Merz b. Schwanen in Albstadt Das wurde aus dem Hollywood-Hype um das Disney-T-Shirt

Spitzenkoch Carmen „Carmy“ Berzatto (Jeremy Allen White) trägt in der Serie „The Bear“, die auf Disney+ zu sehen ist, das Kultshirt aus Albstadt. Foto: The Walt Disney Company

Ein Arbeitershirt aus Albstadt-Tailfingen wird zum Serienstar im Streaming-Fernsehen. Die Nachfrage explodierte – und wächst noch weiter.

Vor einem Jahr war die Nachfrage nach dem sogenannten Disney-Shirt aus Albstadt so groß, dass man in Tailfingen nicht mehr mit der Produktion hinterherkam. Deshalb lautete die Challenge bei Merz b. Schwanen: Die Produktionskapazität muss erhöht werden. Fortan liefen die 33 alten Rundwirkmaschinen von Montag bis Freitag rund um die Uhr. „Wir haben aktuell keinen Rückstand mehr“, vermeldet Produktionsleiter Michael Schleicher.​

 

Man erinnere sich: Auf dem Streaming-Kanal Disney+ lief die Serie „The Bear“ an. Hauptdarsteller Jeremy Allen White entschied sich, bei den Dreharbeiten ein bestimmtes weißes Shirt zu tragen, das ohne seitliche Nähte auskommt. Über ein Dutzend Shirts hatte die Kostümdesignerin zuvor in die engere Wahl genommen. Es sollte richtig gut sitzen.

Denn schließlich trägt Koch Carmy Berzatto in der Serie gefühlt täglich nichts anderes: das Modell 215 in „white“ mit der Bezeichnung „Good Originals“. Die verfilmte Geschichte um die Koch-Crew des „King of the Kitchen“ im „The Beef“ in Chicago wurde der absolute Hit. „The Bear“ hat mehrere Emmys und Golden Globes abgesahnt, während auch das Kult-Arbeitershirt aus Albstadt zum heimlichen Star wurde.

Und genau deshalb stark vergriffen war, obwohl es rund 80 Euro kostet. Der relativ hohe Preis kommt durch die gute Qualität zustande und weil „gut Ding“ bekanntlich „Weile“ braucht. Um ohne Seitennähte auszukommen, wird der Stoff rundgestrickt, was bedeutet, dass jede Größe eine eigene Maschine benötigt.

Noch dazu handelt es sich um Strick- und Wirkmaschinen, die um die 100 Jahre alt sind. Bei solchen lässt sich die Geschwindigkeit nicht einfach erhöhen. Noch dazu kann man nicht ohne weiteres mehr Maschinen einsetzen. Erst einmal benötigt man diese und dann muss sie auch noch ein Fachmann zum Laufen bringen können.

Heiß begehrte Shirts

Einzige Möglichkeit zur Erhöhung der Produktion war also laut Michael Schleicher, die alten Maschinen 24 Stunden durchlaufen zu lassen. Zudem hat man das Personal aufgestockt. „Wir waren zum Jahresende in der Situation, endlich wieder einen Überbestand zu haben“, freut sich der Produktionsleiter, der hinzufügt: „Die Shirts sind immer noch heiß begehrt und dafür sind wir dankbar.“

Momentan laufen ja schon die Verkaufsmessen für die nächste Wintersaison an und vor allem der amerikanische Markt habe einen wahren Boost erfahren und entwickle sich gut, vermeldet Michael Schleicher.

Man sei allerdings im Unternehmen gespannt, wie sich das Kaufverhalten eventuell ändert angesichts Trumps unvorhersehbarer Zollpolitik, erläutert der Produktionsleiter. Bisher sei für Merz b. Schwanen Deutschland der größte Absatzmarkt gewesen, doch seit über einem Jahr hätten die USA die Nase vorn, weshalb man nach dem ersten Store in Berlin und dem zweiten in New York noch dieses Jahr einen dritten in Los Angeles eröffnen werde.

„Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren“, gibt Michael Schleicher bekannt. Auch in Japan sei die Nachfrage nach den Shirts sehr hoch. Wobei die Abnehmer eigentlich auf der gesamten Welt verteilt seien – bis hin zur Elfenbeinküste und Australien.

Shops in Berlin, NY und LA

Lange Zeit hatte man für das recht junge Label gar keinen Onlineshop, da das Inhaberehepaar Gitta und Peter Plotnicki, beide Modedesigner, für das beratungsintensive Produkt über den ausgewählten Einzelhandel ein gutes Vertriebsnetz aufgebaut haben. Inzwischen kann man die rundgewirkten Shirts sehr wohl online bestellen. Und das Geschäft boomt. Dennoch hat Rudolf Loder sich altershalber vor einem Jahr aus der Produktion, Planung und Haftung zurückgezogen und alle Anteile an das Berliner Ehepaar Plotinicki verkauft.

Der Albstädter hatte bekanntlich die vielen alten Rundwirkmaschinen gesammelt, auf denen immer noch produziert wird. Als Peter Plotinicki vor 15 Jahren beim Bummel über einen Berliner Flohmarkt ein altes Arbeiterunterhemd von der Schwäbischen Alb entdeckte, wusste er als Herrenschneider sofort, welche qualitativ hochwertigen Schatz er in Händen hielt und so bahnte sich eine wunderbare Geschäftsbeziehung und eine wahre Erfolgsgeschichte an.

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