Merkels Abschied vom CDU-Vorsitz „Es war mir eine Ehre“

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Angela Merkel verabschiedet sich vom Vorsitz der CDU mit einer Rede, in der sie der Partei dankt – aber auch die wechselseitigen Zumutungen offen anspricht.

Angela Merkel bedankt sich bei den Delegierten des Hamburger Parteitags für lang anhaltenden Beifall nach ihrer letzten Rede als Parteivorsitzende. Foto: dpa 13 Bilder
Angela Merkel bedankt sich bei den Delegierten des Hamburger Parteitags für lang anhaltenden Beifall nach ihrer letzten Rede als Parteivorsitzende. Foto: dpa

Hamburg - „Es war mir eine große Freude. Es war mir eine Ehre. Herzlichen Dank“ – mit diesen Worten hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag als Parteivorsitzende von ihrer CDU verabschiedet. Es war der Schlusssatz ihrer etwa halbstündigen Rede und zugleich der Moment, in dem sich sowohl die scheidende Chefin als auch die Delegierten Rührung erlaubten.

Sichtlich bewegt nahm Angela Merkel einen fast zehnminütigen Applaus entgegen. Merkel deutete an, dass sie mit ihrem eher zurückhaltenden Führungsstil der Partei manches zugemutet habe. Wo die Partei einen scharfen und deftigen Angriff gegen den politischen Gegner erwartet habe, habe sie lieber mit dem Florett gekämpft oder auch geschwiegen. „Wir haben einander nicht geschont“, sagte sie.

Merkel wünscht sich weiter „Fröhlichkeit im Herzen“

Zuvor hatte sie ihre Partei zu Einigkeit gemahnt und ihre Vorstellung von konservativen Werten in einer modernen Welt umrissen. „Wohin uns nicht enden wollender Streit führt, das haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitter erfahren“, sagte sie. Wohin dagegen Einigkeit die Christdemokraten führe, sei auch klar: In den 70 Jahren der Bundesrepublik hätten CDU und CSU in 50 Jahren den Bundeskanzler gestellt. Mahnend sagte Merkel: dass dies so bleibe, dafür stelle der Parteitag die Weichen.

Die Zukunft könne man nicht mit Missgunst und Zwietracht gestalten, sondern nur mit Zuversicht und Freude. „Es ist diese Fröhlichkeit im Herzen, die ich meiner Partei auch für die Zukunft wünsche“, sagte Merkel. Sie betonte vor diesem Hintergrund das von ihr bestimmte Motto des Parteitages: „Zusammenführen. Und zusammen führen.“

Der Begriff „konservativ“ komme nicht von Konserve, sagte Merkel und betonte, die Partei brauche neben den Werten, die sie auszeichneten, und dem christlichen Menschenbild auch Mut und Offenheit für andere Perspektiven. Die CDU sei die Partei, die sich für den Zusammenhalt einsetzt. „Wir Christdemokraten grenzen uns ab, aber niemals aus. Wir Christdemokraten streiten, aber niemals hetzen wir gegen andere Menschen.“ Im Angesicht der Herausforderungen der Zukunft gelte es, „unsere Werte und unsere Art zu leben entschlossen zu verteidigen, nach innen und nach außen“.

Kein direktes Wort zu ihren möglichen Nachfolgern

Merkel mied in ihrer Rede jeden offenen Bezug zu der anstehenden Wahl ihres Nachfolgers oder ihrer Nachfolgerin. Allerdings sagte sie auch kein Wort darüber, wie sie sich als Kanzlerin die künftige Zusammenarbeit vorstellt. Viel Applaus erhielt Merkel, als sie Siege bei mehreren Landtagswahlen ansprach und dabei als erstes den der Kandidatin für den Vorsitz, Annegret Kramp-Karrenbauer, nannte. Die Wahlen im Saarland sowie in Schleswig-Holstein als auch in Nordrein-Westfalen seien „der entscheidende Schlüssel“ dafür gewesen, bei der Bundestagswahl 2017 Rot-Rot-Grün zu verhindern.