Menschen bei Maischberger Ein Rocker angekommen im Bürgertum?

Der Stuttgarter Hells-Angels-Chef Foto: WDR 6 Bilder
Der Stuttgarter Hells-Angels-Chef Foto: WDR

Bei Sandra Maischberger diskutierten Lutz Schelhorn, Fotograf und Chef der Stuttgarter Hells Angels, und der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall über die Gefahr, die von Rockerclubs ausgeht.

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Stuttgart - In Frankfurt bleibt der Rockerclub Hells Angels auch weiterhin verboten. Dieses Urteil hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel am Dienstag gefällt. Für die ARD Anlass genug, das Thema Rockerclubs genauer unter die Lupe zu nehmen. Und so fragten sich Sandra Maischberger und ihre sechs Gäste am Dienstagabend: Wie gefährlich sind Hells Angels und Co. eigentlich? Mit Lutz Schelhorn, seines Zeichens seit 25 Jahren Chef der Stuttgarter Hells Angels, und dem hiesigen Innenminister Reinhold Gall (SPD) waren gleich zwei Diskussionsteilnehmer aus Baden-Württemberg zu Gast beim spätabendlichen Polittalk.

Vor allem die Frage, warum Rocker Gewalt ausüben, stand im Mittelpunkt der Diskussion. Sei es der pure Hang zur Kriminalität oder doch die Ehre, die die Rocker zu gewalttätigen Aktionen verleite?, fragte Sandra Maischberger in die Runde. Und so wurde die Talkshow zu einer Milieustudie, bei der vor allem den beiden anwesenden Hells-Angels-Mitglieder immer wieder das Wort zuteil wurde.

Die anderen vier gelandenden Gäste, namentlich Ute Johannsen, Wirtin und Schutzgeld-Opfer aus Flensburg, Erich Rettinghaus von der Deutschen Polizeigewerkschaft, der Publizist Jürgen Roth sowie Reinhold Gall gingen da mit ihren Geschichten und Meinungen streckenweise etwas unter.

Es ging viel um das Selbstverständnis der Rocker

In der Gesellschaft haben Rockerclubs wie die Hells Angels oder die Bandidos gemeinhin keinen guten Ruf: Sie werden vor allem mit Drogen- und Waffenhandel, der Regulierung des Rotlichtmilieus sowie Schutzgelderpressung in Verbindung gebracht. Bei „Menschen bei Maischberger“ mit diesen Vorwürfen konfrontiert, wollten der Pressesprecher der Hells Angels, Rudolf Triller (Spitzname „Django“), und Lutz Schelhorn die Gelegenheit nutzen, um mit diesen Klischees aufzuräumen.

Und so ging es im Studio von Maischberger viel um das Selbstverständnis der Hells Angels. „Wir sind keine Engel, aber auch keine Schwerverbrecher“. So lassen sich Schelhorns Aussagen in einem Satz zusammenfassen. Immer wieder fielen beim Stuttgarter Rocker und seinem Kumpanen Worte wie „Vorverurteilung“, „Vorurteile“ oder „Pauschalisierung“, wenn es um das Bild der Hells Angels in der Gesellschaft geht. Sogar von Verschwörungen des Staats gegen den Rockerclub oder von Manipulation der Presse war die Rede. Die Rocker fühlen sich missverstanden, war der Tenor der beiden tätowierten Clubmitglieder.

Während Triller mit Sätzen wie „Gewalt gehört zum Leben wie Sex“ keinen Hehl daraus machte, dass er der körperlichen Auseinandersetzung nicht abgeneigt ist, mimte sein Stuttgarter Kollege hingegen den – um es mit Maischberger Worten zu sagen – „guten Rocker“. Die Moderatorin listete Schelhorn zwar zuweilen Straftaten der Hells-Angels-Mitglieder auf – der Stuttgarter Rocker machte aber immer wieder deutlich, dass er sich in diesem Zusammenhang von anderen Chartern, wie die Orts- oder Landesclubs genannt werden, distanziere.

Schelhorn ist in Stuttgart bekannt und akzeptiert

Der baden-württembergische Innenminister Gall, der 2011 die Hells Angels in Pforzheim verbieten ließ, räumte bei Maischberger ein, dass die Stuttgarter Rocker sich in der Tat von anderen Hells Angels Club unterscheiden. Trotzdem warnte er ausdrücklich: „Wir wollen nicht, dass die Rocker unter dem Deckmantel des bürgerschaftlichen Engagements ihren kriminellen Machenschaften nachgehen können.“

Schelhorn, von Beruf Fotograf, ist in Stuttgart bekannt und akzeptiert. 2011 durfte der Rocker sogar seine Bilderreihe über den Stuttgarter Bahnhof im Rathaus der Landeshauptstadt ausstellen. Ein Hells Angel angekommen im schwäbischen Bürgertum? Eine nicht ganz absurde Vorstellung, zumindest wenn es nach Jürgen Roth geht: Der Publizist bezeichnete die Rockerszene in der Talkrunde als „kleinbürgerliches miefiges Milieu“.




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