Mercedes-Cup Felix Auger-Aliassime und Denis Shapovalov – die kanadischen Tennis-Brüder
Felix Auger-Aliassime und Denis Shapovalov treffen sich in Stuttgart beim Mercedes-Cup. Einer erreicht das Halbfinale, der andere nicht.
Felix Auger-Aliassime und Denis Shapovalov treffen sich in Stuttgart beim Mercedes-Cup. Einer erreicht das Halbfinale, der andere nicht.
Stuttgart - Freunde des alpinen Skisports erinnern sich an die Crazy Canucks. Die lebensfrohen Kanadier Jim Hunter, Dave Irwin, Ken Read und Steve Podborski mischten in den siebziger und achtziger Jahren die Szene ordentlich auf – und waren nur im Rudel anzutreffen.
Kanadische Freundschaften im Sport sind etwas Besonderes. Auch Felix Auger-Aliassime und Denis Shapovalov darf man als unzertrennlich bezeichnen. Sie fahren nicht Ski, sie spielen Tennis. Am Freitag standen die kanadischen Freunde beim Mercedes-Cup auf dem Platz. Einer kam ins Halbfinale, der andere nicht.
Felix Auger-Aliassime, die Nummer 21 der Welt, besiegte im Viertelfinale den Franzosen Ugo Hubert 7:6, 7:6. Denis Shapovalov (Nummer 14) verlor sein Viertelfinale gegen den Kroaten Marin Cilic mit 5:7, 6:7. Er ärgerte sich darüber. Aber sie sind jung und können noch vor einer großen Zukunft stehen. Ihre Karrieren haben im Teenageralter angefangen – gemeinsam. Deshalb sind sie auch wie Brüder. Sie treten oft als Doppelpartner an und haben sich in den ihren ersten Jahren auf der Profitour nie aus den Augen verloren.
Auger-Aliassime (20) gewann 2015 in seinem zweiten Junior-Jahr bei den US Open an der Seite von Denis Shapovalov (22) den Titel der Doppelkonkurrenz. Damals hatte der ältere Bruder den jüngeren mitgezogen ins Reich der Besten. Ein Jahr später erreichten die Kanadier in Wimbledon erneut das Doppelfinale, konnten gegen Kenneth Raisma und Stefanos Tsitsipas aber nicht triumphieren.
Felix Auger-Aliassime stellte bei den Junioren Rekorde auf. „Ich glaube, dass ich schon während meiner Ausbildung und auf meinem Weg ins Profitennis eine gute Mentalität hatte“, sagt er. Vor zwei Jahren sprach die Branche etwas im Übereifer vom neuen Roger Federer. Danach blieb der Kanadier etwas stehen: Er erreichte acht Finalspiele, gewann aber nie. Eine der Niederlagen setzte es 2019 beim Mercedes-Cup in Stuttgart, wo er dem Italiener Matteo Berretti unterlag. Auger-Aliassime ist ein nahezu perfekter Spieler, der mit seinen 1,93 Meter Körperlänge erstaunlich beweglich ist. Nur: Er zeigt oft noch Nerven und macht leichte Fehler.
Denis Shapovalov ist etwas weiter. Im Herbst 2019 gewann er das ATP-Turnier in Stockholm. „Ich denke, dass ich gefährlich bin. Ich fühle mein Spiel und fühle auch, dass ich jeden Spieler schlagen kann“, sagt er selbstbewusst. Sein Kumpel würde das von sich wohl auch behaupten. Brüder auf dem Platz, Brüder im Geiste – man wird noch von ihnen hören.