Mercedes, Porsche, Bosch Drei Lichtblicke, die inmitten der Krise Hoffnung machen
Die Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise. Dabei gibt es auch Aspekte, die Hoffnung machen. Zum Beispiel bei Mercedes-Benz, Porsche und Bosch.
Die Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise. Dabei gibt es auch Aspekte, die Hoffnung machen. Zum Beispiel bei Mercedes-Benz, Porsche und Bosch.
Krise, Stellenabbau, Sparprogramm, US-Zölle und Co. – an Begriffen wie diesen kommt man seit geraumer Zeit kaum vorbei, wenn man sich mit dem Zustand der Autoindustrie beschäftigt. Dieser bringt unter anderem für Stuttgart und die Region mit seinen großen Playern negative Auswirkungen mit sich.
Doch inmitten all der Hiobsbotschaften gibt es auch positive Botschaften. Was genau macht Hoffnung? Mercedes-Benz, Porsche, Bosch – drei Unternehmen, drei Lichtblicke.
Mercedes steckt zwar in der Krise und will zahlreiche Stellen abbauen – doch zugleich will das Unternehmen mit Dutzenden neuer Modelle aus der Defensive kommen. Das erste Modell dieser Produktoffensive ist der vollelektrische CLA, den Mercedes im März vorstellte. Er gilt beim Autobauer aus Stuttgart als Hoffnungsträger – und er machte sich bereits in den Zahlen bemerkbar. Im dritten Quartal nahm der E-Auto-Absatz im Vergleich zum Vorquartal um 22 Prozent zu. Er stieg somit auf 42.600 Fahrzeuge, was maßgeblich mit dem neuen Flaggschiff zu tun hatte. Für den CLA erhalte man „exzellentes Feedback“, erklärte Vertriebschef Mathias Geisen.
Bei Tests erhält das Auto Bestnoten, selbst bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der Lobhudelei gegenüber der Autoindustrie gänzlich unverdächtig, schnitt das Auto extrem gut ab.
Warum? Weil der von ihr gemessene Verbrauch im realen Verkehr bei 12,22 Kilowattstunden (kWh) pro 100 Kilometer lag. Ein Wert, der für diese Fahrzeugklasse extrem niedrig ist. Hinzu kommt: „Bei vorsichtiger Fahrweise lässt sich das Auto sogar mit nur 10,4 kWh pro 100 Kilometer betreiben“, erklärte Axel Friedrich, der viele Jahre Abteilungsleiter im Umweltbundesamt war und heute als Sachverständiger und Projektleiter der DUH tätig ist. Der CLA sei das „beste E-Auto, das ich bisher gemessen habe“.
Porsche bietet den Macan in der Europäischen Union nicht mehr mit dem Verbrennungsmotor an – doch die dadurch erwartete Lücke ist ausgeblieben. Denn die E-Variante, deren Absatz angesichts der allgemeinen Elektroflaute schwer zu prognostizieren war, entwickelt einiges an Zugkraft. Auch deshalb ist der Absatz in den ersten drei Quartalen 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.
Der Stuttgarter Sportwagenhersteller lieferte demnach in den ersten neun Monaten 2024 weltweit 55.000 Macans aus. In diesem Jahr kamen bis Ende September bereits 64.783 Einheiten zusammen – so viele wie von keinem anderen Modell. Mehr als die Hälfte davon (36.250) entfallen laut Porsche auf die Elektro-Variante. In den meisten Ländern außerhalb der EU biete das Unternehmen den Macan zudem nach wie vor als Verbrenner an.
Trotz dieser Entwicklungen landete Porsche im dritten Quartal 2025 in den roten Zahlen. Im Interview mit unserer Zeitung im Dezember ging Porsche- und VW-Chef Oliver Blume, der seine Doppelrolle zum 1. Januar 2026 ablegt und sich vollständig auf die Leitung des Volkswagen-Konzerns konzentriert, auf den eingebrochenen Luxusmarkt in China und die US-Zölle ein.
„Wir haben reagiert, unser Geschäftsmodell neu ausgerichtet und Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. Die erforderlichen Einmalaufwände – Rückstellungen, Investitionen und Restrukturierungskosten – haben wir bewusst komplett in diesem Jahr verbucht“, erklärte der 57-Jährige und fügte hinzu: „Das wirkt sich massiv auf unser Ergebnis 2025 aus.“
Die roten Zahlen entstanden nicht etwa, weil das Unternehmen seine laufenden Geschäfte nicht mehr profitabel führen könnte, sondern wegen der hohen Kosten, etwa für die verstärkte Ausrichtung der Modellpalette auf die nach wie vor gefragte Verbrennertechnologie. „Bereinigt um diese Einmaleffekte steht Porsche robust da.“ Das Jahr 2025 sei der „absolute Tiefpunkt“, 2026 solle es wieder aufwärts gehen.
Ein Lichtblick beim Stuttgarter Technologiekonzern Bosch, der 22.000 Stellen abbauen will, ist der Gewinn des Deutschen Zukunftspreises. Diesen sicherten sich im November Kai Weeber, Pierre Andrieu und Christoffer Uhr. Die drei Bosch-Ingenieure zeigten so die Innovationsenergie auf, die in dem Konzern steckt. „Der Preis ist eine Riesenehre für uns und die ganze Mannschaft, die hinter uns steht“, sagte Uhr bei der Preisübergaben.
Er und seine Kollegen setzten sich gegen zwei ebenfalls nominierte Entwicklerteams durch und siegten dadurch mit dem Fuel Cell Power Module. Es wandelt Wasserstoff und Sauerstoff in elektrische Energie, wodurch Lkw – sofern sie mit grünem Wasserstoff unterwegs sind – auf langen Distanzen komplett CO2-frei betrieben werden können. Die einzige Emission: Wasserdampf. Das Fuel Cell Power Module ist bereits serienreif.
„Der Preis zeigt, welches Innovationspotenzial im Wasserstoff steckt – und welch ganz entscheidende Rolle Bosch dabei spielt“, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung bei der Preisübergabe in Berlin. Was er auch zeigt: Selbst in Krisenzeiten gibt es Lichtblicke.
Das siegreiche Bosch-Trio will mit dem Preisgeld in Höhe von 250.000 Euro übrigens künftige Entwickler fördern.