Vielleicht müssen wirklich immer mehr Menschen mal eben einen unbefestigten Gebirgspass bezwingen oder ein Wadi durchqueren. Wahrscheinlicher ist aber, dass hinter dem Verkaufserfolg der großen und schweren G-Klasse-Geländewagen eine Mischung aus Achtzylindernostalgie, Wagenburgsehnsucht und Prahlerei steht, die auch zeigt: Nicht alle Autokäuferinnen und -käufer sorgen sich gleichermaßen ums Klima und den CO2-Ausstoß. Man muss das nicht verstehen oder gutheißen, um festzustellen: Mercedes-Benz kann sich darin bestätigt sehen, gerade in Krisenzeiten auf Luxus zu wetten. Auch das Plus bei den Wuchtbrummen AMG und Maybach spricht dafür.
Jeder zehnte Mercedes wurde mit reinem Elektroantrieb verkauft
Bemerkenswert an den Absatzzahlen des ersten Quartals ist aber auch ein gegenläufiger Trend: Die Elektroautos holen auf. Immerhin jeder zehnte verkaufte Mercedes war ein reiner Stromer, im Vorjahr hatte die Quote bei sechs Prozent gelegen. Und die höchsten Zuwächse verzeichnen nicht die größten Wagen, sondern mit EQA und EQB zwei Modelle aus dem Einstiegssegment. Mercedes-gemäß handelt es sich dabei zwar auch nicht gerade um Kleinbudget-Schnäppchen. Und doch stehen sie am anderen Ende des Portfolios, das nach oben hin der elektrische Maybach EQS SUV beschließen soll, der kommende Woche in Shanghai vorgestellt wird.
Die Prognose sei gewagt: Sollte es dem schwäbischen Konzern gelingen, die höheren Kosten der Elektroautoproduktion auf Dauer so zu zähmen, dass auch im Kompaktsegment richtig Geld zu verdienen ist, käme es nicht nur der Bilanz und Dividende zugute – sondern auch der Akzeptanz der Marke im deutschen Heimatmarkt, der übrigens am stärksten gewachsen ist von allen.
Eine entscheidende Rolle dürfte dabei die nächste Kompaktwagengeneration spielen, die Mercedes-Benz vom nächsten Jahr an auf einer elektrooptimierten Plattform ausrollt. Was die asiatische Konkurrenz dagegen auffahren will, wird hingegen schon in Shanghai zu besichtigen sein.