Mercedes-Werk in Russland Gewagte Annäherung

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Daimler profitiert vom Geschäft mit Putin und nimmt dafür Risiken in Kauf, kommentiert Korrespondentin Inna Hartwich die Eröffnung des Mercedes-Werks nahe Moskau.

Vorsichtige Annäherung allen politischen Differenzen zum Trotz: Daimler-Chef Dieter Zetsche (li.) begrüßt Russlands Präsident Putin (re.). Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) applaudiert. Foto: Sputnik
Vorsichtige Annäherung allen politischen Differenzen zum Trotz: Daimler-Chef Dieter Zetsche (li.) begrüßt Russlands Präsident Putin (re.). Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) applaudiert. Foto: Sputnik

Moskau - Für Russland ist das neue, Moscovia genannte Mercedes-Benz-Werk bei Moskau ein Segen. Schaut her, scheint das Land nach innen zu rufen: Wir sind nicht isoliert. Schaut her, hallt es auch nach außen: Wenn die Deutschen investieren, können es auch alle anderen tun. Eine Win-win-Situation, der Russlands Präsident mit seiner Anwesenheit bei der Eröffnungsfeier der Fabrik noch mehr an Gewicht verliehen hat.

Russlands Wirtschaft schwächelt – auch der Automarkt, die Absatzzahlen sinken. Zudem setzen Sanktionen der EU und der USA dem Land zu. Sie gehören weiterhin zum Risiko für den Markt. Risiken, die Daimler – das Unternehmen wollte Russland einst zum größten Absatzmarkt in Europa machen – in Kauf nimmt. Für die Russen kommen die schwäbischen Autobauer gerade recht. Die Region Moskau hat geradezu im Schnellverfahren die Bürokratie erledigt, war sie doch interessiert an neuen Arbeitsplätzen und an der Ansiedlung weiterer Betriebe im Norden Moskaus. Daimler profitiert ebenfalls, zuletzt waren die Verkaufszahlen in Russland gestiegen. Betuchte Russen schätzen SUVs, sie schätzen Mercedes, und sie reden wenig übers Klima.

Eine gute Basis

Für die deutsch-russischen Beziehungen ist die vorsichtige Annäherung allen politischen Differenzen zum Trotz eine gute Basis. Doch gerade diese politischen Differenzen lassen sich auch in der Wirtschaft nicht ausblenden. Das Vertrauen haben die Russen nicht zuletzt im Fall der Siemens-Turbinen verspielt: Vier Gasturbinen hatte der Technologiekonzern nach Russland verkauft, für ein Kraftwerk in Südrussland. Die Maschinen waren aber auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim gelandet. Dort, wo Siemens wegen der Wirtschaftssanktionen eigentlich nicht hinliefern dürfte. Siemens klagte und verlor, denn für die Russen waren es russische Turbinen. Es sind solche Windungen, die das Vertrauen schwächen und die Annäherung mit größter Vorsicht genießen lassen. Auch die Mercedes-SUVs „made in Russia“ dürften bald auf der Krim fahren. Durch ihre Produktion bei Moskau sind sie russische Autos. Sanktionen hin oder her.