Mercedes-Zulieferer Faurecia schließt Böblinger Werk: 89 Jobs fallen weg

Faurecia-Werk an der Herrenberger Straße in Böblingen: Im April 2026 gehen hier die Lichter aus. Foto: jps

Trotz Bemühungen des Betriebsrats und der IG Metall konnte die Schließung des Standorts nicht abgewendet werden.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Eine Hiobsbotschaft kurz vor den Feiertagen aus der Böblinger Industrie: Der Automobilzulieferer Faurecia, Teil der Forvia-Gruppe, schließt sein Werk auf der Böblinger Hulb in der Hewlett-Packard-Straße. Für 89 Mitarbeiter bedeutet dies den Verlust ihres Arbeitsplatzes und stellt viele vor eine ungewisse Zukunft. Dies geht aus Informationen hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Das Unternehmen selbst hält sich dazu bedeckt, eine Nachfrage bleibt unbeantwortet. Im April 2026 sollen in dem Werk endgültig die Lichter ausgehen.

 

Der Standort in Böblingen fungiert als Just-in-Time-Werk und ist derzeit von seinem Monokunden Mercedes-Benz abhängig, für den es die Sequenzierung und Endmontage von Türen und Innenausstattung der S-Klasse übernimmt. Der aktuelle Auftrag mit Mercedes-Benz läuft zwar formal noch bis zum 31. Dezember 2027. Jedoch wurde der Folgeauftrag bereits vor Jahren an einen Wettbewerber vergeben. Ein in der Branche nicht unüblicher Vorgang, der aber für die Faurecia-Beschäftigten den Verlust ihres Arbeitsplatzes bedeutet.

Kündigung vor Weihnachten

Ein Mitarbeiter weist darauf hin, dass die angekündigte Werkschließung für viele bedeutet, ausgerechnet vor Weihnachten zum Jahresende ihre Kündigung zu erhalten. Tatsächlich konnte im Jahr 2019 eine Werkschließung bei Faurecia in Böblingen noch abgewendet werden, wobei damals Arbeitsplätze gesichert, aber auch ein Teil abgebaut wurde. Der damalige Betriebsratsvorsitzende sprach damals von einem schmerzlichen Verlust von Arbeitsplätzen, jedoch sei ein gutes Paket geschnürt worden. Branchenbeobachter berichten, dass das Wegbrechen des jetzigen Auftrags schon im Jahr 2020 absehbar gewesen sei.

Faurecia hing am einzigen Kunden Mercedes. Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

Nach jetzigem Stand werden alle 89 Stellen in Böblingen ersatzlos entfallen. Bereits im März dieses Jahres wurde zwischen der Belegschaft und der Arbeitgeberseite ein Interessenausgleich samt Abfindungsprogramm verhandelt, wobei die Schließung des Werkes intensiv diskutiert wurde. Liane Papaioannou, Bevollmächtigte der IG Metall, bestätigte, dass der Betriebsrat mit großem Einsatz gekämpft und alles versucht habe, die Werkschließung jedoch unvermeidbar war. Der Betriebsratsvorsitzende Ender Kabakci bedauert die Schließung ebenfalls, kann sie aber rechtlich nicht verhindern.

„Die oberste Forderung der Arbeitnehmerseite war es, Alternativ-Aufträge zu finden, um die Kapazitäten auszulasten“, sagt Papaioannou. Sie kritisiert, dass das Unternehmen dazu nicht in der Lage war. Trotz dieser Schwierigkeiten gelang es am Ende, eine Regelung zu erzielen, mit der sowohl der Betriebsrat als auch die Arbeitnehmer einverstanden waren, und das Freiwilligenprogramm wurde bereits im März dieses Jahres vereinbart. Es dient dazu, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden oder zu reduzieren und den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten.

Transfergesellschaft federt Härten ab

Es soll betroffenen Mitarbeitern eine freiwillige, planbare Perspektive bieten. Außerdem wurde eine Transfergesellschaft geschaffen, um die sozialen Härten abzufedern. Das Programm umfasst eine Abfindungsregelung mit verschiedenen Komponenten, darunter eine Grundabfindung, die sich nach Betriebszugehörigkeit und Monatsentgelt berechnet, sowie einen Bonus für IG-Metall-Mitglieder. Hinzu kommt eine Abschlussprämie von drei Bruttomonatsgehältern und Sozialzuschläge für Kinder und bei einem Grad der Behinderung.

Die Abfindung ist auf einen Höchstbetrag begrenzt, zudem ist eine bezahlte Freistellung nach individueller Kündigungsfrist vorgesehen und die Umwandlung der Abfindung in eine Rentenzahlung ist ab 50 Jahren möglich. Sollten sich nicht genügend Beschäftigte finden, die am Freiwilligenprogramm teilnehmen, behält sich der Arbeitgeber vor, betriebsbedingt zu kündigen, wie aus Informationen hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegen. Für die Stadt Böblingen und den gesamten Landkreis bedeutet die Schließung nicht nur den Verlust von 89 Arbeitsplätzen, sondern auch eine Schwächung des Wirtschaftsstandortes in einer ohnehin angespannten konjunkturellen Lage.

Der Zulieferer Faurecia

Konzern
Faurecia war lange Zeit Teil des französischen Automobilkonzerns PSA (heute Stellantis), agiert aber seit einigen Jahren weitgehend eigenständig.

Zukauf
Nach der Akquisition des Lichtherstellers Hella im Jahr 2022 wurde daraus der global agierende Konzern Forvia, heute der siebtgrößte Automobilzulieferer weltweit.

Zahlen
Der Umsatz 2024 erreichte 27 Milliarden Euro, die operative Marge lag bei 5,2 Prozent. In so gut wie allen aktuellen Automodellen sind Teile des Konzerns verbaut. (jps)

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