Menschen des Jahres Sieben Fakten über die Köpfe von Biontech
Den Impfstoff kennen wir bereits. Doch wer sind eigentlich die Menschen hinter der Forschung? Hier kommen sieben Fakten über Ugur Sahin und Özlem Türeci, die Köpfe von Biontech.
Den Impfstoff kennen wir bereits. Doch wer sind eigentlich die Menschen hinter der Forschung? Hier kommen sieben Fakten über Ugur Sahin und Özlem Türeci, die Köpfe von Biontech.
Stuttgart - Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci sind wahrscheinlich das bemerkenswerteste Ehepaar, das in den vergangenen Jahren in unser aller Leben geplatzt ist. Jahrelang forschten die beiden Mediziner an Dingen, die uns ein bisschen egal oder zumindest ein bisschen zu hoch waren. Dann kam diese Pandemie, dieses Ehepaar und ihre Firma.
Das Mediziner-Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci lernt sich 1991 bei der Arbeit auf der Krebsstation am Universitätsklinikum Homburg kennen. Ihre gemeinsame Leidenschaft ist der Kampf gegen Krebs: Sie selbst nennen sich die Immunsystemflüsterer.
Özlem Türecis Leidenschaft für die Medizin liegt in der Familie: Ihr Vater war ebenfalls Arzt. Im Alter von sechs Jahren begleitet sie ihn erstmals zu einer Blinddarmoperation.
Freitage, Samstage und Sonntage gelten in der Familie als sogenannte Wissenschaftstage. „Wir sprechen eigentlich nie über irgendetwas anderes“, verrät die Tochter der Biontech-Gründer. Ungestört von Meetings und E-Mails bringe man sich gegenseitig auf den neuesten Stand und tausche sich über Forschungsergebnisse in verschiedenen Gebieten aus. Anschließend schauen die Forscher gemeinsam einen Film aus dem Marvel-Kosmos – ein weiteres wöchentliches Ritual der Familie.
Als die halbe Welt im Januar 2020 Corona noch für ein lokales Phänomen in China hält, hat Ugur Sahin für sich bereits ausgerechnet, mit welcher Wucht das Virus zu einer Pandemie führen könnte. Er besorgt sich die Gensequenz des neuen Virus und schickt sie übers Wochenende an Kollegen bei Biontech, verbunden mit der Bitte, sich auf eine ausführliche Besprechung am Montagmorgen vorzubereiten.
Am 24. Januar 2020 gibt es weltweit weniger als 1000 bestätigte Coronafälle. Am 25. Januar fassen Sahin und Türeci den Entschluss, einen Impfstoff herzustellen. Am 26. Januar, einem Sonntag, hat Sahin das Design der ersten Impfstoffkandidaten ersonnen.
Ugur Sahin ist begeisterter Mathematiker. Ende der 1980er Jahre hatte er neben dem Medizinstudium einen Mathe-Fernkurs belegt. „Er liest komplizierte mathematische Fachbücher wie andere Romane“, sagt eine frühere Assistentin des Paars. Dafür hat Sahin keinen Führerschein. Er fährt lieber Fahrrad.
Die Proteinausstülpungen der Coronaviren sind so klein, dass 50 000 davon auf der Spitze einer Stecknadel Platz finden könnten. Der Plan der Biontech-Gründer: Das Immunsystem durch die Impfung darauf zu trainieren, diese Ausstülpungen unkenntlich und damit das Virus wirkungslos zu machen.
Das erste Unternehmen, das Sahin und Türeci gegründet hatten, hieß Ganymed Pharmaceuticals. Es hatte sich auf die Entwicklung von Proteinen konzentriert, die sich an Krebszellen anheften können. 2016 wurde die Firma für 1,4 Milliarden Euro an ein japanisches Pharmaunternehmen verkauft.
Alle Fakten stammen aus dem Buch „Projekt Lightspeed: Der Weg zum Biontech-Impfstoff – und zu einer Medizin von morgen“, von Joe Miller, Ugur Sahin, Özlem Türeci, Rowohlt, 352 S., 22 Euro.