen, dessen Sängerheim man daraufhin als Übergangs-Speisungsstätte bekam.

Der mittlerweile für das Bauamt zuständige Beigeordnete Jürgen Katz war ebenfalls zur Eröffnung gekommen. Zur Bauzeit war er noch nicht im Amt gewesen. „Wir eröffnen heute einen insgesamt sehr gelungenes Projekt“, sagt er eingangs. Dennoch nutzt er die Gelegenheit, um die Reformen seines Bauamts zu skizzieren und fünf „Lerneffekte“ aufzuzeigen, die eine Wiederholung dieses Bauchaos verhindern sollen.

„Gute Projekte brauchen einen starken und präsenten Bauherrn“, sei die erste Maßnahme. Jürgen Katz hatte sich hinter den Kulissen gelegentlich verwundert gezeigt, warum die Stadtverwaltung in der Vergangenheit nicht nach ihren eigenen Baustellen geschaut hätte. Die zuständigen Stellen waren jahrelang nicht besetzt gewesen. Ein von Katz’ Vorgängerin Susanne Widmaier beauftragtes Organisationsgutachten hatte zudem ergeben, dass das Weiler Stadtbauamt mit viel zu wenigen Planstellen ausgestattet gewesen war.

Ein Lerneffekt

Bei den ersten Planungen der Mensa im Frühjahr 2016 waren die Außenanlagen nicht vorgesehen, auch Geld war nicht eingeplant. Darum lautet Katz’ zweiter Lerneffekt: „Hochbau und Außenanlagen müssen gemeinsam und nicht hintereinander geplant werden.“ Drittens schlägt er vor: „Augen auf bei der Wahl der Fachplaner!“ Viertens wünscht sich der Beigeordnete eine „bessere Kommunikation zwischen allen Beteiligten“. Und er schlägt vor, bereits bekannte Probleme „gleich und richtig zu lösen“.

Die Besserungen zeigen sich schon jetzt. Der Merklinger Schulleiter Stefan Kunze jedenfalls bedankt sich beim Beigeordneten Jürgen Katz: „Seit Sie hier sind, laufen die Dinge flotter und geregelter.“