Mercedes in der Formel 1 Runderneuerung, Teil zwei

Dieter Zetsche (links) und der Teamchef Ross Brawn wollen das Mercedes-Team in der Formel 1 zusammen nach vorne bringen. Die Frage ist: Wie lange noch? Foto: AP
Dieter Zetsche (links) und der Teamchef Ross Brawn wollen das Mercedes-Team in der Formel 1 zusammen nach vorne bringen. Die Frage ist: Wie lange noch? Foto: AP

Der Führungswechsel im Mercedes-Team geht weiter. Nach der Verpflichtung des Motorsportchefs Toto Wolff soll auch ein neuer Technikdirektor kommen.

Sport: Dominik Ignée (doi)
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Affalterbach - Nach der Saison ist vor der Saison – das sagte jüngst ein Mercedes-Mechaniker in Affalterbach bei einem Auftritt der Mercedes-Motorsportabteilung. Der Mechaniker will damit sagen: Skifahren im Winter ist nicht. In Rennsportfabriken wie der des DTM-Teams HWA wird zwölf Monate durchgeschuftet. Er und seine Kollegen bauen den Tourenwagen von Gary Paffett auf, zu sehen ist bis jetzt nicht einmal die Hälfte des Autos.

Einen Stock höher referierte Toto Wolff über die neuen Strukturen, die über den Leuten mit den Schraubenschlüsseln entstanden sind. Wolff ist der Nachfolger des ehemaligen Sportchefs Norbert Haug. Der hochgewachsene Österreicher beherrscht den Wiener Schmäh, er bringt alpenländischen Schwung mit nach Stuttgart. Und er ist Teil einer neu aufgestellten Führungsriege, in der 21 Jahre lang vor allem eine Person vorne stand wie die Frontfigur auf dem Kühlergrill: Norbert Haug.

Wolff wird sich weniger um die DTM kümmern als Haug

Übergeordnet wacht die Rennfahrerlegende Niki Lauda über den Lauf der Dinge, installiert als Aufsichtsratschef für Formel-1-Belange. Wolff selbst, der für das operative Geschäft der Abteilung Motorsport zuständig ist, wird nicht wie Haug zu den 19 Formel-1-Grand-Prix auch noch alle zehn DTM-Rennen besuchen. „In der DTM ist Gerhard Ungar für die Technik und den Sport zuständig, Wolfgang Schattling für Themen wie Marketing, Logistik und Kommunikation – und ich mache, was übrig bleibt“, erklärt Wolff lächelnd die neue Aufgabenverteilung.

Er wird sich also im Vergleich zu Haug weniger um die DTM kümmern, dafür umso mehr um die Formel 1. Sie ist das Problemkind der vergangenen drei Jahre, und der strikt eingeleitete Führungswechsel ist noch nicht abgeschlossen. Was sich seit Wochen ankündigte, nimmt nun konkrete Formen an. Es sieht danach aus, dass von 2014 an der Rennstratege Ross Brawn entweder durch Paddy Lowe ersetzt wird oder ihm selbiger als starker Mann an die Seite gestellt wird. Zur Disposition soll der Teamchef Brawn aber nicht stehen, heißt es bei Mercedes.

Lowe wird wohl in den Mercedes-Kommandostand rücken

Das Team McLaren trennte sich von seinem Technischen Direktor Paddy Lowe, den Wolff bereits in seiner Funktion als Anteilseigner am Williams-Team zur britischen Konkurrenz lotsen wollte. Jetzt steht anstelle des Williams-Coups der Wechsel zu Mercedes bevor. Man habe sich stark angenähert, doch sei es zu früh, darüber zu sprechen, sagt Wolff. Lowes McLaren-Vertrag würde noch für 2013 gelten, offiziell ist er also für dieses Jahr gesperrt und könnte erst 2014 in den Mercedes-Kommandostand rücken; laut der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat er schon zugesagt.

Lowe wäre nach dem Piloten Lewis Hamilton die zweite wichtige Figur, die Mercedes seinem ehemaligen Partner McLaren abwirbt, mit dem die Zusammenarbeit nicht immer reibungsfrei verlief. Ron Dennis spielte jedenfalls einst den Chef, die Stuttgarter waren die Zahlmeister.

Über den Strategen Ross Brawn, der an allen sieben Titeln von Michael Schumacher mitgewirkt hat, soll derweil die Runde machen, er habe in der Mercedes-Krise die harte Hand vermissen lassen. Dafür soll jetzt Toto Wolff sorgen, der den Kollegen im britischen Brackley anders als Haug nicht aus dem Fellbacher Büro per Videokonferenz zugeschaltet wird. Der neue Chef residiert auf Wunsch des Daimler-Vorstandschefs Dieter Zetsche nah beim Team auf der Insel – wobei residieren nicht der richtige Begriff ist. „Ich habe mich nach England versetzen lassen und mir wie ein Student eine Wohnung in Oxford genommen“, sagt Wolff. Wie gut er von dort aus die Probleme lösen wird, könnte sich schon beim Saisonauftakt am 17. März zeigen.

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