Mercedes, Porsche, Bosch Firmen bangen mit ihren Mitarbeitern in Israel

Tel Aviv hat sich zu einem Zentrum für digitale Innovation entwickelt. Viele deutsche Firmen unterhalten dort eigene Standorte. Foto: imago/Ingo Kutsche

Der Krieg im Nahen Osten berührt die großen Unternehmen der Region Stuttgart, nicht nur diejenigen mit Standorten in Israel. Auch der wachsende Antisemitismus ist Grund zur Sorge.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Matthias Schmidt (mas)

Große Unternehmen aus der Region Stuttgart äußern nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel ihr Entsetzen und tiefe Besorgnis. Viele deutsche Firmen pflegen intensive Kontakte nach Israel, wo sich vor allem die Metropole Tel Aviv zu einem der weltweit wichtigsten Zentren für digitale Innovation entwickelt hat.

 

Für diejenigen, die Standorte in Israel unterhalten, steht die Sorge um die eigenen Mitarbeiter vor Ort zunächst im Vordergrund. Die Diskussion um einen auch in Deutschland stärker aufflammenden Antisemitismus aber beschäftigt alle.

Die Trumpf-Chefin warnt vor latentem Antisemitismus

Nicola Leibinger-Kammüller, die Vorstandschefin des Ditzinger Maschinenbau- und Laserspezialisten Trumpf, folgt auch in dieser Lage ihrer Überzeugung, dass sich Unternehmen politischen Debatten nicht entziehen dürfen. In einem „Handelsblatt“-Interview sagt sie, Deutschland müsse jetzt „ohne Wenn und Aber an der Seite Israels stehen“. „Wer relativiert und den Israelis in dieser schweren Stunde eine Mitschuld an der Hinrichtung und Verschleppung von Kindern, Frauen, Greisen gibt, offenbart ein mir unbegreifliches Menschenbild. Das Land ist von einer Terrororganisation auf brutale Weise überfallen worden, nichts anderes ist die Realität.“

Man müsse jetzt auch, so Leibinger-Kammüller weiter, „über den latenten Antisemitismus und die Israelfeindlichkeit in ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft sprechen, die seit Jahrzehnten heruntergespielt werden“.

Mercedes betreibt ein Tech-Center in Tel Aviv mit 40 Mitarbeitenden

Auch Mercedes-Benz betont in einer Stellungnahme, dass die Firma keine antisemitischen Äußerungen in der Belegschaft dulde. „Rassismus und Antisemitismus haben bei Mercedes-Benz keinen Platz. Wir gehen konsequent gegen entsprechende Äußerungen oder Handlungen vor und leiten umgehend disziplinarische Schritte ein, die bis zur sofortigen, außerordentlichen Kündigung führen können“, teilt ein Sprecher des Unternehmens mit. Der Stuttgarter Autohersteller ist unmittelbar vom Krieg im Nahen Osten betroffen. Dort befindet sich eines der über den Globus verteilten Tech-Center des Konzerns, wenn auch ein vergleichsweise kleines.

„Die Bilder und Nachrichten, die uns aus Israel erreichen, erschüttern uns zutiefst. Wir haben einen Forschungs- und Entwicklungsstandort in Tel Aviv und stehen mit den rund 30 Kolleginnen und Kollegen vor Ort in Kontakt“, so das Unternehmen. Offenkundig nicht im Fokus steht zunächst, ob die Geschäfte wie gewohnt weiter laufen, sondern die Anteilnahme am Schicksal der Kollegen. Als Zeichen sammelte die deutsche Forschungsabteilung von Mercedes am Freitag via Intranet und E-Mail Solidaritätsbotschaften an das Team in Israel.

Dass die Lagebeschreibungen der Unternehmen eher karg formuliert sind, dürfte auch an Sicherheitsüberlegungen liegen. Die Standorte internationaler Firmen können in Kriegszeiten zu Angriffszielen werden. Auch Angaben zur Einberufungen zur israelischen Armee, die an allen Standorten eine Rolle spielen, werden kritisch gesehen. Für Spendenzusagen, die von den großen Konzernen in vergleichbaren Lagen oft recht schnell gegeben werden, scheint es aufgrund der unübersichtlichen Lage noch zu früh zu sein.

Auch Bosch, der weltgrößte Autozulieferer, ist in Israel engagiert und beschäftigt dort rund 400 Mitarbeitende in Tel Aviv, Haifa und Ashdod, vor allem im Vertrieb von Konsumgütern. Zudem gibt es „in geringem Umfang Fertigungsaktivitäten im Bereich Industrietechnik sowie zwei kleine Teams für Forschung und Entwicklung und Venture Capital“, so der Konzern.

„Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen in Israel und im Nahen Osten mit tiefer Bestürzung. Oberste Priorität hat in dieser Situation das Wohl unserer Beschäftigten in der Region“, teilt das Unternehmen mit. Gleichzeitig sei es zu früh, über mögliche Auswirkungen auf das Geschäft zu sprechen. Auch seien „mittel- bis langfristige Effekte auf die allgemeine wirtschaftliche und politische Lage aus heutiger Sicht noch nicht absehbar“.

Auch der Sportwagenbauer Porsche, der ein kleines Entwicklerteam in Israel beschäftigt, äußert „große Bestürzung und Betroffenheit“ über die Angriffe auf Israel. „Unsere Gedanken sind bei allen Menschen in Israel, die in diesen Tagen Terror und Gewalt ausgesetzt sind. Wir verurteilen die Verschleppung und Geiselnahme von Zivilpersonen, insbesondere von Kindern und Frauen. Wir hoffen sehr auf ein schnelles Ende der Kämpfe und eine nachhaltige Befriedung der Situation“, heißt es.

Weitere Themen