Mercedes-Cup in Stuttgart Das ist das Konzept der Zukunft

Von Tim Wohlbold 

Der Mercedes-Cup 2019 hat in Matteo Berrettini einen neuen Sieger. Die Macher sind mit den Gedanken aber längst bei der Auflage im Jahr 2020 – mit klaren Zielen, Signalen und einer großen Herausforderung.

Matteo Berrettini mit seinem neuen Auto: dem vollelektrischen Siegerfahrzeug von Titelsponsor Mercedes-Benz. Foto: Baumann 11 Bilder
Matteo Berrettini mit seinem neuen Auto: dem vollelektrischen Siegerfahrzeug von Titelsponsor Mercedes-Benz. Foto: Baumann

Stuttgart - Als Matteo Berrettini am Sonntag das Siegerfahrzeug in Empfang nimmt, strahlt sogar ein wenig die Sonne über dem Stuttgarter Weissenhof. In bester Wimbledon-Tradition hatten die Macher des Rasenturniers mit dem Wetter und dem einen oder anderen zu früh gescheiterten Star zu kämpfen. Berrettini war das egal: Als überragender Spieler der Turnierwoche ließ der 23-Jährige auch dem 18-jährigen Shootingstar Felix Auger-Aliassime im Finale kaum eine Chance. Dank seines 6:4, 7:6-Triumphs sicherte er sich neben seinem dritten Titel auf der Tour das elektrische Siegerauto sowie einen Scheck über 117 050 Euro.

10 000 Zuschauer weniger als im Vorjahr

Wenn Turnierdirektor Edwin Weindorfer von einer „super Woche“ spricht, dürfte ihn der Zuschauerrückgang mehr ärgern, als er zugibt. Über 10 000 Zuschauer weniger als im Vorjahr. Bei 55 000 Besuchern wäre er zufrieden, ließ er zu Turnierbeginn wissen. Am Ende waren es nur knapp über 50 000. Das frühe Aus von Topstar und Zugpferd Alexander Zverev war nicht einkalkuliert. Das Fehlen von Vorjahressieger Roger Federer schon.

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Mit einem veränderten Konzept ging Weindorfer in seinem 13. Jahr als Veranstalter in die Turnierwoche. Die „next generation players“, die Spieler der neuen Generation, waren die Köpfe der Marketingkampagne. Karen Khachanov, Felix Auger-Aliassime oder Matteo Berrettini sollten die Zuschauer auf den Weissenhof locken. Erst in letzter Sekunde gelang der Coup, den deutschen Tennis-Weltmeister Alexander Zverev mit einer Wildcard nach Stuttgart zu holen. Zwar scheiterte der Hamburger nach einem Freilos an Dustin Brown – dennoch präsentiert sich der 22-Jährige in Stuttgart von seiner besten Seite: als nahbarer, sympathischer, aber keineswegs „weichgespülter“ Profi.

Zverev und Federer als Zugpferde für 2020?

So wundert es nicht, dass Weindorfer betont: „Mein Ziel ist es, dass er in den nächsten Jahren beim Mercedes-Cup spielt.“ Dabei denkt der Österreicher langfristig: „Ich rede hier nicht von drei Jahren – sondern zeit seiner Karriere.“ Zverev sagte vor seiner Abreise: „Ich komme gern wieder und will dann besser spielen.“ Klingt, als sei es lediglich eine Frage des Preises.

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Ebenfalls weit oben auf der Wunschliste Weindorfers: „Wir würden gerne noch einmal Roger Federer in Stuttgart begrüßen.“ Was im ersten Moment nach einem frommen Wunsch klingen mag, scheint nicht ausgeschlossen. Federer wird im August 38 Jahre alt, und es ist davon auszugehen, dass er am Ende der kommenden Saison die Tennisschuhe an den Nagel hängt. Dass er sich dann noch einmal bestmöglich auf Wimbledon vorbereiten will, ist kein Geheimnis, und Weindorfer verspricht: „Ich werde meine ganze Energie dafür einsetzen, dass uns das gelingt.“

Vertrag mit dem Hauptsponsor läuft aus

Worte, die man beim Titelsponsor Mercedes-Benz wohlwollend vernimmt. Seit 1979 ist der Weltkonzern Namensgeber des ATP-Turniers. Mit dem Matchball im Finale lief der Vertrag zwischen Weindorfers Agentur Emotion und dem Daimler-Konzern aus. „Wir haben bereits Gespräche aufgenommen und werden die im Nachgang des Turniers intensivieren“, sagt Bettina Haussmann, Head of Branded Entertainment bei Mercedes-Benz. Ein klares Bekenntnis zum Turnierstandort Stuttgart war ihr zwar nicht zu entlocken – und doch hoffen alle Beteiligten, den neuen Vertrag zeitnah zu unterzeichnen.

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Auch mit der neuen Marketingstrategie, auf „die Grand-Slam-Sieger der Zukunft“ (Weindorfer) zu setzen, kann man sich bei Mercedes anfreunden: „Auch unsere Branche befindet sich in einem fundamentalen Umbruch, und es geht immer darum, die Weichen rechtzeitig für die Zukunft zu stellen“, zieht Haussmann Parallelen zur hauseigenen Herausforderung beim Thema Elektromobilität. Schwer vorstellbar, dass sich der Konzern vom Weissenhof zurückzieht – schließlich sind die Rahmenbedingungen auf Rasen in der unmittelbaren Wimbledon-Vorbereitung optimal. Ein illustres Teilnehmerfeld auf Jahre garantiert.

Blick nach vorne, nicht zurück

In Berrettini ist der neue Sieger beim Mercedes-Cup gefunden. „Ich will im kommenden Jahr wiederkommen, um meinen Titel hier zu verteidigen“, sagt er. Langfristige Verträge hat Weindorfer mit den jungen Profis geschlossen. Und doch scheint schon heute klar, dass das Marketingkonzept für 2020 um das Duo Federer/Zverev aufgebaut werden soll.

„Rückblick in die Vergangenheit ist nie ein adäquates Mittel“, mahnt Haussmann. Anders ausgedrückt: Die Zukunft des Tennissports sollte in Stuttgart aufschlagen. Die Finalisten Berrettini und Auger-Aliassime sind definitiv Teil dieser Zukunft.