Die Metzgerei Bosch sieht sich gut für die Zukunft gerüstet. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer
Bei der Metzgerei Bosch werden Kunden nicht mehr an allen Tagen an der Theke bedient – sie können sich dann selbst bedienen. Wie funktioniert das neue Konzept?
Die Metzgerei Bosch hat – wie so viele Betriebe ihrer Branche – mit Personalmangel zu kämpfen. Im Jahr 2023 musste die alteingesessene Metzgerfamilie ihre Filiale im Herrenberger Stadtteil Kuppingen kurzzeitig schließen, weil nicht genügend Personal da war, um die Kundschaft an der Theke zu bedienen. Besonders bitter war das, weil das Geschäft eigentlich brummte. Der Fall nahm eine gute Wendung: Schon drei Monate später waren wieder Fachverkäuferinnen gefunden, und die Metzgerfiliale öffnete fortan zumindest an drei Tagen, von donnerstags bis samstags.
Nun schlägt das Geschwisterpaar Fabienne und Dennis Bosch, die die Metzgerei in dritter Generation führen, ein neues Kapitel auf. Sie nennen das Konzept „Hybrid-Filiale“. Das bedeutet, dass sie die normale Bedientheke fortan mit einem Selbstbedienungsbereich kombinieren. „Wir sind die ersten im Landkreis Böblingen, die beides in einer Lösung haben“, sagt die Metzgermeisterin.
Der SB-Bereich der Metzgerei. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer
Metzgerei Bosch in Herrenberg wird zum Hybrid-Laden
Die Theke, hinter der Metzgereifachverkäuferinnen die Kunden bedienen, ist mittwochs bis samstags zu normalen Öffnungszeiten besetzt. „Die Beratung, das Persönliche ist uns sehr wichtig“, betont Bosch. Zusätzlich sind dort, wo früher eine Sitzecke war, jetzt einige Kühlautomaten aufgestellt mit abgepackter Wurst, Fleisch oder Konserven. In Regalen stehen außerdem Produkte wie Nudeln, Soßen, Honig, Kartoffeln, Linsen oder Eier, alles überwiegend von regionalen Produzenten.
Während der Thekenbetrieb geöffnet ist, gehen beide Bereiche offen ineinander über, nach Ladenschluss spannen die Mitarbeitenden eine Trennwand auf, so dass die Theke abgeschirmt ist. Zutritt zum Selbstbedienungsbereich (SB) bekommen die Kunden, indem sie am Eingang ihre Bankkarte scannen. Ein Kundenkonto braucht niemand, „man hat ja eh schon tausend Apps“, sagt Bosch.
Nachdem die Kunden ihre Produkte eingescannt haben, bezahlen sie digital. Eine Videoüberwachung soll sicherstellen, dass niemand unbezahlte Produkte in seinen Taschen verschwinden lässt. Möglich ist der selbstständige Einkauf täglich in der Zeit zwischen 5 und 23 Uhr.
Wie nehmen Kunden den neuen Service der Metzgerei Bosch in Herrenberg an?
Fabienne Bosch ist glücklich, dass der neue SB-Bereich bereits gut angenommen wird. Sie rechnet damit, dass er vor allem im Sommer gut nachgefragt werden wird, wenn die Leute spontan grillen möchten und kein Fleisch zuhause ist. Um noch mehr Flexibilität zu bieten, soll bald auch möglich sein, dass Kunden ihre Wünsche grammgenau vorbestellen und am Kühlautomaten dann abholen können, wann es ihnen passt – ob samstags um 5 Uhr oder sonntags um 23 Uhr. „Wir sind dran, leider spinnt gerade noch die Technik“, sagt Bosch.
Sie und ihr Bruder planen, auch das Stammhaus in Herrenberg an der Silcherstraße auf das Hybrid-Konzept umzustellen. An Pfingsten soll der nötige Umbau samt Modernisierung erfolgen. Der Thekenbereich wird dann verkleinert, damit Platz für die SB-Automaten frei wird. Fabienne Bosch ist überzeugt, dass sie ihre Metzgerei mit diesem Weg gut für die Zukunft aufstellen. Denn: „Die Leute kommen spät vom Geschäft heim oder wollen nicht lange anstehen im Laden. Ihnen wollen wir es angenehm machen.“ Wer Beratung schätze oder wissen wolle, woher das Fleisch stamme, für den seien nach wie vor die Fachkräfte an der Theke da. So bekommen Kunden aus beiden Welten das Beste.