Auch die dritte Staffel der ZDF-Serie „Merz gegen Merz“ mit Annette Frier und Christoph Maria Herbst erzählt hochkomisch von einem Scheidungskrieg.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Falls dieser Leitsatz für Partybesuche auch für Ehen gelten sollte, haben Anne und Erik Merz den richtigen Zeitpunkt für die Trennung schon lange verpasst. In der von „Stromberg“-Autor Ralf Husmann geschriebenen ZDF-Serie „Merz gegen Merz“ haben die von Annette Frier und Christoph Maria Herbst hinreißend gespielten Eheleute schon zwei Staffeln lang einen fiesen Scheidungskrieg hingelegt, in dessen rachelüsterner Galligkeit immer wieder Reste von Zuneigung aufblitzten. So muss ein Schlangengift-Cocktail mit Honig schmecken.

Für Serien gilt ganz gewiss, dass sie am besten aufhören sollten, wenn sie am schönsten sind. „Merz gegen Merz“ gehört zum Vergnüglichsten, was sich in der ZDF-Mediathek finden lässt, und so durfte man einer dritten Staffel mit Bangen entgegen sehen. War das nicht im Grunde alles auserzählt? Würde das zuvor Originelle nun als Abklatsch daherkommen? Die erfreuliche Antwort: die dritte Staffel von „Merz gegen Merz“, bereits in der Mediathek abrufbar und am Mittwoch ab 22.15 Uhr im ZDF-Programm am Stück zu sehen, 8 Folgen von jeweils rund 22 Minuten, ist so frisch, witzig und spannend wie die ersten beiden. Wenn nicht noch ein bisschen besser.

Die Sache mit der Demenz

Anne und Erik Merz wohnten mit ihrem Sohn Leon lange gemeinsam in einem Haus, das Annes Vater Ludwig gehört. Anne ist mittlerweile ausgezogen, die Eheleute gingen ganz selbstverständlich davon aus, dass sie das Haus verkaufen und den Erlös teilen könnten. Doch Ludwig, der allmählich in die Demenz abgleitet, aber noch nicht geschäftsunfähig ist, hat andere Pläne. Er gibt das Haus an Leon, der zwar noch nicht einmal sein Abitur hat, dafür aber dringliche neue Lebenspläne. Das sorgt für glaubhafte neue Hindernisse auf dem Trennungsweg von Anne und Erik.

Das Verblüffendste an der dritten Staffel aber ist, wie sie mit dem Verfall von Ludwig umgeht. Der ist hochkomisch und tragisch zugleich, und der Schauspieler Michael Wittenborn bekommt mal um mal die Wendung vom zwerchfellfetzend Absurden ins herzzerreißend Bittere und zurück hin, ohne Ruckler, ohne Brüche, ohne Peinlichkeiten. So lebensklug, auf den Punkt, aber durch Humor abgedämpft bekommt man die Strapaze der Demenz für den Erkrankten und das Umfeld gewiss nicht oft zu sehen.

Merz gegen Merz, Staffel 3. ZDF, Mittwoch, 22.15 Uhr. Alle drei Staffeln sind komplett in der Mediathek des Senders abrufbar.

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