Wahlkampftermin mit Merz in BaWü Hagel: „Wir werden wieder mehr auf Ingenieure hören als auf Ideologen“

Manuel Hagel (l.) und Friedrich Merz. Foto: AFP

Bundeskanzler Friedrich Merz sieht Deutschland mitten im Epochenbruch. Baden-Württembergs CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sieht das als Chance zum Anpacken.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Erster ist Baden-Württemberg schon mal, wenn man den Blick auf die Wahlkampf-Aktivitäten des Bundeskanzlers in diesem Jahr richtet. Das ist zwar dem Zufall geschuldet, denn eigentlich hätte Rheinland-Pfalz bei einem Neujahrsempfang mit Friedrich Merz in Mainz die Nase vorne gehabt. Der aber fiel den Wetterwarnungen am vorigen Wochenende zum Opfer; Deshalb ist nun Manuel Hagel und nicht sein Mainzer Kollege Gordon Schnieder die Nummer eins unter den CDU-Wahlkämpfern im Süden der Republik, denen der Kanzler und CDU-Parteichef bei der Rückeroberung der Machtzentralen in Stuttgart und Mainz Schützenhilfe leistet.

 

Politisch ist Heddesheim für die CDU ein Traum

Politisch ist das 12 000-Einwohner-Städtchen Heddesheim im Speckgürtel von Mannheim, wo der Kanzler und Baden-Württembergs CDU-Spitzenkandidat ihren ersten gemeinsamen Auftritt im Wahljahr absolvieren, ein Ort, den Christdemokraten auf Bundes- und Landesebene sich kaum schöner träumen könnten: Nicht nur kamen die in den neueren Umfragen so erstarkte AfD und die Linke bei der Gemeinderatswahl in Heddesheim zuletzt auf null Prozent. Mit weitem Abstand lag zudem die CDU auf Platz eins, vor der SPD und einer Heddesheimer Lokalliste – die Grünen landeten weit abgeschlagen auf dem undankbaren vierten Platz und stellen die kleinste Fraktion im Stadtparlament. So entschieden günstig ist Hagels Ausgangslage für die Landtagswahl im März trotz dem stabilen und satten Vorsprung für die Südwest-CDU (mit 29 Prozent in der jüngsten Umfrage) vor AfD (21 Prozent) und Grünen (20 Prozent) noch nicht. Aber der Wahlkampf geht jetzt ja auch erst richtig los.

Schon eineinhalb Stunden bevor Merz und Hagel in der Ladezone des Hochregallagers von Pfenning-Logistics – einem Unternehmen mit 7000 Mitarbeitern und tausend Lastwagen – loslegen wollen, strömen die Besucher. Vor der Halle gibt es lange Schlangen. Die Neugier auf Merz und Hagel hält sich bei vielen Besuchern die Waage. Zur Wirtschaftslage will er heute vom Kanzler etwas hören, sagt ein Besucher, der früh genug da war, um mit als erstes in die Halle zu gelangen.

Eine Dreiviertelstunde verspätet geht es schließlich los. Der Kanzler stand im Stau. Deshalb wird es zunächst nichts mit dem gemeinsamen Einmarsch der beiden CDU-Promis. Hagel kommt alleine, geht schon mal durch die Reihen, schüttelt Hände und wünscht ein gutes Neues.

Hagel präsentiert sich als Macher

Schon auf dem Großplakat am Halleneingang hat sich der Spitzenkandidat, der nach 15 Jahren mit Winfried Kretschmann als Ministerpräsident den Grünen die Macht entreißen will, als Macher präsentiert: mit signalgelber Weste, Schutzhelm und -brille. Er macht in der vollen Halle den Anfang.

„Gut. Fürs Land“ steht auf der Wand hinter dem Rednerpult. „Großartig, dass Sie heute alle hierhergekommen sind. Man spürt schon beim reinkommen: Hier ist man bei anständigen Leuten!“, sagt Hagel zum Auftakt. „Bewegende Zeiten, wie wir sie heute haben, sind immer die Chance, auch etwas zu bewegen.“ Jetzt gehe es darum, vom Analysieren zum Tun zu kommen. „Wir leben in einem großartigen Land und haben alle Chancen.“ In 75 Jahren Landesgeschichte hätten zwei Dinge das Land stark gemacht: Dass die Menschen sich anstrengen und sich etwas einfallen lassen – von der Erfindung des Autos bis zum Spaghettieis. „Wenn wir eine Landesregierung führen, werden wir wieder mehr auf Ingenieure hören als auf Ideologen“, betont er. Hagel bekennt sich zu Wachstum, zu Autos aus Baden-Württemberg, zu Integration in Europa und zu einem gegliederten Schulwesen mit einer verbindlichen Grundschulempfehlung für alle Schularten im Land.

Merz sieht Deutschland im Epochenbruch

Merz schlägt nachdenkliche, ernste Töne an. Der Kanzler beschreibt Deutschland als Land, das angesichts tektonischer Verschiebungen der Machtzentren auf der Welt aktuell mitten im Epochenbruch stecke. „Ich will nicht, dass Deutschland und Europa zum Spielball der Großmächte werden“, betont er. „Die Amerikaner werden uns nur respektieren, wenn wir Bündnispartner in Europa haben – und wenn wir ihnen gelegentlich sagen, dass wir anderer Meinung sind“, betont Merz und erntet dafür Bravorufe im Publikum. Das sei aber nur möglich aus einer Position der Stärke heraus. Deshalb müsse Deutschland so viele Kontakte und Freundschaften in Europa pflegen, wie es nur irgend gehe. „Das Geschäftsmodell Deutschland – mit einem erfolgreichen Mittelstand, mit billigen Vorprodukten aus China, billigem Gas aus Russland und den USA, die für unsere Sicherheit sorgen – dieses Geschäftsmodell gibt es nicht mehr“, mahnt er. „Es ist unwiderruflich vorbei.“

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