Menschen in Not helfen Immer mehr Armut – da bedeutet ein neuer Kühlschrank der Fildertafel viel

Lesia Andriens (links) und Jacqueline Denz räumen das Kühlregal im Laden der Fildertafel in Nellingen ein. Foto: Roberto Bulgrin

Die Nellinger Fildertafel bietet jetzt auch wieder Milchprodukte für arme Menschen an. Das haben Spenden möglich gemacht. Die Nachfrage wächst.

Immer mehr Menschen leben in Armut und sind auf die Hilfe der Tafelläden angewiesen. Das spürt auch Nicola Hauke, die den Tafelladen in Nellingen leitet. Um die steigende Nachfrage zu bedienen, hat das Team jetzt einen neuen Kühlschrank angeschafft. Das haben Spenden möglich gemacht. „Lange hatten wir keinen Kühlschrank, da der alte ausgefallen war.“ Bis das neue Gerät geliefert wurde, musste der Laden eine Durststrecke überwinden. „Jetzt freuen sich die Menschen, dass es wieder Milchprodukte im Laden gibt.“

 

Das Geschäft in der Hindenburgstraße 48 ist eine der Ausgabestellen der Fildertafel – deren Hauptgeschäft ist in Bernhausen. Der Andrang im Nellinger Tafelladen ist größer denn je. Das macht die Organisation nicht einfacher. Um den wachsenden Kundenstamm zu verwalten, „haben wir unser System jetzt digitalisiert“, sagt Tanja Herbrik, die Leiterin des Diakonie-Kreisverbands Esslingen. Die Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen spendete 5000 Euro, die Bürgerstiftung steuerte 4000 Euro bei und die Futterer-Stiftung gab 1000 Euro dazu. „Uns ging es darum, schnell und unbürokratisch zu helfen“, sagt Andreas Futterer, der in den beiden Ostfilderner Stiftungen im Vorstand sitzt. Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind in Baden-Württemberg nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbands derzeit von Armut betroffen – das ist jeder Siebte im Land.

Inflation ist ein Grund für Armut im Kreis Esslingen

Angesichts steigender Energie- und Lebensmittelpreise sowie der wachsenden Inflation leben immer mehr Familien auch auf den Fildern in Armut. Da haben die Tafelläden eine wichtige Funktion. „Wir retten Lebensmittel“, verweist Ladenchefin Hauke auf einen weiteren wichtigen Aspekt. Mit dem neuen, großen Kühlschrank haben Nicola Hauke und ihr Team die Möglichkeit, Spenden von Discountern anzunehmen, bei denen die Kühlkette eingehalten werden muss. „Die Qualität der Waren, die wir anbieten, muss stimmen“, stellt die Leiterin des Nellinger Ladens klar. Die Frische der Lebensmittel testen die Mitarbeitenden in den Geschäften regelmäßig.

Die Spender im Nellinger Tafelladen bei der Scheckübergabe. Foto: Roberto Bulgrin

Tafel ist ein Treffpunkt für arme Menschen in Nellingen

Beim Einräumen des neuen Kühlschranks sind die Mitarbeiterinnen Lesia Andriens (links) und Jacqueline Denz voll des Lobes. Da die Kühlung sehr viel leiser ist als beim alten Gerät, ist nicht nur das Team bei der täglichen Arbeit entlastet. Nicola Hauke ist es wichtig, für die Kundschaft eine möglichst angenehme Atmosphäre zu schaffen. „Bei uns geht es nicht nur ums Einkaufen.“ Wichtig ist der Leiterin des Ladens, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sie gegebenenfalls an Beratungsstellen verweisen zu können. „Bei diesem Austausch kommen viele Themen auf den Tisch, die sonst schwer anzusprechen wären“, sagt Hauke. Deshalb nimmt sie sich dafür gerne Zeit.

Weniger Spenden für die Tafelläden von den Discountern

Neben Spenden von Privatpersonen, die nach Haukes Worten gerade in Nellingen „sehr viel abfedern“, sind die Tafelläden auf Produkte angewiesen, die bei Discountern nicht mehr verkauft werden. Im Gespräch mit Marcus Wittkamp, dem Vertreter der Stiftung der Kreissparkasse, sprach Tanja Herbrik über die Entwicklung dieser Lebensmittelspenden. Durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz könnten die Märkte den Bedarf viel besser planen, sodass weniger für die Bedürftigen abfällt. „Umso mehr sind wir auf Spenden von Organisationen angewiesen“, stellte die Kreisgeschäftsführerin klar. Dass die KSK-Stiftung und die Ostfilderner Stiftungen bei der Ausrüstung des Ladens helfen, ist für Tanja Herbrik ein großer Gewinn.

Einmal am Tag darf in der Tafel eingekauft werden

Im Diakonie- und Tafelladen dürfen die Kundinnen und Kunden Kleidung und Hausrat einkaufen. Lebensmittel gibt es im Tafelladen. „Ein Einkauf mit der Kundenkarte ist nur einmal am Tag in einem unserer Tafelläden möglich“, sagt Nicola Hauke. 40 bis 60 Kunden kaufen im Tafelladen Nellingen täglich Lebensmittel ein, die maximal etwa 30 Prozent des handelsüblichen Preises kosten. Dieses Jahr feiert die Fildertafel 30-jähriges Bestehen. Dass das Konzept seit Jahrzehnten erfolgreich läuft, freut Tanja Herbrik. „Andererseits ist es traurig, dass der Bedarf immer weiter wächst.“

Dass es mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern und der Unterstützung von Verbänden, der Evangelischen Kirche und der Kommune gelungen sei, seit dreißig Jahren Lebensmittel zu retten und sie Menschen zukommen zu lassen, die über wenig Geld verfügen, sieht Herbrik als Erfolg. Sorgenvoll blickt sie jedoch auf die gesellschaftliche Entwicklung.„Bei zu vielen Menschen reicht das Geld einfach nicht.“

Einsatz für arme Menschen

Neues Fahrzeug
Im Juni bekam die Fildertafel in Bernhausen ein neues Fahrzeug. Spenden machten die dringend nötige Neubeschaffung möglich. So konnte das zehn Jahre alte Fahrzeug ersetzt werden. „Ohne ein Kühlfahrzeug können wir keine Milchprodukte oder andere Lebensmittel anbieten, die im Kühlkreislauf bleiben müssen“, sagt die Geschäftsführerin des Kreisdiakonieverbands Tanja Herbrik.

Ostfildern hilft
Beim Neujahrsempfang 2024 der Stadt Ostfildern wurden Spenden von 1750 Euro für den Tafelladen in Nellingen gesammelt. Zusätzlich hat die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen diesen Betrag um weitere 1200 Euro aufgestockt. Mit diesen Mitteln wurde monatlich für den Tafelladen eingekauft.

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