Merkel-Besuch in Ludwigsburg Minister Rau und der Papier-Mappus

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Der Staatsminister Helmut Rau ist beim Auftritt von Angela Merkel in der Ludwigsburger Arena in einen Streit mit Demonstranten geraten.

Polizisten drängen den Demonstranten Klaus Böhringer (Zweiter von links) ab, als er und der Staatsminister Helmut Rau (Zweiter von rechts) aufeinandertreffen. Foto: factum / andreas weise 2 Bilder
Polizisten drängen den Demonstranten Klaus Böhringer (Zweiter von links) ab, als er und der Staatsminister Helmut Rau (Zweiter von rechts) aufeinandertreffen. Foto: factum / andreas weise

Ludwigsburg - Wenn sich dieser Tage die Politiker unter das Wahlvolk mischen, kochen schon mal die Emotionen hoch. Siehe Ludwigsburg am Mittwochabend: ob am Rande von Angela Merkels Auftritt der Staatsminister Helmut Rau den kühlen Kopf verlor oder aber ein Demonstrant mit einer Mappus-Maske, muss noch geklärt werden. Von einem Gerangel ist die Rede. Die Polizei recherchiert.

Mittwochabend. In der Ludwigsburger Arena machen sich 5000CDU-Anhänger Mut für die Landtagswahl: Sie jubeln der Bundeskanzlerin und Bundesvorsitzenden Angela Merkel zu. Draußen aber ist kurz zuvor Helmut Rau, Minister im Staatsministerium und ehemaliger Kultusminister, auf Klaus Böhringer aus Welzheim (Rems-Murr-Kreis) getroffen und mit ihm aneinander geraten. Laut der Ludwigsburger Polizei war Rau kurz vor 18 Uhr mit seiner Ehefrau die Treppen zur Arena emporgegangen, um sich den Parteifreunden anzuschließen. Dort sei er beleidigt worden - ein Beamter habe noch am Ort umgehend die Anzeige aufgenommen, sagt der Polizeisprecher Peter Widenhorn.

Was genau weiter passierte, weiß die Polizei noch nicht. Fest steht bis jetzt nur, dass Rau auf den Demonstranten Böhringer traf. Dieser trug eine Maske mit dem Konterfei des Ministerpräsidenten Mappus und hatte ein Schild um den Hals, auf dem stand: "Das Volk bin ich, Mappi VIII."

Rau will dann lediglich die Maske "gelupft" haben. "Er wollte sie mir runterreißen", sagt hingegen Böhringer. Dagegen habe er sich gewehrt - woraufhin Rau versucht habe, ihm sein Schild vom Leib zu reißen. Es sei zu einer Rangelei gekommen. Böhringer will nicht ausschließen, dass er dabei Raus Hand mit einer Papprolle getroffen habe, die einen Schlagstock darstellte.

Der Rentner hat die Situation völlig anders erlebt

Seine Sichtweise des Vorfalls lässt Rau durch einen Sprecher der Landesregierung mitteilen. Kurz und knapp fällt sie aus: "Der Minister wurde auf dem Weg in die Arena von Demonstranten aufs Übelste beleidigt und behält sich eine Strafanzeige wegen Beleidigung vor. Von einer Rangelei kann keine Rede sein. Der Minister hat lediglich die Maske eines Demonstranten gelupft und wieder heruntergeklappt, um erkennen zu können, wer sich mit einem Schlagstock aus Pappe vor ihm aufgebaut hatte." Wie auch immer, Polizisten hätten Rau und Böhringer trennen müssen, sagt Widenhorn.

Klaus Böhringer ist fassungslos. Der 68 Jahre alte Rentner hat die Situation völlig anders erlebt: "Herr Rau war sehr aufgebracht und zornig und ist handgreiflich geworden." Rau sei ausgerastet.

Dass die Emotionen vor der Arena offenbar hochkochten, belegt auch die Tatsache, dass Raus Gattin dem Fotografen unserer Zeitung das Kameraobjektiv zugehalten hat. Er reagierte mit den Worten: "Bitte unterlassen Sie das, in unserem Land gilt Pressefreiheit." Daraufhin konnte er unbehelligt weiter Bilder machen.

Im Polizeibericht ist die Auseinandersetzung zwischen dem Staatsminister und dem Demonstranten Böhringer überdies mit keinem Wort erwähnt. Weitgehend störungsfrei sei die CDU-Wahlveranstaltung mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel verlaufen, so jedenfalls lautet das Fazit der Polizei gestern Vormittag. Vor dem Beginn habe es vor der Arena lediglich zwei andere kleinere Handgreiflichkeiten gegeben- und eine Beleidigung.

 

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