Messe Eurobike So chic wird das E-Bike der Zukunft

Rund 1400 Hersteller aus 50 Ländern präsentieren derzeit auf auf der Eurobike ihre Neuheiten. Foto: dpa
Rund 1400 Hersteller aus 50 Ländern präsentieren derzeit auf auf der Eurobike ihre Neuheiten. Foto: dpa

Pedelecs sehen nicht mehr aus wie Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus. Ein Besuch auf der Messe Eurobike in Friedrichshafen am Bodensee. Dort präsentieren mehr als 1400 Hersteller ihre Neuigkeiten.

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Friedrichshafen - Vorhang auf am Bodensee: Rund 1400 Hersteller aus 50 Ländern präsentieren derzeit auf der Messe Eurobike in Friedrichshafen ihre Neuigkeiten. Die Messe rund ums Fahrrad findet vom 30. August bis zum kommenden Samstag statt. 200 Jahre nach der Erfindung des muskelbetriebenen Zweirads haben immer mehr Velos einen elektrischen Hilfsmotor. Von A nach B bequem mit E ist aktuell einer der ganz großen Trends: 15 Prozent aller verkauften Räder fahren bereits mit elektrischem Rückenwind. Im ersten Halbjahr 2017 wurden 540 000 E-Bikes verkauft. Und die sollen sich neben der Technik auch optisch immer weiterentwickeln.

Schön oder wenigstens fetzig waren die E-Bikes der ersten Generation wirklich nicht. Die Velos sahen noch vor wenigen Jahren aus wie normale Alltagsfahrräder, an die man in der Mitte, rund um das Tretlager, einen unförmigen Kasten montiert hatte, der den Motor enthält.

Der Akku dazu war entweder irgendwo am Rahmen als grober Klotz angeschraubt, oder er lag schon ein wenig dezenter zwischen Gepäckträger und Schutzblech am Hinterrad. Die Kabel zwischen Batterie und Antrieb liefen nicht selten offen – Optik war für die Hersteller nicht wichtig. Pedelecs waren konzipiert für ältere Radler, die einfach nur wie früher von A nach B fahren wollten, aber zusehends Probleme an Steigungen bekamen. Oder für Wiedereinsteiger, die es gerne ein wenig leichter haben wollten.

Heute sind Pedelecs längst heraus aus der Ecke der Verlegenheitslösung für Wadenschwache. Alle Kategorien von Rädern werden mittlerweile auch mit Motor angeboten – selbst filigrane Rennräder und futuristische Mountainbikes.

Hip, chic oder beides

Im Sattel sitzen alle Geschlechter und Altersgruppen – wobei sich auch die Männer schon lange keinen Kopf mehr darüber machen, ob so eine elektrische Unterstützung irgendwelchen archaischen Männlichkeitsansprüchen widerspricht oder nicht. Im Gegenteil: Das E-Bike wird besonders in Städten zum bewussten Statement – also hip, chic oder beides. Und daran arbeiten die Hersteller mit Hochdruck – „das E-Bike der Zukunft ist ein Fahrrad“, lautet das Credo der Branche. Will heißen, motorunterstützte Fahrräder sollen so aussehen, als seien sie normale Velos. Und keine Sonderform, für wen auch immer.

Dieser Anspruch schafft technische Herausforderungen – besonders an die Optik des Antriebs. Bisher gibt es nur ein System für Rennräder, bei dem ein komplett in einem normalen Rahmen unsichtbar verbauter Antrieb direkt auf das Tretlager wirkt. Der Akku dafür wird dezent in einer kleinen Tasche unter dem Sattel versteckt: Ein mit dem österreichischen Vivax Assist ausgestattetes Rad ist nur von Experten von einem Velo ohne Motor zu unterscheiden. Obendrein ist der Antrieb mit weniger als zwei Kilo der leichteste im Markt – dafür aber durch die vergleichsweise kleine Batterie in der Reichweite limitiert.

Doch auch bei normalen Fahrrädern geht die optische Veredlung weiter. Bosch wird 2018 einen Motor präsentieren, der mit 2,9 Kilogramm Gewicht ein Kilogramm leichter sein soll als sein Vorgänger und 25 Prozent weniger Raum brauchen wird. Die neue Generation der Bosch-Akkus ist von 2018 an mit dem Rahmen zu einer Einheit zu verbinden und wird somit integratives Teil statt ein von außen angebrachtes Extra. Der Berliner Hersteller Brose hat dies schon im Programm, Hersteller wie etwa Scott aus den USA bieten ihre Räder auch mit solch integrierten Akkus an. Und die Branche rechnet mit weiteren Fortschritten. „Aus unserer Sicht wird es im Jahr 2022 Pedelecs geben, die sich bei Formensprache und Design kaum mehr vom traditionellen Fahrrad unterscheiden lassen“, sagt dazu Claus Fleischer, der Leiter der E-Bike-Sparte bei Branchenprimus Bosch.

Die neue Optik wird auch bestimmt durch eine in den Lenkervorbau und in die Sattelstütze integrierte Beleuchtung und durch Riemenantriebe statt der üblichen Kette. Die Zahnriemen sehen zwar nicht unbedingt besser aus, dafür gehört der berühmte ölige Kettenabdruck auf der Wade der Vergangenheit an. Das ist besonders bei Cityrädern ein Vorteil, wenn der Besitzer in Büroklamotten zur Arbeit fährt.

Im Kommen sind auch Automatikgetriebe statt Schaltungen, wobei die aber zumindest nicht in allen Bereichen vergleichbar gut und geschmeidig übersetzen wie eine hochwertige Kettenschaltung. Zudem haben sie einen höheren mechanischen Widerstand, aber darum braucht man sich mit einem Motor nicht zu kümmern. Auch bei den Bremsen ändert sich gerade vieles. Scheibenbremsen ersetzten immer öfter die Felgenbremse. Ob dies eine optische Verbesserung ist, mag Geschmackssache sein. Technisch wird das Bremsen aber um ein Merkmal reicher. Bosch hat zusammen mit dem Spezialisten Magura ein ABS für Fahrräder entwickelt, das ein Blockieren des Vorderrades unmöglich machen soll.

Das E-Bike ist also auf dem Weg vom klobigen Klotz mit der optischen Eleganz eines Hollandrades zum feinen Verkehrsmittel für Menschen, die auch Wert auf das Design legen. Und mit der optischen Verschlankung dürfte auch das Gewicht weiter fallen. Noch wiegen alltagstaugliche E-Bikes mit Lichtanlage, Schutzblechen, Ständer und Gepäckträger bis zu 25 Kilo – aber da ist noch viel Luft nach unten. Mehr als 18 Kilo sollte ein E-Bike absehbar nicht mehr auf die Waage bringen. Es gab schon einmal ein serienreifes E-Bike für die Stadt mit zwölf Kilo. Der Hersteller Freygeist, vor einem Jahr auf der Eurobike noch als hoffnungsvolles Start-up gefeiert, ging aber Anfang des Jahres trotz angeblich voller Auftragsbücher in die Insolvenz. Da half ihm selbst die schöne Optik nichts.

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