Zwei Engländer mussten ihre Schulden bezahlen und haben daher „Buy my Face“ gegründet. Mittlerweile wollen auch Deutsche ihren Kopf als Reklamefläche verkaufen.

Korrespondenten: Peter Nonnenmacher (non)

London - Ganz so erfolgreich wie Mark Zuckerberg wollen sie ja gar nicht werden. Milliarden von Pfund anzuhäufen, das ist keineswegs ihr Ziel. Mit der Abzahlung ihrer Schulden – und einem kleinen zusätzlichen Lohn – wären sie schon ganz zufrieden. Wenn sich daraus mehr machen lässt: umso besser. Einen Versuch ist es Ed Moyse und Ross Harper jedenfalls wert.

 

Die beiden Absolventen der englischen Universität Cambridge versuchen derzeit wie ihr großes Vorbild Zuckerberg, der an der Harvard Universität studierte, einen Geistesblitz kommerziell auszubeuten. Statt Facebook heißt ihr Unternehmen aber Buy my Face. Der Ökonom Moyse und der Neurologe Harper verkaufen ihre Gesichter. Zumindest verpachten sie diese. Als Reklamefläche. Für 400 Pfund pro Tag kann man sie mieten. Zwischen der Stirn und der Kinnspitze tragen sie Firmenlogos spazieren. Außerdem stellen sie ihre bunt bemalten Gesichter im Internet aus.

Die Idee kam den beiden Freunden und weiteren Kommilitonen im Vorjahr, als ihr Studium sich dem Ende neigte. Wie die meisten Studenten in England hatten sie sich die Gebühren und den Unterhalt für die Dauer des Studiums vom Staat auslegen lassen. Ihre Schulden beim Amt für studentische Darlehen betrugen daher rund 25 000 Pfund – sowohl für Moyse als auch für Harper. Jobs jedoch standen keine in Aussicht. Also, sagen die beiden, habe man sich „etwas Unkonventionelles“ einfallen lassen müssen. Etwas, das wenig Startkapital erforderte.

Ein Make-up-Koffer als Geschäftsgrundlage

Die Lösung war die Verpachtung der Gesichter. Dafür war lediglich ein guter Make-up-Koffer notwendig, weiter nichts. Ihren Verwandten und Bekannten mit Geschäftsverbindungen boten sie im vorigen Sommer zuerst ihre Dienste an. Für einen Pfund pro Tag waren sie bereit, sich Logos und Werbesprüche auf das Gesicht zu malen. Es war „mal etwas anderes“, einen Firmennamen so unter die Leute zu bringen.

Anfangs, berichten Harper und Moyse, habe sie wahrscheinlich jeder für verrückt gehalten – wobei die wenigsten das offen sagten. Dann sprach sich die Idee aber herum. Als die Fotos der wandelnden, menschlichen Litfaßsäulen im Internet erschienen, lockte das auch größere Unternehmen an. Mit dem Wettbüro Paddy Power und der Steuerberatungsfirma Ernst & Young als Kunden schafften die unternehmungslustigen Jungakademiker schließlich den Durchbruch. Nunmehr wurden sie sogar auf Reisen geschickt. Oder in die Oper. Auch eine Skitour gehörte mit „zum Auftrag“. Der schöne Nebeneffekt: ihre Tagespreise zogen stark an.

Mittlerweile haben die beiden Ex-Studenten mehr als 30 000 Pfund mit ihren Malstiften verdient. Was Geburtstagskinder in England zum Spaß betreiben, brachte Moyse und Harper jede Menge Geld ein. Mit Hilfe eines technologisch versierten Freundes in Cambridge optimierten sie außerdem ihre Webseite. Inzwischen planen sie die Expansion. Mit der Verdreifachung der englischen Studiengebühren in diesem Herbst wachsen offenkundig auch die Schulden arbeitsloser Studienabgänger auf der Insel. Sogar aus Deutschland und den USA sind schon Anfragen bei Buy my Face eingegangen. Immer mehr Leute wollen sich als Reklamefläche verkaufen.

Die besten Erfahrungen abends gemacht

Kritik an der Art ihres Gelderwerbs kann Ed Moyse und Ross Harper wenig rühren. Dass sie im Lager des antikapitalistischen Protests nicht willkommen wären, wissen sie. Dabei wollen sie, wie sie beteuern, ja nur erst mal ihre Schulden abarbeiten – und danach ihre Idee für andere nutzbar machen. Nebenher erheitere ihre Methode außerdem die Mitmenschen. Wer könnte daran etwas auszusetzen haben?

Manchmal entstehe natürlich „eine etwas betretene Pause“, berichten die beiden. Nämlich immer dann, wenn Passanten ihre bemalten Gesichter entdecken und versuchen, diesen Anblick zu verstehen – ohne aber ein einziges Wort zu sagen. Abends vor allem hätten sie indes gute Erfahrungen gemacht: „Wenn wir ausgehen, werden wir schon mal spontan von Leuten umarmt, die vielleicht ein oder zwei Gläschen zu viel getrunken haben. Aber beschimpft hat uns im Grunde noch niemand.“