Mercedes-Pilot siegt im Formel-1-Rennen in Silverstone Selbst ein Plattfuß kann Lewis Hamilton nicht stoppen

Von Jürgen Kemmner 

Lewis Hamilton dominiert sein Heimrennen, ein Reifenplatzer bringt ihn beim Großen Preis beinahe um den Erfolg. Nicht einmal eine Panne hält den Weltmeister auf dem Weg zum siebten Titel auf.

Ein geplatzter Reifen hätte beinahe noch den siebten Heimsieg von Lewis Hamilton beim Großen Preis in Silverstone verhindert. Foto: AFP/ANDREW BOYERS
Ein geplatzter Reifen hätte beinahe noch den siebten Heimsieg von Lewis Hamilton beim Großen Preis in Silverstone verhindert. Foto: AFP/ANDREW BOYERS

Silverstone - Lando Norris hatte am Samstag einen Doppelerfolg von Mercedes beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone vorausgesagt. 1,022 Sekunden trennten die Silberpfeile nach der Qualifikation vom Rest der Formel-1-Gesellschaft. „Mercedes wird am Sonntag ziemlich das komplette Feld überrunden. Und es wird auf einen Doppelsieg hinauslaufen“, prophezeite der McLaren-Pilot, und wahrscheinlich haben nach diesen Worten so ziemlich alle Motorsport-Freunde eifrig mit den Köpfen genickt.

Denkste. Gut, Lewis Hamilton hat sein Heimrennen gewonnen, insgesamt zum siebten Mal, was noch keinem Piloten vor ihm gelungen war – aber dieser Sieg hing an jenem berühmten seidenen Faden. Und der wäre beinahe noch gerissen. Denn in der letzten Runde war plötzlich der linke Vorderreifen des Silberpfeils platt, Hamilton hatte allerdings noch ein paar Kilometer vor sich – und Max Verstappen flog von hinten im Red Bull wie in Überschallgeschwindigkeit heran. Der Weltmeister rettet sich mit dem waidwunden Mercedes gerade noch ins Ziel, 400 Meter lag Hamilton am Ende vor Verstappen. „Das war eine letzte Runde“, sagte der Brite und man sah trotz Mund-Nasen-Maske die enorme Erleichterung in seinem Gesicht stehen, „ich habe versucht, das Auto noch ohne Beschädigung durch die letzten beiden Kurven zu bringen.“ Glück gehabt.

Lesen Sie hier: Deshalb verpasste Nico Hülkenberg sein Comeback

Sein Teamkollegen Valtteri Bottas hatte bei den Renngöttern anscheinend weniger Kredit, in der drittletzten von 52 Runden platzte der linke Vorderreifen am Mercedes des Finnen. Er verlor viel Zeit auf dem Weg an die Box und folglich Position zwei. Als Elfter rollte er schließlich über die Linie. Null Punkte. „Ich hatte schon ein paar Runden lang Vibrationen, aber ich habe gehofft, ich würde es bis ins Ziel schaffen“, stöhnte Valtteri Bottas, „so ein Pech.“

Max Verstappen erbte Platz zwei, und hätte der Niederländer geahnt, dass auch Hamilton einen Plattfuß erleiden könnte, dann wäre er nicht kurz vor Rennschluss noch an die Box gefahren, um sich neue Reifen für die schnellste Rennrunde aufziehen zu lassen. Dann hätte er den Champion ziemlich sicher noch kassiert. Ein Strategiefehler bei Red Bull war’s aber nicht, so hätten wohl ziemlich jeder Teamchef und Fahrer gehandelt. „Ich bin mit Platz zwei zufrieden“, sagte Verstappen, „ich ärgere mich nicht darüber, dass wir an die Box sind. Es war so sicherer für uns.“ Nicht nur Hamilton und Bottas, auch bei Lando Norris und Carlos Sainz platzen jeweils die linken Vorderreifen.

Lewis Hamilton im Mercedes vor Max Verstappen im Red Bull und Ferrari-Mann Charles Leclerc, diese Reihenfolge mag Spannung und Abwechslung im Feld der Formel 1 suggerieren – letztlich war sie lediglich das zufällige Resultat eines unvorhersehbaren Ereignisses. Denn bevor die Pneus platzten dominierten Männer in den Silberpfeilen problemlos das Geschehen auf der Rennstrecke von Silverstone. „Bis zur letzten Runde war das Rennen wirklich lässig“, erzählte Hamilton, „am Auto war alles okay, ich konnte alles kontrollieren.“ Verstappen im Red Bull, dem zweitschnellsten Auto auf der Piste, hatte nicht die geringste Chance gesehen, zum Führungsduo aufzuschließen. „Mercedes war im Renntempo viel zu schnell für uns“, sagte der 22-Jährige nach dem Grand Prix, „ein Angriff auf den Sieg war deshalb keine Option.“

Lesen Sie hier: So dominierte Lewis Hamilton in Ungarn

Der Große Preis von Großbritannien hat die These bekräftigt, die von den meisten Motorsport-Experten seit dem Start der Corona-Saison der Formel 1 geteilt wird: Falls nichts Außergewöhnliches passiert wie beispielsweise eine Kollision, unkalkulierbare Wetterkapriolen, unvorhersehbare Reifenprobleme oder Fehler bei einem Boxenstopp, dann sind die Mercedes-Autos bei normalem Rennverlauf so gut wie unschlagbar. Und weil die Mehrheit der Fachleute Hamilton als den besseren Fahrer beurteilt, dürfte sein siebter Titel unter normalen Umständen nicht zu verhindern sein. Bereits am Samstag hatte Toto Wolff vor Zufriedenheit und Zuversicht gestrotzt. „Unser Auto funktioniert sehr gut, es war in einer eigenen Liga und die Performance ist ein Ergebnis der cleveren Arbeit, die in unseren Werken unweit der Strecke geleistet wird“, sagte der Mercedes-Teamchef.

Am nächsten Sonntag (15.10 Uhr/RTL) folgt der nächste Grand Prix in Silverstone. Nicht nur Mercedes wird dabei größte Sorgfalt auf das Reifenmanagement legen.

Unsere Empfehlung für Sie