Menschen mit Behinderungen Weitblick ist gefragt

Landespolitik: Thomas Breining (tb)
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Was also tun? Da wird Klein zum Un­ternehmer, aber keiner nach gängigem Muster. Er bemängelt die vorherrschende Kurzsicht in der Managerklasse, wo doch mehr denn je Weitblick nötig sei. Ein Beispiel: Unternehmen wie Bosch und Daimler seien „satt an Zulieferern“, glaubt er und sieht für seine Werkstatt dort keine reelle Geschäftschance. „Wir gehen in Kontakt zu Start-up-Unternehmen“, also neu gegründeten jungen Betrieben. Denen stellt man seine Kompetenzen vor. Wenn’s gut läuft, ist das der Beginn einer längeren Partnerschaft – und es wachsen beide.

So hat Klein, wie er sagt, mit dem Zirkel auf der Landkarte rund um Albstadt einen Hundert-Kilometer-Kreis gezogen und festgestellt, dass auffallend viele Medizintechnikbetriebe in diesem Radius tätig sind. Inzwischen hat die Lebenshilfe-Werkstatt in Bisingen einen Reinraum mit 140 Quadratmeter Fläche. Dort montieren 24 Menschen Bauteile für endoskopische Instrumente oder kleben Gießschläuche für die Medizintechnik.

Partnerschaft gesucht

Der Hechinger Hersteller von Dialysegeräten, Gambro Dialysatoren GmbH, arbeitet seit Jahren mit der Lebenshilfe zusammen. Gambro-Auszubildende leben und arbeiten eine Woche lang mit den Menschen mit Behinderungen in den Werkstätten. Im Frühjahr hat sich Gambro jetzt für regelmäßige Wartungsarbeiten an den Produktionsanlagen personelle Unterstützung von außen geholt: von der Lebenshilfe, denn die verfüge „über erfahrenes Personal im Reinraum“. Partnerschaften wie diese strebt Klein an.

Ein anderes Beispiel ist die Kaffeerösterei, die in Lautlingen seit drei Jahren betrieben wird. Zwei bis drei Tonnen ökologisch angebauter und fair gehandelter Kaffee wird dort pro Monat verarbeitet und an Händler, Kantinen oder Cafés weit außerhalb des Zollernalbkreises vertrieben.

Vielfalt geschickt verknüpft

Klein will „in Partnerschaften mit Kunden und Lieferanten denken“. Die Lebenshilfe lädt zum Beispiel ihre Auftraggeber zu Kundentagen ein, um zu zeigen, welche Ideen man gerade wälzt. Sie ist auf Messen präsent oder macht Mailingaktionen. Klein geht auch mal raus. Bei Dallmayr in München hat er sich einen Tag lang umgesehen, aber auch bei Würth in Künzelsau. „Wenn man sich außerhalb der Branche orientiert, kommt einem auch mal was Neues.“

In den Lebenshilfe-Werkstätten werden Metalle und Kunststoffe bearbeitet, Bleche gestanzt, Kabel konfektioniert, Leiterplatten bestückt, Verpackungen aus Karton oder Holz gefertigt, Wasserzähler geeicht, Treppengeländer oder Terrassenüberdachungen gebaut; es gibt eine Schlosserei, eine Schreinerei, eine Druckerei. Diese Vielfalt geschickt zu verknüpfen sollte Aufträge bringenden Mehrwert für die Kunden schaffen, sagt Klein. Man muss seine Fertigkeiten eben nur richtig einsetzen.

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