Menschen mit Behinderung „Da geht mir das Herz auf“: Chorclub feiert in Esslingen
Der inklusive Chorclub und Musiker des Podium Festivals haben in Esslingen gesungen und gespielt – zum Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.
Der inklusive Chorclub und Musiker des Podium Festivals haben in Esslingen gesungen und gespielt – zum Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.
Am 5. Mai war der Tag, an dem in ganz Europa Engagierte für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auf die Straße gegangen sind. Seit 1992 fordern Aktivisten und Verbände an diesem Tag mit Demonstrationen und Kundgebungen das Ende von Diskriminierung. Sie plädieren für Teilhabe, Inklusion und Barrierefreiheit, und sie wollen das Bewusstsein für die Rechte von Menschen mit Behinderung schärfen.
In Esslingen hieß es aus Anlass des Protesttags „Gemeinsam laut“: Der Chorclub der Lebenshilfe und des FC Esslingen sang gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern des Podium Festivals Lieder, die Mut machen und Freude schenken: „Wir werden gemeinsam laut – gegen Diskriminierung, für Solidarität und für eine Gesellschaft, in der alle mitspielen können.“
Elke Willi von der Stiftung Lebenshilfe Esslingen betonte in ihrer Begrüßung, dass ein solcher Protesttag gerade in einer Zeit, „in der auf allen Ebenen darüber nachgedacht wird, die Leistungen für Menschen mit Behinderung zu kürzen“, wichtiger ist denn je: „Demokratie ist nicht möglich ohne Menschenwürde und Menschenrechte, ohne Inklusion und Teilhabe.“ Im Esslinger Chorclub singen alt und jung, Männer und Frauen, Anfänger und erfahrene Chorsänger, Menschen mit und Menschen ohne Beeinträchtigung mit ganz viel Spaß und Leidenschaft.
Ins Leben gerufen wurde das inklusive Chorprojekt durch den Fußballtrainer Martin Hägele vom FC Esslingen, der merkte, dass seine Schützlinge von der Lebenshilfe nicht nur gerne kicken, sondern mindestens genauso gerne singen: Fortan traf sich die Gruppe in der einen Woche zum „Sport vor Ort“ und in der nächsten Woche zum Singen, unterstützt durch Isolde Holzmann, Gesangspädagogin und Chorleiterin beim Weingärtner Liederkranz. Die Leidenschaft der Chorsänger übertrug sich beim „Gemeinsam laut“-Konzert, das wegen einer Gewitterwarnung kurzerhand vom Blarerplatz ins Kulturzentrum Komma umgezogen war, sofort aufs Publikum, das mitklatschte und beim Kanon „Bruder Jakob“ sogar eine eigene Stimme übernahm.
Im Anschluss ans afrikanische „Banuwa“ machten die Podium-Musiker den Urwald hörbar, bevor sie den schlafenden Löwen mit ihren Instrumenten aufweckten. Nach einem klangvollen Vorspiel bestätigte der Chor das „Wir sind okay, wie wir sind“ mit einem Mut machenden „Ja!“. Natürlich durfte der Lieblingssong des Chorclubs, das Lied der deutschen Fußballnationalmannschaft zur Weltmeisterschaft 1974 „Fußball ist unser Leben“, nicht fehlen. Gemeinsam ging es dann mit viel Percussion in „Die coole Bongo-Disco in der Coco-Bar“, bevor das Publikum das neuseeländische Maori-Lied „Epo i tai tai e, tuki tuki“ als Zugabe feierte.
Joosten Ellée dankte den Chorclub-Sängern: „Da geht mir das Herz auf.“ Dem künstlerischen Leiter des Podium Festivals ist es ein besonderes Anliegen, die Veranstaltung noch stärker in der Stadtgesellschaft zu verankern und immer wieder auch gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Musik zu hören, zu machen und aufzuführen. Zum Abschluss freute sich auch Chorleiterin Isolde Holzmann: „Ich sehe ein Lächeln in jedem Gesicht. Nehmen Sie dieses Strahlen bitte mit nach Hause.“