Mit Bullet For My Valentine und Trivium begehen zwei der wichtigsten modernen Metal-Bands eine ungewöhnliche Jubiläumstour – 20 Jahre „Ascendancy“ und „The Poison“. Eindrücke vom Konzert in der Schleyerhalle.
Die Zeit der Musikjubiläen bricht auch für die Millennial-Generation an – zumindest für den Teil, der Fan härterer Musik ist. Am Dienstagabend feiern mit Bullet For My Valentine und Trivium zwei Metal-Größen in Stuttgart das 20-Jahr-Jubiläum ihrer Alben „The Poison“ und „Ascendancy“. Kein Einzelfall: Erst im Dezember brachten Slipknot ihr 25 Jahre altes Debütalbum in die Schleyerhalle, nun folgen gleich zwei genreprägende Alben.
Es wird ein Jubiläum der großen Gesten, so viel steht schnell fest. Trivium, die nach der Death-Metal-Vorgruppe Orbit Culture das Doppelkonzert einleiten, haben erst drei Songs gespielt, da wächst auf der Bühne ein riesiger Zombie in die Höhe und greift nach dem Publikum.
Beide Bands spielen an diesem Abend ihre Jubiläumsalben in voller Länge, und die Zombiepuppe erweckt das Albumcover von „Ascendancy“ zum Leben. Davor brettern die vier Musiker aus Florida in dichter Originalreihenfolge durch ihr zweites Album. Frontmann Matthew Heafy wechselt scheinbar mühelos zwischen Screaming und Metallica-eskem Gesang, seine Gitarrensoli flirren auch 20 Jahre später noch zielgenau.
Als er die Texte für „Ascendancy” schrieb, war Heafy noch keine 20 Jahre alt. Heute ist er kein mit der Welt hadernder Teenager mehr, doch Triviums Headbanger-Rhythmen wie im treibenden „Pull Harder on the Strings of Your Martyr“ haben nichts von ihrer Explosivität eingebüßt. Am Ende bleibt mit „In Waves“ nur noch Zeit für einen einzigen jüngeren Klassiker als Zugabe.
Für viele, die in den Nullerjahren zu Metalfans wurden, dürften Trivium und Bullet For My Valentine zu den prägenden Bands gehören. Manche bastelten sich ihre erste Metal-Kutte aus einer Jeansjacke und einem Trivium-Aufnäher. Teenager mit schwarz gefärbten Haaren, Vans-Sneakern und Liebeskummer fühlten sich von den Herzschmerz-Texten und den pointierten Screaming-Passagen von Bullet For My Valentine aufgefangen.
Heute, zwanzig Jahre später, jubeln die Teenager von damals, als Bullet For My Valentine als letztes die Bühne betreten. Noch mehr als Trivium setzt das Quartett auf Nostalgie: Minuten zuvor haben Videoschnipsel auf der Leinwand das Publikum zum kometenhaften Aufstieg der Band zurückversetzt. Nun gibt es kein Halten mehr.
Das liegt auch am Songmaterial der Waliser – das Debütalbum mit dem Titel „The Poison“ lässt sich dann doch um einiges leichter mitsingen.
Fast wieder wie 2005
Mitgesungen wird vor allem beim größten Hit, „Tears Don’t Fall“, den Frontmann Matt Tuck zuerst alleine mit der Gitarre anstimmt, nur um mit der ganzen Band dann neu anzusetzen und das Publikum zum Beben zu bringen. „Tears Don’t Fall“, ruft Matt Tuck, habe die Leben der Musiker verändert. Und nicht nur ihre. Für eine ganze Generation von Metalfans reichen die ersten Noten des Eingangsriffs, um eine Nostalgiewelle auszulösen.
Bullet For My Valentine in der Schleyerhalle. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Beide Bands haben in ihren Anfängen diverse Metal-Subgenres beeinflusst, man könnte sagen: modernisiert. Im Jahr 2005 verkörperten Trivium frischen Wind mit ihren vom Thrash Metal inspirierten Riffs, auch Bullet For My Valentine zehrten von Vorbildern wir Metallica und Slayer, wie sie an diesem Abend mit den Doppelgitarren in „Hand of Blood“ demonstrieren. Langsam-brachiale Breakdowns wie in „4 Words“ bereiteten jedoch schon dem Metalcore jüngerer Prägung den Weg. Am Ende vereint „The End“ alles, emotionalen Gesang, Screaming, Geschwindigkeit. Für nostalgische Mittdreißiger im Saal fühlt es sich jedenfalls fast wieder an wie 2005.