Menschenkette von Hamburg bis zum Mittelmeer Vermisste Flüchtlinge bekommen ein Gesicht in Stuttgart

Teilnehmer der Kundgebung in Stuttgart halten eine Leine als Symbol für eine Rettungskette. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Teilnehmer der Kundgebung in Stuttgart halten eine Leine als Symbol für eine Rettungskette. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Arbeitskreis Asyl, Flüchtlingsrat, Seebrücke und viele andere machten den Auftakt zur „Rettungskette für Menschenrechte“ auf dem Kronprinzplatz.

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Stuttgart - Majoub Omar, Abonal Mensa, Hamad Dafallah Jomaa, Rashnel Musa Jomaa und viele andere verbindet ein Schicksal: Sie versuchten aus widrigsten Umständen nach Europa zu fliehen – und sind vermisst, die meisten wahrscheinlich im Mittelmeer ertrunken. Unter #SayTheirNames haben sie nun ein Gesicht auf dem Kronprinzplatz bekommen – mit ihren Bildern. Dorthin luden Arbeitskreis Asyl Stuttgart, Flüchtlingsrat Baden-Württemberg, Seebrücke Stuttgart, der Arbeitsgemeinschaft für die eine Welt AGDW, der Initiative just human, der Verein Salamaleque in Kooperation mit anderen zur Auftaktveranstaltung der „Rettungskette für Menschenrechte #HandinHand“.

30 Menschen bildeten einen regelgerechten Kreis

Diese soll am 18. September 2021 geschlossen werden – von Hamburg bis ins italienische Chioggia an der venezianischen Lagune. Ob das Hand in Hand gehen wird, müsse man an der Pandemie-Lage sehen, so Bernhard Kapitzki, Flüchtlingskoordinator in der kirchlich-diakonischen Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Stuttgart. In der Kronprinzstraße klappte das coronakonform: Kapitzki und seine Mitstreitenden hatten ein Seil mit Knoten vorbereitet, die in jeweils eineinhalb Meter Abstand angebracht waren. „Wenn wir sich jeder an einen Knoten nimmt, dann halten wir die Regeln ein, wir müssen uns auch selbst schützen“, so Kapitzki. Fast 30 Menschen bildeten einen regelgerechten Kreis.

„Kaum vorstellbare“ Zustände

„Mit dieser Kick-Off-Veranstaltung, bei denen auch Partnergruppen entlang der Route mitmachen, wollen wir ein Zeichen setzen.“ Gerade in Zeiten von Corona dürften die Geflüchteten nicht vergessen werden. „Es ist Bundestagswahl, da muss das Thema – neben dem Klimawandel – auf die Agenda“, erklärte auch eine Vertreterin der Seebrücke. „21.497 Menschen, davon 40 Prozent Kinder, also rund 8000, sind seit 2015 im Mittelmeer ertrunken.“ Eine somalische Dichterin habe ihr gesagt, dass Eltern ihren Kindern die Überfahrt über das Wasser zumuteten, weil es an Land noch schlimmer sei. „Kaum vorstellbar!“

Aktivisten forderten sichere Fluchtwege und Bleibeperspektiven

Auch Bärbel Mielich vom Flüchtlingsrat Baden-Württemberg, Tobias Gruß von Just Human und Choreografin Heidi Rehse, die künstlerische Leiterin der Salamaleque Dance Company – Dancers Across Border ist beim AK Asyl, schilderten ihre Erfahrungen, von den Zuständen in den EU-Außenlagern wie Lesbos genauso wie von Menschen, die Deutschland gerne zupacken würden, aber über die Duldung nicht hinauskämen. Alle Aktivisten forderten sichere Fluchtwege und Bleibeperspektiven für Geflüchtete, die Fluchtursachen zu bekämpfen und die zivile Seenotrettung zu entkriminalisieren. „Die Rettungskette zeigt, wir sind viele!“, fasste Kapitzki zusammen. Unter die Haut ging, wie die Salamaleque Dance Company – Dancers Across Border das Thema Flucht und Konflikt tänzerisch umsetzte. Sie marschierten oder reckten ihre Fäuste in blutigen T-Shirts kämpferisch in den Himmel, während Grandson leidenschaftlich sang „What you gon’ do when there’s blood in the, blood in the water?“




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