„Die Leute brauchen endlich ein Signal, dass auch mal etwas besser wird“, begründet der für die Landkreise Ludwigsburg und Rems-Murr als Geschäftsführer fungierende Matthias Fuchs die Zielmarke, mit der die Gewerkschaft bei der Tarifrunde ins Rennen geht. Mit Blick auf die Preissteigerungen bei Lebensmitteln, aber auch bei Strom, Gas und Treibstoff müssten die Beschäftigten endlich wieder einen Zuwachs im Geldbeutel spüren.
Der Zuwachs bei den Hafenarbeitern hat Hoffnungen geweckt
Zumal es vor allem in Autoindustrie und Maschinenbau aus Sicht des Bevollmächtigten etliche Unternehmen gibt, die zwar an Personalkosten sparen, gleichzeitig aber stattliche Gewinne machen. „Wenn einerseits Kurzarbeitergeld kassiert und andererseits eine Irrsinns-Summe an die Aktionäre ausgeschüttet wird, kann etwas nicht stimmen“, schwört Matthias Fuchs die Gewerkschaftsmitglieder auf die Ende September stattfindende erste Verhandlungsrunde in Kornwestheim ein. Zum zweiten Treffen Mitte Oktober will die IG Metall auch die Beschäftigten aus dem Rems-Murr-Kreis mobilisieren – und erwartet annähernd 1000 Teilnehmer bei der Kundgebung.
Schließlich sitzen die eigenen Mitglieder der Gewerkschaft bei der Forderung nach mehr Geld in der Lohntüte im Nacken. Dass sich die IG Metall in der Tarifrunde mit „nur“ acht Prozent begnügen will, geht vielen Beschäftigten nicht weit genug. „Es brodelt in den Betrieben“, sagt die mit der Öffentlichkeitsarbeit betraute Susanne Thomas. Zwar haben die Montagearbeiter am Band noch in Erinnerung, dass ihre Löhne nach der Tarifrunde 2018 um immerhin 4,1 Prozent in die Höhe geklettert sind. In den Krisenzeiten der Coronapandemie allerdings mussten sie sich mit Einmalzahlungen zufrieden geben.
Andere Branchen können von acht Prozent nicht einmal träumen
Das sind zwar Verhältnisse, von denen die Beschäftigten in anderen Branchen nach wie vor nur träumen können. Dennoch ist in der Metallindustrie und Elektrobranche die Hoffnung groß, dass es im Tarifkampf zu einem deutlichen finanziellen Aufschlag kommt. Die Hafenarbeiter haben mit einem zweistelligen Prozentzuwachs schließlich bereits vorgemacht, was möglich ist – und die Messlatte für die Verhandlungsführer der IG Metall entsprechend hoch gelegt.
Diese Erwartungshaltung bekommen im Vorfeld der Tarifrunde auch Gewerkschaftsfunktionäre zu spüren. „Es ist klar, dass acht Prozent mehr Lohn nicht reichen werden, um die Preisentwicklung in der Inflation auszugleichen. Aber unser Vorschlag passt in die Zeit“, sagt Matthias Fuchs. Dass es an Neckar, Rems und Murr auch eine Reihe von Betrieben gibt, denen horrend steigende Energiekosten das Genick brechen könnten, lässt der Bevollmächtigte nicht als Einwand gelten.
Die Energiekrise lässt die IG Metall nicht als Einwand gelten
„Es wäre absurd, wegen der Energiekrise auf eine Lohnerhöhung zu verzichten.“ Selbstverständlich müsse es ein Lösungsmodell geben, damit Firmen nicht an der Preissteigerung bei Strom, Gas und Öl ersticken. Aber das sei eine Aufgabe für die Politik, und nicht für die Tarifpartner. „Wir müssen erst mal nach den Menschen sehen – und nicht nach den Unternehmen“, sagt er.
Ohnehin geht es zwei Dritteln der lokalen Betriebe aus Sicht der IG Metall blendend. Dass der Arbeitgeberverband Südwestmetall schon eine Nullrunde ins Gespräch gebracht hat, kann den Gewerkschafter nicht schrecken. „Die Beschäftigten haben die große Erwartung, dass die IG Metall in der Tarifrunde für Gerechtigkeit sorgt – und das werden wir tun“, sagt Matthias Fuchs.