MHP Riesen Ludwigsburg Lars Masell, der Schattenmann
Beim Basketball-Bundesligisten MHP Riesen Ludwigsburg gibt John Patrick seit fast einer Dekade den Ton an, in seinem Schatten arbeitet seit Sommer Lars Masell – mit dem Ziel Chefcoach?
Beim Basketball-Bundesligisten MHP Riesen Ludwigsburg gibt John Patrick seit fast einer Dekade den Ton an, in seinem Schatten arbeitet seit Sommer Lars Masell – mit dem Ziel Chefcoach?
Ludwigsburg - Alte Liebe rostet nicht. Selten war der Spruch so treffend wie bei der Basketball-Freundschaft von John Patrick und Lars Masell. Die beiden kannten sich noch aus gemeinsamen Würzburger Zeiten vor rund zehn Jahren. Der Kontakt ist nie abgerissen, doch mit der Zusammenarbeit hat es nicht mehr geklappt – bis vergangenen Sommer. Da verließ Co-Trainer Josh King die MHP Riesen Ludwigsburg und wurde Chefcoach in Prag, und Patrick erinnerte sich – an Masell: „Als er mich angerufen hat, musste ich nicht lange überlegen“, sagt der 40-Jährige.
Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit, denn es gab bei den Riesen auch schon Assistenten, die waren an Weihnachten wieder weg. „Lars bringt positive Energie und viel Wissen über die Liga mit“, sagt Patrick über Masell, der den Wechsel bisher nicht bereut hat.
Am Samstag (20.30 Uhr) kommt sein Ex-Club Bayreuth. „Ich wollte dort raus aus der Komfortzone“, sagt Masell, nachdem er in Franken fünf Jahre (und zuvor in Braunschweig drei) unter dem Österreicher Raoul Korner tätig war und auch hätte weitermachen können. Wollte er nicht. „Das Schlimmste für mich ist Stagnation.“ Und John Patrick zudem ein triftiger Grund. Schließlich hat sich der 53-Jährige längst einen Namen gemacht. 2018 war er Trainer der Champions League, letzte Saison – zum dritten Mal schon – Trainer des Jahres in der BBL. „Hier kann ich mich perfekt weiterentwickeln“, sagt Masell, der sich über die Unterschiede seiner Mentoren nicht groß äußern möchte: „Jeder hat seine Stärken.“ Aber im Umfeld der Riesen sieht er doch Pluspunkte . „Was das Nachwuchsprogramm und die Kooperationen betrifft, hat Ludwigsburg klar die Nase vorne“, betont er und verweist auf Eigengewächse wie Johannes Patrick. Dem Trainer-Sohn hat er mit auf den Weg gegeben: „Lass dich nicht unterkriegen, dann stehen dir alle Türen offen.“
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So wie einst Johannes Voigtmann, dem Nationalspieler, dessen erster Trainer Masell war. Einst in Jena hatte er das Potenzial früh erkannt: „Ich habe ihn damals gefragt, was er sportlich erreichen möchte, er sagte ,Bundesligaspieler‘. Da hab ich gesagt, dafür brauchen wir nicht trainieren, bei seinem Talent und seinen Anlagen.“ Inzwischen hat es der Center zum europäischen Topclub ZSKA Moskau geschafft, und der Kontakt besteht – Parallelen zu Patrick – noch immer. „Im Sommer absolvieren wir öfter eine Art Trainingslager für zwei, drei Wochen.“ Zu Hause in Jena, wo Masell groß geworden ist und immer schon eines wusste: „Ich will Trainer werden. Egal in welcher Sportart.“ In der damalige Sportschule hat der ehemalige Leistungsturner sein Handwerk gelernt, wie er sagt. Und hinzufügt: „Für mich sind nicht die Scheine und Lizenzen entscheidend, sondern die Leute, die mich ausbilden.“
Darauf kommt es an, gerade im Basketball. Das sei ein sehr strategisches, fast schon mathematisches Spiel. Mehr Football als Fußball. „Das hat zwar auch mit Strategie zu tun hat, aber auch mit Glück, weil eine Situation ein Spiel entscheiden kann. Vielleicht ein abgefälschter Schuss des Gegners“, sagt Masell, der zugibt: „Als Spieler war ich zu schlecht.“ Es reichte nur für die dritte Liga, als Co-Trainer hat es der Mann mit dem markanten Bart in die höchste Liga geschafft. Zumindest als Assistent. Reizt da nicht mal der Chefposten? Für John Patrick ist klar: „Jeder will das werden, deshalb schließen wir meistens nur Einjahresverträge ab, um niemanden Steine in den Weg zu legen.“ Masell sagt nur: „Klar wäre es irgendwann schön, aber das kann man nicht erzwingen.“ Die Löwen Braunschweig sollen ihn schon gelockt haben, doch Masell wiegelt ab: „Es gab zwar immer mal Gerüchte, auch in Jena oder Bayreuth, aber offiziell war da nichts“, sagt der Thüringer und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Ich muss mal schauen, was ich da falsch gemacht habe.“
Generell findet er es bedauerlich, dass es so wenig deutsche Trainer gibt; nach der Trennung von Denis Wucherer in Würzburg hält Sebastian Gleim in Crailsheim die deutschen Farben hoch. Und auch bei den Assistenten sieht es nicht viel besser aus. „Ich weiß nicht, woran es liegt, vielleicht an den Strukturen.“ Zumindest gebe es den Beruf des Basketball-Trainers inzwischen, auch wenn das gesellschaftlich noch nicht überall angekommen sei. „Ich werde immer mal wieder gefragt, ob ich davon leben kann.“
Zur Beruhigung: Er kann, mit seiner Lebensgefährtin in Ludwigsburg, und wie zuletzt in den Ferien schaut auch mal die Tochter aus einer früheren Beziehung vorbei.