MHP-Arena Das hat der VfB am Football-Finale verdient
Der VfB Stuttgart hat für die Vermietung der MHP-Arena an die European League of Football besondere Konditionen vereinbart. Mittlerweile ist die Rechnung beglichen.
Der VfB Stuttgart hat für die Vermietung der MHP-Arena an die European League of Football besondere Konditionen vereinbart. Mittlerweile ist die Rechnung beglichen.
Die elf Clubs, die der European League of Football den Rücken gekehrt haben und ihre eigene Liga gründen wollen, werden nicht müde, das Geschäftsgebaren der ELF-Führung anzuprangern. Weshalb sich auch eine Frage stellt, die den VfB Stuttgart betrifft: Sind rund um das große Football-Finale am 7. September in der MHP-Arena eigentlich alle Rechnungen beglichen?
Gerüchte über finanzielle Ungereimtheiten hatte es schon im Vorfeld des Endspiels zwischen Stuttgart Surge und den Vienna Vikings gegeben, es wurde sogar kolportiert, dass nach einem alternativen Austragungsort gesucht worden sei. ELF-Geschäftsführer Zeljko Karajica widersprach gegenüber unserer Zeitung vehement („Einzelne Menschen gießen in den sozialen Medien gerne Öl ins Feuer“), und tatsächlich erlebten die 36 784 Zuschauer am ersten September-Sonntag in der MHP-Arena ein stimmungsvolles Finale. Auch organisatorisch ging, abgesehen davon, dass viele Fans einen Teil des ersten Viertels verpassten, weil es an den Eingängen zu langen Wartezeiten gekommen war, alles gut. Bleibt noch das Thema Geld.
Über Zahlen spricht Rouven Kasper, der Marketing-Vorstand des VfB Stuttgart, in diesem Zusammenhang nicht. Allerdings deutete er gegenüber unserer Zeitung an, dass der Fußball-Bundesligist die MHP-Arena zu anderen Konditionen vermietet hat, als er dies zum Beispiel bei einem Konzert eines Musik-Weltstars tut. Das lag daran, dass auch der VfB ein Interesse daran hatte, dieses Großereignis in sein Stadion zu holen. „Wir möchten mit solchen Highlights die Sportstadt Stuttgart stärken. Zudem wollten wir den Stuttgart Surge ein einmaliges Erlebnis ermöglichen und auch der ELF, die ja noch ein junges Unternehmen ist, ein adäquat unterstützendes Konstrukt anbieten. Denn nur gemeinsam kann man Neues kreieren und wachsen“, sagte Rouven Kasper, „diese Rechnung ging auf.“
Dem Vernehmen nach kann der VfB bei großen Konzerten für die Vermietung der MHP-Arena rund eine halbe Million Euro verlangen. Die besondere Vereinbarung des Vereins mit der ELF sah nun offenbar neben einer Stadionmiete im deutlich sechsstelligen Bereich zusätzlich noch eine Umsatzbeteiligung in den Bereichen Catering und Ticketing vor. Insgesamt soll der Betrag, den die ELF letztlich überweisen musste, zwischen 300 000 und 350 000 Euro gelegen haben.
Wer sich bei dem Fußball-Bundesligisten nach der Zahlungsmoral der European League of Football erkundigt, erhält keine Auskunft. Nach Informationen unserer Zeitung ist die Anzahlung von etwas mehr als 50 Prozent der vereinbarten Stadionmiete zwar spät und erst nach einigen deutlichen Hinweisen auf die vertraglichen Absprachen eingegangen, aber noch rechtzeitig vor dem Spiel. Und mittlerweile soll auch der Rest des Betrages beglichen worden sein, der VfB also keine offenen Forderungen mehr haben. Demnach hat der Bundesligist mit dem Finale, das bei bestem Wetter stattfand und folglich dem Rasen in der MHP-Arena nicht ganz so sehr geschadet haben dürfte wie befürchtet, ein sechsstelliges Plus gemacht. Auf ein positives Ergebnis hoffen nun auch die Dienstleister.
Mit den Firmen, die im Stadion fürs Catering, den Sicherheits- und Ordnungsdienst oder die Reinigung zuständig sind, handelte die ELF als Veranstalter separate Verträge aus – damit hatte der VfB als Vermieter nichts zu tun, er kann folglich auch nicht in Haftung genommen werden, sollte es zu Ungereimtheiten kommen. Ob diese drohen? Darauf gibt es bisher noch keine Antwort.
Der Caterer Aramark hat auf eine Anfrage unserer Zeitung nicht reagiert, im Gegensatz zu Vincenzo Federico, dem Geschäftsführer des Stuttgarter Security-Unternehmens SDS. Mitarbeiter seiner Firma sind nicht nur bei den VfB-Heimspielen im Einsatz, sie waren auch für das ELF-Finale gebucht. Vincenzo Federico kennt die Gerüchte über die finanziellen Probleme der European League of Football, zugleich hat er die Hoffnung, davon nicht betroffen zu sein. „Leider ist es so, dass die Zahlungsmoral in unserer Gesellschaft allgemein zu wünschen übrig lässt“, sagte der SDS-Chef, der andeutete, dass die ELF bei seinem Unternehmen noch Außenstände hat, was allerdings zwei Wochen nach einer Veranstaltung nicht außergewöhnlich sei: „Was die Zahlungsziele angeht, ist alles im Fluss.“
Dieser Artikel erschien erstmals am 19. September 2022 und wurde am 22. September aktualisiert.