Mercedes-Benz-Arena Ein Stadion mit bewegter Vergangenheit

Von SIR 

Die heutige Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart-Bad Cannstatt hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Ein Stück Fußballgeschichte: Im Rückspiel des Uefa-Cup-Finales am 17. Mai 1989 spielt der VfB Stuttgart gegen den SSC Neapel im Neckarstadion 3:3 - hatte das Hinspiel jedoch mit 1:2 verloren. Foto: Pressefoto Baumann 5 Bilder
Ein Stück Fußballgeschichte: Im Rückspiel des Uefa-Cup-Finales am 17. Mai 1989 spielt der VfB Stuttgart gegen den SSC Neapel im Neckarstadion 3:3 - hatte das Hinspiel jedoch mit 1:2 verloren. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart-Bad Cannstatt - Die heutige Mercedes-Benz-Arena hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Stadion-Historie führt Sie durch die mehr als 100 Jahre alte Historie der sportlichen Stätte.

Bis zur Fusion 1912: Stöckach-Eisbahn und Stuttgart-Münster

Der FV Stuttgart kickte noch auf der Stöckach-Eisbahn, bis man 1894 auf den Cannstatter Wasen umzog. Diesen verließ man nach Streit mit der Verwaltung bald wieder und mietete sich ein Feld auf dem Adelsberg. Der spätere Fusionspartner Kronen-Club Cannstatt hatte in Stuttgart-Münster seinen eigenen Fußballplatz. Dieser besteht noch heute und wird vom TSV Münster bespielt.

Das Spielfeld war einer der Gründe zur Fusion: Der FV hatte die spielerische Klasse und der Kronen-Club einen guten Platz - man einigte sich.

1912 bis 1929: Platz bei den drei Pappeln

Da der bisherige Platz im Ersten Weltkrieg zum Anbau von Kartoffeln benutzt wurde, musste ein neuer her. Eine Rückkehr nach Cannstatt stand an. Der Exerzierplatz auf dem Wasen war nicht mehr in Gebrauch, also übernahm der frischgegründete VfB das Feld und eröffnete 1919 den Platz bei den drei Pappeln. Nachdem der Verein sein Feld früh für Aufmärsche der NSDAP freigab, kündigte die Stadt Stuttgart den Vertrag mit dem Verein. Nachdem die Nazis die Macht in Stuttgart ergriffen hatten, erhielt der VfB sein Feld zurück. Erste 1936 wechselte man dann auf die Adolf-Hitler-Kampfbahn.

1929 bis 1933: Stuttgarter Kampfbahn

Entworfen von Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholler und erbaut für das deutsche Turnfest in Stuttgart. Am Anfang hauptsächlich für die Leichtathletik genutzt.

Kapazität: 35.000 Plätze

1933 bis 1945: Adolf-Hitler-Kampfbahn

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wechselte der Name. Die Anzahl der Plätze im nun umgebauten Stadion wurde verdoppelt. Dass dies notwendig war, zeigte der legendäre Boxkampf zwischen Max Schmeling und Adolf Heuser im Juni 1939 – 60.000 Menschen kamen zu dem Großereignis.

Kapazität: 70.000

1945 bis 1949: Century Stadium/Kampfbahn

Nach dem Krieg spielten die Besatzungsmächte im nun wieder umbenannten Century Stadium Baseball. Allerdings änderte sich auch hier wieder recht schnell der Name und das Century Stadium wurde wieder zur Kampfbahn.

Kapazität: 70.000 Plätze

1949 bis 1970: Neckarstadion

Die bisher längste Zeit ist das Stadion im Neckarpark als Neckarstadion bekannt. Zwischen 1949 und 1993 war es unter diesem Namen ein Ort, an dem Fußballgeschichte geschrieben wurde. So begann die Ära des Neckarstadions mit dem Endspiel um die Deutsche Meisterschaft zwischen dem VfR Mannheim und Borussia Dortmund vor rund 90.000 Menschen. 1950 war es der Ort des ersten Nachkriegsländerspiels zwischen Deutschland und der Schweiz, über 100.000 Fans waren hier dabei. Kapazität: 97.500 Plätze

1970 bis 1993: Neckarstadion

Den größten Umbau erlebte das Neckarstadion vor der Fußball-WM 74 im eigenen Land. So wurde die Haupttribüne abgerissen und durch eine größere ersetzt, die Gegentribüne überdacht und eine Anzeigentafel gab ab sofort über den Spielstand Auskunft. Bei der WM selbst war das Neckarstadion Ort von vier Partien. Durch Sitzränge reduzierte sich die Zahl der Plätze auf 72.000. 1976 eröffneten die Rolling Stones das erste Open-Air-Festival in einem Fußballstadion, sie legten den Grundstein für die Bekanntheit des Stadions als Konzert-Ort. Die Leichtathletik-EM 1986, das Endspiel im Europapokal der Landesmeister zwischen der PSV Eindhoven und Benfica Lissabon 1988 sowie zwei Spiele während der EM 1988 wurden im Neckarstadion ausgetragen. 1990 wurde eine Rasenheizung installiert.

Kapazität: 72.000 Plätze

1993 bis 2008: Gottlieb-Daimler-Stadion

Anlässlich der Leichtathletik-WM erhielt das nun umbenannte Gottlieb-Daimler-Stadion eine komplette Überdachung, die bis heute bestand hat. Durch mehr Sitzplätze verringerte sich die Zahl der Gesamtränge auf 53.700. Ab dem Jahr 1999 wurde der zweite Rang der Haupttribüne abgerissen, unter dem neu entstandenen Oberrang wurden 44 Logen gebaut und ein Parkhaus und ein Restaurant entstanden. Durch weitere Umbaumaßnahmen (Oberrang auf der Gegentribüne, neue Anzeigetafeln) wuchs die Zahl der Sitzplätze auf 55.000. Von der Heim-WM 2006 blieb besonders das Spiel um Platz 3 zwischen Deutschland und Portugal in Erinnerung.

Kapazität: 55.000 Plätze

Seit 2008: Mercedes-Benz-Arena

Bislang ein Mehrzweckstadion sollte sich das unter neuem Namen ändern - 2008 endete mit dem dritten Weltfinale der Leichtathletik die Ära des Stadions in der Sportwelt abseits des Fußballs. Als reiner Fußballtempel ist die Zahl der Plätze seit Ende 2011 auf rund 60.000 erhöht werden. Dies geschah durch die Tieferlegung um 1,30 Meter sowie durch den Wegfall der Laufbahn. Auch wurden die Untertürkheimer und die Cannstatter Kurve um- und ausgebaut. Während des Umbaus (Mai 2009 bis Ende 2011) fasste die Arena rund 41.000 Zuschauer, bis Mai 2009 betrug die Kapazität 55.896 Plätze.

Kapazität: zwischen 41.000 und 60.000 Plätzen