Messerstecher-Prozess Messerstecher: Paketfahrer gibt die Tat zu

Von Henning Maak 

Am zweiten Tag im Prozess um versuchten Mord äußert sich der 21-jährige Angeklagte zu den Vorwürfen.

Das Messer stamme aus der Küche seiner Eltern, er habe es zufällig dabeigehabt, sagte der Angeklagte vor Gericht. Foto: pixabay
Das Messer stamme aus der Küche seiner Eltern, er habe es zufällig dabeigehabt, sagte der Angeklagte vor Gericht. Foto: pixabay

Weil der Stadt - Es war eine Tat, die Weil der Stadt erschüttert hat. Der Mann, der dafür verantwortlich ist, muss sich seit Anfang November vor dem Landgericht Stuttgart wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten. Nachdem am ersten Prozesstag lediglich die Anklage verlesen worden war, hat sich der 21-jährige Sindelfinger mit kosovarischem Pass am zweiten Prozesstag zu den Tatvorwürfen geäußert.

Über seine Verteidigerin Franziska Rückert ließ er zunächst eine Erklärung verlesen, in der er die Tat bedauerte. „Ich kann nicht ungeschehen machen, was ich getan habe. Ich kann es nicht wiedergutmachen“, hieß es zunächst. Der äußere Geschehensablauf der Anklage sei richtig. Als er an der Kreuzung im Weil der Städter Industriegebiet in der Josef-Beyerle-Straße mit seinem Fahrzeug vor der Ampel gestoppt sei, habe er nicht gemerkt, dass ein Radfahrer auf ihn zukomme und an die Scheibe hämmerte.

Heftigste Beleidigungen

Es sei dann zu heftigen gegenseitigen Beleidigungen gekommen, dabei seien die heftigsten Schimpfworte gefallen. Eine Beleidigung, die sich gegen seine Mutter gerichtet hatte, habe ihn besonders getroffen. Er habe mit dem 40-jährigen Radfahrer um die Ecke fahren und die Sache klären wollen. Als dieser weggefahren sei, sei er noch wütender geworden. Er habe ihn mit seinem Fahrzeug angefahren, damit dieser nicht wegfahre – nicht, um ihn umzufahren.

Eigentlich habe er mit Fäusten auf ihn losgehen wollen. Beim Bremsen sei dann jedoch ein Messer vom Armaturenbrett nach vorne gerutscht, das er ohne nachzudenken gegriffen habe. Das Messer stamme aus der Küche seiner Eltern, er habe es zufällig dabeigehabt, es sei für sein Vesper gewesen. Er sei voller Adrenalin gewesen und wisse nicht mehr, was er gesagt habe. Er wisse nur noch, dass ihn ein Mann angeschrien habe und er seinen Arbeitgeber und seine Familie angerufen habe. Dann sei auch schon die Polizei gekommen. Er sei bereit, eine Sozialtherapie zu machen und dem Geschädigten Schmerzensgeld zu zahlen.

War es Mord?

Nachfragen zu seiner Erklärung wollte der 21-Jährige am Freitag nicht beantworten. Die Anklage sieht in seinem Tun gleich zwei Mordmerkmale verwirklicht, Heimtücke und niedere Beweggründe. Schon beim Rammen des Radfahrers, der beim Sturz Schürfwunden erlitt, habe der Angeklagte dessen Tod billigend in Kauf genommen. Anschließend habe er mit einem Messer mit einer neun Zentimeter langen Klinge auf sein Opfer eingestochen. Dabei traf er die Lunge des 40-Jährigen und verletzte ihn lebensgefährlich, weil Luft in den Brustkorb drang.

Laut Zeugen soll der 21-Jährige Sätze wie „Ich stech’ dich ab“ und „Ich schwöre auf meine Mutter: Ich bring’ dich um! Ich komme direkt aus der Moschee“ gesagt haben.

Darüber hinaus gab der 21-Jährige am zweiten Prozesstag Einblick in sein bisheriges Leben. Er war sichtbar nervös als er redete, ständig zwirbelte er seine Barthaare und drehte sich immer wieder ein bisschen in seinem Drehsessel. 2007 sei er zusammen mit seinen Eltern und den vier Geschwistern nach Deutschland gekommen. Nach dem Hauptschulabschluss brach er eine Lehre als Straßenbauer ab und war in mehreren Gelegenheitsjobs tätig. Er hat zwei Vorstrafen: Wegen Körperverletzung und weil er seinen Vater fälschlicherweise wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt hatte. In der Haft habe er anfangs Probleme mit serbischen Mitgefangenen gehabt. In seiner Zelle in der JVA Adelsheim wurde ein selbst gebasteltes Messer gefunden.

So geht’s weiter

Der Prozess wird am 5. Dezember um 9 Uhr fortgesetzt. Als erster Zeuge soll der 40-jährige Radfahrer aussagen. Das Urteil soll am 20. Dezember gesprochen werden.