Stuttgart - An fast allen Messstationen für Stickstoffdioxid im Südwesten hat die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) im ersten Halbjahr 2019 geringere Werte gemessen als das Jahr 2018 über. Vor allem an den Standorten mit viel Autoverkehr sei ein zum Teil deutlicher Rückgang festzustellen, sagen die Experten der Behörde. Dazu zählen auch die belasteten Abschnitte in Stuttgart am Neckartor und in der Hohenheimer Straße, wo die Werte sogar stärker sanken als sonst im Land, aber noch immer über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft liegen. Auch in der Region rund um Stuttgart sind die Werte geringer (siehe Tabelle). Erstmals veröffentlichte die LUBW Ergebnisse ihrer seit April stattfindenden Messungen an weiteren Standorten in Stuttgart. Auch wenn es sich nur um Dreimonatswerte handelt, sieht das baden-württembergische Verkehrsministerium damit seine Modellrechnungen bestätigt, wonach „der Grenzwert an zahlreichen Stuttgarter Straßenabschnitten inzwischen eingehalten wird“, so eine Sprecherin von Minister Winfried Hermann (Grüne).
Warum gibt es die zusätzlichen Messungen in Stuttgart?
Der grün-schwarze Koalitionsausschuss der Landesregierung beschloss auf Drängen der CDU weitere Stickstoffdioxidmessungen in Stuttgart, damit die Belastung im gesamten Stadtgebiet erfasst wird. Mit den seit Jahren laufenden Messungen an viel befahrenen Straßen gibt es in der Landeshauptstadt nun 53 Messpunkte. Von den 39 zusätzlichen sind zehn seit 1. April installiert. Das Landesamt für Umwelt veröffentlicht nun erstmals einen Dreimonatsmittelwert für das zweite Quartal 2019.
Was sind die Ergebnisse?
An allen zusätzlichen Standorten wurden bisher Werte gemessen, die weit unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm liegen. Die Werte im Einzelnen: Fellbacher Straße/Kilianstraße 28 (15 Mikrogramm), Imweg 47 (24), Kappelbergstraße 66 (17), Kirchheimer Straße 80 (17), Ludwigsburger Straße 115 (25), Rohracker Straße 22 (29), Schemppstraße 15 (16), Solitudestraße 212 (19), Vaihinger Landstraße 111 (12), Vaihinger Straße 94 (27), Waiblinger Straße (31) und Welfenstraße 63 (22). Gemessen wird mit sogenannten Passivsammlern, bei denen die Luft durch einen Filter strömt und nicht angesaugt wird. Sie sind in vier Metern Höhe installiert.
Was sagt das Verkehrsministerium des Landes zu diesen Werten?
„Die ersten Ergebnisse der Sondermessungen bestätigen die Modellrechnungen, dass der 40-Mikrogramm-Grenzwert in zahlreichen Stuttgarter Straßenabschnitten inzwischen eingehalten wird“, erklärt eine Sprecherin. Wichtig sei allerdings, dass der Grenzwert, der der Gesundheit der Bevölkerung diene, auch in den höher belasteten Straßenabschnitten „schnellstmöglich“ eingehalten werde.
Wo gibt es weiterhin zu hohe Werte?
Neben dem Neckartor wird auch an der Hohenheimer Straße der Grenzwert überschritten. Hier liegt der Halbjahreswert bei 55 Mikrogramm. Am Standort Arnulf-Klett-Platz beträgt der Halbjahreswert 45 Mikrogramm. Aber auch an zwei weiteren Standorten mit hoher Verkehrsbelastung ist auf der Basis des erstmals ermittelten Dreimonatswerts mit Überschreitungen zu rechnen: Pragstraße 90/92 (Höhe Quellenstraße) mit 58, Talstraße 41 (Höhe Schönbühlstraße) mit 49 Mikrogramm.
Wie ist die Situation am Neckartor?
An der bekannten Messstelle am Neckartor liegt der Halbjahreswert bei 56 Mikrogramm gegenüber einem 2018er Wert von 71. Allerdings ist das immer noch deutlich mehr als der Grenzwert von 40 Mikrogramm erlaubt. An den direkt in der Nähe liegenden vier zusätzlichen Messstellen wurden etwas niedrigere Halbjahreswerte gemessen. Sie betragen zwischen 48 und 51 Mikrogramm (2018: 57 bis 62), an der Schubartstraße 20, etwa 250 Meter entfernt, sind es noch 24 Mikrogramm (2018: 26). Im zweiten Quartal 2019 sind die Werte weiter etwas gesunken.
Wie beurteilt das Ministerium die Rückgänge am Neckartor?
Der Vergleich mit anderen Städten im Südwesten zeige, dass das seit Jahresanfang nur in Stuttgart geltende Fahrverbot für Diesel bis einschließlich Euro 4 eine „zusätzliche Wirkung“ entfalte. Landesweit seien die Stickstoffdioxidwerte um durchschnittlich fünf Mikrogramm zurückgegangen. In Stuttgart habe die Abnahme aber im Mittel acht Mikrogramm betragen, am Neckartor seien es sogar 15 und an der Hohenheimer Straße zehn Mikrogramm.
Was sagt es zur Situation in Baden-Württemberg?
Das Verkehrsministerium spricht insgesamt von einer „erfreulichen Entwicklung“. Sie zeige, dass die zahlreichen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität greifen würden. Die Experten des Ministeriums rechnen damit, dass in diesem Jahr „in einer Reihe weiterer Städte“ der Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft eingehalten wird. Namen nannten sie nicht. In der Region könnten dies aber Esslingen, Herrenberg, Leonberg und Sindelfingen schaffen.