Metallica-Jubiläum Das schwarze Album wird 30 – und gefeiert

Metallica 1993 (von links): Jason Newsted, Kirk Hammett, Lars Ulrich und James Hetfield Foto: AFP

Metallica wurden 1991 mit ihrem schwarzen Album über Nacht zu Weltstars. Zum 30. Geburtstag stehen Gratulanten wie Miley Cyrus mit Cover-Versionen Schlange.

Stuttgart - Cover-Versionen sind ein Prüfstein dafür, was in Kompositionen steckt – besonders, wenn die Covernden aus anderen Genres kommen. Das schwarze Album von Metallica besteht diesen Test zu seinem 30. Geburtstag: Auf dem Album „The Metallica Blacklist“ haben namhafte und aufstrebende Künstler sagenhafte 53 Interpretationen der 12 Stücke des Albums veröffentlicht.

 

Ein Höhepunkt ist Miley Cyrus’ Version der Überballade „Nothing else matters“ mit Elton John. Seit sie „Jolene“ gecovert hat, den Country-Hit ihrer Tante Dolly Parton, weiß die Welt, was sie kann. Hier nun übertrifft Cyrus sich selbst und fährt ihren immensem Stimmumfang aus, vibrierend vor Energie.

Die „Blacklist“ ist facettenreich

Nicht minder beeindruckend verpasst die Klangkünstlerin St. Vincent dem zähflüssigen „Sad but true“ ein elegant unterkühltes Elektrogewand. Dem Country-Star Jason Isbell gelingt es gar, das düstere Stück in sonnigen Country-Blues-Galopp in Dur zu verwandeln. Quirlig und very british taucht die Post-Punk-Band Idles „The God that failed“ in nachtschwarze New-Wave-Atmosphäre.

Die „Blacklist“ ist eine facettenreiche Fundgrube und zeigt: Metallica werden genre- und generationenübergreifend geschätzt. Die kalifornische Indie-Rockerin Phoebe Bridgers mit ihrer intimen Version von „Nothing else matters“ ist erst 27. Und mit Igor Levit steuert sogar ein Meister aus der klassischen Musik eine romantische Solo-Piano-Interpretation bei.

Bei Konzerten sind Pophörer verstört

Mit dem schwarzen Album gelingt dem Sänger und Gitarristen James Hetfield, dem Drummer Lars Ulrich, dem Lead-Gitarristen Kirk Hammett und dem Bassisten Jason Newsted 1991 ein Spagat: Sie dominieren weltweit die Charts mit Riffattacken wie „Enter Sandman“, die kurz zuvor noch als nicht mainstreamtauglich galten – und bleiben sich dabei als Metal-Band treu. Die Radio-Omnipräsenz von „Nothing Else Matters“ lockt bald Horden harmloser Pophörer in Metallica-Konzerte, wo sie sich verstört an ihren Tribünensitzen festhalten, während das Klang-Inferno der Band wie ein Tornado über sie hereinbricht.

1991 ist ein bemerkenswertes Musikjahr, auch das Album „Nevermind“ der Grunge-Pioniere Nirvana sorgt für eine weltweite Welle kurz nach Metallicas fünfter Studioproduktion. Die verläuft anders als die vorherigen, denn ein Produzent mit einem besonderen Händchen nimmt die Band aus San Francisco unter seine Fittiche: Bob Rock (The Cult, Mötley Crüe) sieht in Metallica einen Rohdiamanten, den er zum Funkeln bringen möchte.

Bob Rock stellt die Vorzüge der Band heraus

Unter seinem Einfluss bringen Metallica ihre oft ausufernden Kompositionen auf den Punkt, Rock stellt die Vorzüge der Musiker heraus wie unter einem Vergrößerungsglas: Hetfields Bellen sticht glasklar heraus, die peitschenden Gitarrenriffs entfalten eine ungekannte Wucht, Lars Ulrichs trocken knackender Kickdrum-Sound wird zur Legende. Metallica klingen auf dem schwarzen Album mehr nach sich selbst denn je.

Den Grundstein hat die Band zehn Jahre zuvor gelegt, als sie den Thrash Metal mit erfindet (thrash = zerschmettern, nicht zu verwechseln mit „trash“), ein aggressives, schnelles, Punk-beeinflusstes Subgenre. Die typischen, hart akzentuierten Gitarrenriffs schmiedet Hetfield mit Dave Mustaine, den Metallica wegen Drogenproblemen vor dem ersten Album feuern. Er gründet Megadeth, die neben Metallica, Slayer und Anthrax zu den „Big Four“ des Thrash Metal zählen. Der neue Sound fasziniert Metal-Hörer weltweit, Metallica erspielen sich mit den Alben „Kill’em all“ (1983) „Ride the Lighthing“ (1984) und „Master of Puppets“ (1986) eine Fanbasis. 1986 stirbt der Bassist Cliff Burton, als ein Tourbus verunglückt. Die Band hält durch, heuert Newsted, legt mit „...and Justice for all“ (1988) ein weiteres starkes Werk vor. Der Erfolg des schwarzen Albums erscheint gut vorbereitet und konsequent – doch er bleibt, wie so oft, nicht folgenlos.

2001 kommt es zur existenziellen Band-Krise

Die Jungs von nebenan sind nun eine der größten Bands der Welt, die werden aus ihrem Metal-Biotop Gleichgesinnter herausgeschleudert ins große Rampenlicht. 2001 kommt es zur existenziellen Krise: Newsted verlässt die Band, Hetfield, Ulrich und Hammett stecken in einem kreativen Loch, die Produktion des Albums „St. Anger“ – mit Bob Rock nun auch am Bass – wird zur unendlichen Geschichte. Hetfield geht auf Entzug, ein Psychologe vermittelt im Studio. Der Dokumentarfilm „Some Kind of Monster“ (2004) zeigt all das und blickt tief in die Seelen. Am Ende fangen sich Metallica, engagieren Rob Trujillo von Suicidal Tendencies, der nun der am längsten amtierende Metallica-Bassist ist.

Zum 30-Jahr-Jubiläum stehen die Gratulanten Schlange. Ein besonderer Gruß auf der „Blacklist“ stammt vom Saxofonisten Kamasi Washington: Er hat „My Friend of Misery“ in eine brodelnde Soul-Jazz Hymne verwandelt. Cooler wird’s nicht.

Die Jubiläumsausgaben und der Film

Black Album
 Das schwarze Album ist am 10. September als Remaster erschienen, digital, auf CD (17 Euro) und als 3-CD-Box (27 Euro) mit Studio-Demos und der Live-Compilation „Wherever we may roam“. Auf Vinyl gibt es ein Doppelalbum (30 Euro) sowie eine Super Deluxe Box mit Picture-Disc, 3 Live-LPs, 14 CDs (mit Rough-Mixes, Demos, Interviews, Livemitschnitten), 6 DVDs (Outtakes, BTS-Material, offizielle Videos, Livematerial), 120-seitigem Hardcover-Buch und Fan-Artikeln (245 Euro).

The Metallica Blacklist
 Die 53 Coverversionen sind am 10. September digital erschienen. Die Box mit vier CDs (29 Euro) und die Vinyl-Ausgabe mit sieben Alben (160 Euro) werden am 1. Oktober veröffentlicht.

Some Kind of Monster
Der Dokumentarfilm ist aktuell auf Netflix zu sehen.  

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