Weil für die Halal Expo nur wenige Aussteller gewonnen wurden, wird die Messe, auf der islamkonforme Produkte gezeigt werden sollten, abgesagt. Kritik an den Machern kommt von einem islamischen Unternehmer.

Lokales: Sven Hahn (hah)

Stuttgart - Der Markt ist zwar potenziell groß, das Interesse möglicher Aussteller hingegen gering. So lautet die widersprüchliche Erklärung der Stuttgarter Messe für die Absage der Halal-Expo. Die für Mai geplante Messe rund um islamkonforme Produkte wurde am Montag überraschend abgesagt.

„Das komplexe und sehr sensible Marktumfeld lässt eine zeitnahe Realisierung der ersten Fachmesse dieser Art im deutschsprachigen Raum im geplanten Format nicht zu“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens. „Immer wenn wir ein neues Konzept angehen, muss es sich wirtschaftlich tragen“, erklärt Gerd Fleischer, der Pressesprecher der Messe Stuttgart.

Große Konzerne lassen ihre Produkte als halal zertifizieren

Die Idee für die Veranstaltung wurde allein von der Messe entwickelt. „Wir haben erkannt, dass der Markt für diese Produkte eine gewisse Größe hat“, sagt Fleischer. Große Lebensmittelkonzerne wie Nestlé oder Haribo, Brauereien wie Jever oder Karlsberg und Pharmaunternehmen lassen Teile ihrer Produktpalette mittlerweile als islamkonform zertifizieren.

Die Überraschung für die Messemacher: „Viele potenzielle Aussteller haben sich nicht klar zu dem Thema bekannt“, sagt Fleischer. „Der wirtschaftliche Erfolg der Veranstaltung war nicht mehr absehbar.“ Wie der Widerspruch – großer Markt auf der einen und zurückhaltende Aussteller auf der anderen Seite – zustande kommt, kann der Messesprecher nicht erklären.

„Die geistige Unreinheit“ ausspülen

„Mir ist klar, aus welchem Grund die Messe nur Absagen erhalten hat“, sagt hingegen Yavuz Özoguz von der m-haditec GmbH. Die Firma zertifiziert islamkonforme Produkte. „Ich bin selbst gefragt worden, ob ich an der Expo teilnehmen will“, sagt er. Doch weil in die Organisation keine Muslime eingebunden waren, hat Özoguz abgelehnt. „Es kann nicht sein, dass Nichtmuslime ein rein muslimisches Thema anbieten“, sagt er und fügt an: „Das kann ich auch meinen Kunden nicht empfehlen.“

Özoguz berät Firmen, wie sie ihre Produkte herstellen können, um als halal zertifiziert zu werden – auch Brauereien wie Jever und Karlsberg. „Wenn für die zertifizierten Malzgetränke die selben Leitungen verwendet werden wie für das Bier, dann muss die geistige Unreinheit mit Wasser eine halbe Stunde lang aus der Leitung gespült werden“, erklärt er.

Messe wehrt sich gegen Vorwürfe

Auf die Kritik der Zertifizierer reagiert die Messe gelassen. „Es hätte zu viele Ansprechpartner gegeben, da es im Islam eben viele verschiedene Richtungen und Definitionen von halal gibt“, sagt Gerd Fleischer. Und: „Wir wollten einen Marktplatz und keine religiöse Plattform schaffen.“ Die Idee will die Messe nach dem aktuellen Rückschlag noch nicht komplett aufgeben. „Wir werden weiter arbeiten“, so Fleischer.

Halal oder islamkonform

Halal ist arabisch, türkische Muslime sagen helal. Gemeint ist das Gleiche: erlaubt. Lebensmittel sind halal,wenn kein Schwein verarbeitet wird. In den Produkten darf weder Alkohol noch Blut enthalten sein. Tiere müssen nach islamischem Ritus geschlachtet werden – also lebend ausbluten. Die Vorgaben für Geschäfte sind für Muslime ebenfalls streng: Zinsen dürfen nicht erhoben werden. Außerdem dürfen sie sich nicht an Unternehmen beteiligen, die mit Glücksspiel, Alkohol, Tabak,Waffen oder Prostitution arbeiten.