Industrie 3.0, Industrie 4.0 – Industrie X.X – zählt eigentlich noch jemand mit? Digitalisierung, so lautet mittlerweile eine Binsenweisheit, ist kein Projekt, sondern eine Daueraufgabe ohne Enddatum. Jedem Schritt folgt der nächste, wie auch bei Mercedes-Benz jetzt wieder zu sehen ist. Künftig transferiert das Unternehmen sämtliche Daten, die schon heute in seinen Produktionshallen und Logistikprogrammen anfallen, zentral in die Cloudspeicher von Microsoft. Das ist zweifellos ein großer Schritt, er öffnet den Weg zu global angelegten Big-Data-Analysen, etwa für Prognosen hinsichtlich von Engpässen in der Lieferkette, und für maschinelles Lernen, bekannt auch als Künstliche Intelligenz, die dann nicht nur einem Standort, sondern allen zur Verfügung steht.
Wer weltweit gegen starke Konkurrenten antritt, tut gut daran, solche Entwicklungen eher mit anzutreiben als ihnen hinterherzuzuckeln. Auch wenn die Betriebsräte hellhörig werden müssen, wenn derart satte Effizienzgewinne avisiert werden (und damit Einsparpotenzial) wie jetzt im Zusammenhang mit den Cloud-Aktivitäten: Der künftigen Attraktivität der Arbeitsplätze dient es, wenn die digitalen Werkzeuge ebenso wie die entsprechenden Kenntnisse der Belegschaft auf die Höhe der Zeit gebracht werden. Und das Angebot, sich dafür weiterbilden zu lassen, sollte niemand leichtfertig ausschlagen – zumal es dabei in vielen deutschen Unternehmen Aufholbedarf gibt.
Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher
Eigentlich braucht es keine Erinnerung daran, dass sich Deutschland bei der Digitalisierung bräsig bis zur Duldungsstarre benimmt. Aber es ist ein weiteres Alarmzeichen, wenn der IT-Chef von Mercedes die Entscheidung für Microsoft damit begründet, dass es auf diesem Gebiet kein konkurrenzfähiges europäisches Unternehmen gebe. Unter all den Gefahren für den Wohlstand hierzulande ist diese nicht die geringste.