MHP Riesen Ludwigsburg Warum die Champions League im Basketball zum Zuschussgeschäft wird

Die Champions League ist für die Riesen ein Kraftakt. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Die Teilnahme am internationalen Wettbewerb hat für Basketball-Bundesligist MHP Riesen Ludwigsburg sportlich seinen Reiz, aber wirtschaftlich seinen Preis.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Ludwigsburg -

 

Während das Wort Champions League im Fußball eine elektrisierende Wirkung auf die Vereine erzielt, hält sich die Euphorie im Basketball durchaus in Grenzen. Das liegt auch an einem gewissen Etikettenschwindel, denn das Maß aller Dinge heißt in dieser Sportart Euroleague, die allerdings privat organisiert wird und in der aus der Bundesliga Bayern München und Alba Berlin vertreten sind. Die MHP Riesen als Bundesliga-Dritter der Vorsaison nehmen dagegen am zweitklassigen Wettbewerb der Champions League teil, die in den Händen des Weltverbandes Fiba liegt. Allerdings haben sich die Ludwigsburger dabei in der Vergangenheit durchaus einen Namen gemacht, vor allem mit dem Einzug ins Endturnier Final Four 2018 in Athen.

Galatasaray gilt als Favorit

Ob es in diesem Jahr auch so weit kommen wird, steht in den Sternen. Zunächst einmal steht von diesem Mittwoch an die zweite Gruppenphase der 16 besten Mannschaften auf dem Programm, und schon die hat es in sich. Favorit ist sicher Galatasaray Istanbul, das in der starken türkischen Liga auf Platz drei liegt und damit noch vor dem aktuellen Euroleague-Sieger Anadolu Efes; aber auch Hapoel Holon (Zweiter in Israel) und JDA Dijon (mit dem ehemaligen Riesen-Spielmacher Khadeen Carrington) sind nicht zu unterschätzen, wenn die Franzosen zum Auftakt an diesem Mittwoch (20 Uhr) in die MHP-Arena kommen.

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Die darf derzeit lediglich mit 500 Besuchern gefüllt werden, was in diesem Wettbewerb mit weiten Reisen ins Ausland nicht gerade zur Kostendeckung beiträgt. Unglücklich für die Ludwigsburger ist die Corona-Beschränkung vor allem im Hinblick auf nächsten Montag, an dem bereits das zweite Heimspiel gegen Galatasaray dank vieler potenzieller Fans aus der Türkei zu einem Publikumsmagneten hätte werden können. Denn generell haben sich in der Vergangenheit gerade Spiele gegen Teams aus Basketball-verrückten Ländern wie Serbien, Griechenland und der Türkei positiv abgehoben. In der Saison 2016/17 zum Beispiel wiesen die Riesen – nach Partien gegen Partizan Belgrad, AEK Athen oder Besiktas Istanbul – in diesem Wettbewerb einen Schnitt von 2871 Zuschauern auf. Und jetzt? „Natürlich sind 500 Besucher ein Zuschussgeschäft“, betont der Vorsitzende Alexander Reil, „aber das gilt für die Bundesliga auch.“

Allerdings entfallen da die hohen Reisekosten mit Flügen wie in der Vorrunde auf die Kanaren und die Ukraine oder jetzt nach Israel. „Wir können es nicht ändern“, sagt Reil pragmatisch, „wir haben für den Wettbewerb gemeldet, das kann nicht rückgängig gemacht werden.“ Auch wenn die drei Heimspiele diese Saison bisher im Schnitt gerade einmal gut 1000 Zuschauer anlockten.

Für den Sieger winkt eine Million Euro

Immerhin gibt es noch eine Lösung, um dem wirtschaftlichen Dilemma zu entkommen: Den sportlichen Erfolg. Zwar wurden die Prämien in Coronazeiten auch in der Champions League reduziert: Von insgesamt fünf Millionen Euro auf 3,5, doch am Siegerscheck wurde nicht gerüttelt. Der Gewinner kassiert wie in der Vergangenheit eine Million Euro – den Jackpot. Wenn das keine Motivation ist, zumal die Mannschaft ja auch partizipiert. „Das ist sicher nochmals ein Grund, so weit wie möglich zu kommen“, sagt auch Reil. „Aber der sportliche Reiz steht im Vordergrund.“ Mit einem hübschen Nebeneffekt: 80 000 Euro hat der Verein mit dem Einzug in die zweite Runde ja bereits sicher. Das ist in diesen Zeiten mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Basketball Champions League

Termine
Die MHP Riesen empfangen am Mittwoch JDA Dijon und am 31. Januar Galatasaray Istanbul; das dritte Heimspiel findet am 16. März gegen Hapoel Holon statt (jeweils 20 Uhr). Auswärts müssen die Ludwigsburger am 9. Februar in Holon, am 9. März in Dijon und am 22. März in Istanbul antreten (auch alle 20 Uhr).

Modus
Die Ersten und Zweiten der Gruppe erreichen das Viertelfinale, das am 25. März ausgelost und am 5./6. April beginnen soll.

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