Sven Feliks hat mit drei weiteren das Start-Up Visito.me gegründet, das Restaurants hilft, die Speisekarte digital zur Verfügung stellen – zum Beispiel über QR-Codes. Foto: Ines Rudel
Der Esslinger Sven Feliks hört nach 14 Jahren bei Mercedes auf und will Vollzeit in sein Start-Up einsteigen – auch weil er sich verlobt hat und mehr Zeit für die Familie haben will.
Vollzeitjob bei Mercedes, nebenher ein Start-Up betreiben und seit kurzem erst verlobt: Sven Feliks aus Esslingen arbeitet als Entwickler beim Stuttgarter Automobilkonzern Mercedes-Benz und wird mit der Abfindung gehen, „weil ich mich nicht auf Dauer durch drei teilen will.“ Im August verlässt der 33-Jährige seinen alten Schreibtisch, um sich dann als erster der vier Gründer auf das Start-Up konzentrieren zu können und dennoch Zeit für seine Familie zu haben.
Das Büro ihres Start-Ups Visito.me befindet sich in den ehemaligen Räumen der Esslinger Plastikfabrik auf dem Langheck-Areal, unweit vom Neckar. Zwischen einer Couch in der einen Ecke und einer Dartscheibe in der anderen stehen dort in der Mitte des Raumes mehrere Bildschirme und Smartphones sind angesteckt. In dem Büro arbeiten Sven Feliks und sein Team daran, die Gastronomie-Szene zu digitalisieren – mit Webseiten, digitalen Speise- oder Stempelkarten oder Funktionen zur Reservierung und Buchung.
Dass er Mercedes-Benz verlassen wird, weiß er seit Juni, als er seinen Aufhebungsvertrag unterschrieben hat. Die Summen, die in diesen Verträgen aufgeführt ist, bewegen sich in der Regel im sechsstelligen Bereich – abhängig vom Alter, der Betriebszugehörigkeit und der Position. Wie lange er nicht mehr zurückkehren darf, ohne Teile davon zurückzahlen zu müssen, weiß Feliks auf Anhieb nicht. „Mein Plan ist nicht, bald wieder zu Mercedes-Benz zurückzukehren.“ Er hoffe, mit dem Start-Up erfolgreich zu sein – „und ich würde es nicht wagen, wenn ich da nicht daran glauben würde“.
Feliks ist in Ostfildern aufgewachsen und hat nach seinem Schulabschluss 2011 bei Mercedes-Benz angefangen und den Konzern seither nicht verlassen. Nach einer Ausbildung zum Informatikkaufmann studierte er berufsbegleitend Wirtschaftsinformatik – und lernte dabei auch seine drei Mitgründer Alexander Koruš, Dennis Selig und Florian Hahn kennen. Bis zuletzt arbeitete er in mehreren Rollen am Sindelfinger Standort des Automobilherstellers. Zuletzt hat er seit einem Jahr als Ingenieur daran gearbeitet, die Software-Entwicklung von organisatorischer Seite aus schneller voranzutreiben. „Da geht es darum, nicht mehr in getrennten gedanklichen Silos zu arbeiten“, erklärt Feliks, und man merkt ihm seinen IT-Hintergrund an, wenn er fortfährt: „Wir denken da in kleinen Schritten, setzen uns kürzere Ziele und passen den Prozess immer wieder währenddessen an.“
„Bin nicht ganz der Entwickler-Typ, eher der, der viele Ideen mitbringt“
Angefangen hat er damals in der Weiterentwicklung von Mercedes Me Connect, das das Auto mit dem Smartphone und dem Internet verbindet. Später hat er die Mercedes Me-App getestet und war für den weltweiten Start der App zuständig. Die App informiert beispielsweise, ob alle Fenster geschlossen sind oder wann der nächste Service-Termin ansteht. „Da konnte ich mich ausleben und neue Ideen mit vorantreiben“, sagt er. Im Anschluss ist er wieder für die digitalen Funktionen im Fahrzeug sowie der App zuständig – zum Beispiel, wie die KI-basierte MBUX Applikation oder das Tracking des Standorts.
Start-Up mit Mercedes-Abfindung
2018 haben Feliks und seine Mitgründer ihr Start-Up gegründet. Während der Corona-Pandemie haben sie die App Restaurants zur Nachverfolgung der Infektionskette zur Verfügung gestellt. Er habe Erfahrung im IT-Bereich, sieht sich in ihrem Start-Up aber mehr für Marketing, den Kundensupport sowie Steuern und Finanzen zuständig: „Ich bin nicht ganz der Entwickler-Typ, mehr der, der viele Ideen hat und Verständnis für IT-Anbindungen mitbringt.“ Die Entwicklung, die Webentwicklung und die User Experience überlässt er daher seinen drei Mitgründern.
Heute ist die Corona-Pandemie passé und sie helfen mit dem Start-Up Betreibern von Restaurants, Bars oder auch dem Schnellimbiss von nebenan dabei, digitaler zu werden. So erstellen sie den Restaurants bei visito.me eigene Webseiten, hinterlegen dort digitale Speisekarten in mehreren Sprachen und ermöglichen die Verwaltung der Reservierungen sowie das Verfassen von Newslettern. „Wenn Gäste im Restaurant den QR-Code scannen, gelangen sie auf eine von uns bereitgestellte Webseite, auf der sie unter anderem die Speisekarte sowie zahlreiche digitale Funktionen finden“, erklärt Feliks.
Sven Feliks vor ihrer Plattform visito-me, über die Restaurants ihre Webseite verwalten können. Foto: Chiara Sterk
Mehr als 200 Kunden betreuen sie inzwischen in mehreren Ländern – darunter auch in London, Dubai und in den USA. Perspektivisch wollen sie sich nicht auf Gastronomie beschränken, sagt Feliks, sondern eine Plattform für Tourismus, Gastronomie und Hotellerie sein. „Unser Traum ist es, mit visito.me jede Gastronomie und Hotellerie auszustatten – und darüber hinaus die Digitalisierung des Tourismus nicht nur mitzugestalten, sondern aktiv voranzutreiben.“