Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft hat am Sonntag mit dem Finalerfolg gegen Serbien (83:77) sensationell den WM-Titel geholt. Das hat auch Alexander Reil begeistert. Der Vorsitzende von Bundesligist MHP Riesen Ludwigsburg, der auch Präsident der Basketball-Bundesliga (BBL) ist, sieht den Weg der Sportart in Deutschland bestätigt – mahnt aber auch, nun am Ball zu bleiben.
Herr Reil, am Sonntag hat sich in Manila Historisches ereignet. Wo und wie haben Sie den WM-Triumph der deutschen Basketballer erlebt?
Zu Hause mit einigen Kollegen am Fernseher. Das ganze Turnier war ein absolutes Highlight – das Finale dann das Sahnehäubchen. Wirklich herausragend.
Über vier Millionen Zuschauer hatte das ZDF mit seiner Liveübertragung vom Finale. Rennen der Basketball-Bundesliga die Fans nun demnächst alle Türen ein?
Die TV-Quote ist natürlich eine super Sache – vor allem, da unserer Sportart von den öffentlich-rechtlichen Sender auch schon mal vorgeworfen wurde, wir würden die Quoten nach unten ziehen. Wer nun aber glaubt, das die Liga plötzlich noch mehr boomt, der liegt falsch.
Warum?
Natürlich hilft eine erfolgreiche Nationalmannschaft einer Sportart, an Popularität zu gewinnen. Dennoch ist der Spielbetrieb in der Liga noch einmal eine andere Sache.
Zumal vom Weltmeisterteam die meisten Spieler im Ausland aktiv sind, nur wenige in der Bundesliga.
Das ist richtig, allerdings gilt auch: Wer nun Lust auf Basketball bekommen hat, reist ja nicht gleich in die USA und schaut sich ein NBA-Spiel an. Womöglich kommt der oder die eine oder andere dann doch in die Halle eines Bundesligisten. Wichtiger ist mir aber etwas anderes.
Was?
Dass der deutsche Basketball den vor Jahren eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzt und im Moment des Erfolgs nicht nachlässig wird. Denn: Wir ernten gerade die ersten Früchte dieser harten Arbeit.
Der Weg soll weiter beschritten werden
Die sich wodurch auszeichnet?
Wir haben vor Jahren angefangen, Programme für den Nachwuchs zu entwickeln, sie zu intensivieren und viel in sie zu investieren. Der Deutsche Basketball-Bund hat hier viele richtige Entscheidungen getroffen, die Standorte der Bundesliga haben viel investiert. Das hat sich in den vergangenen Monaten und erst recht am Sonntag ausgezahlt. Wenn wir da weitermachen, können wir auch über einen längeren Zeitraum eine erfolgreiche Nationalmannschaft haben – und das strahlt dann auch nachhaltig auf die Liga ab. Sprich: Wir dürfen uns jetzt nicht ausruhen, sondern müssen weiter daran arbeiten, Basketball in die Fläche zu bringen.
Was macht das aktuelle Weltmeisterteam so stark?
Der Erfolg ist ja immer das eine. Mindestens genauso wichtig ist meiner Meinung nach aber auch, wie sich eine Mannschaft präsentiert.
Und was haben Sie da vom deutschen Nationalteam gesehen in den vergangenen Tagen?
Einsatzwillen, Teamgeist, eine gute Chemie innerhalb der Mannschaft und des Trainerteams. Neben der sportlichen Qualität war all das für mich der Schlüssel zum Erfolg und hat auch dazu beigetragen, dass sich die deutschen Sportfans mit dieser Mannschaft identifizieren konnten. Das schaffen derzeit ja nicht alle Mannschaftssportarten.
Apropos andere Sportarten. Die Potenzialanalyse für den deutschen Spitzensport (PotAS) führt die Leichtathletik an der Spitze, den Basketballverband am Ende der Liste. Die einen gingen bei der WM komplett leer aus, die anderen holten erstmals den Titel . . .
. . . was zeigt, dass die zugrunde gelegten Statistiken auch nicht immer aussagekräftig sind. Wie gesagt: Auf dem Weg an die Spitze wurden im Basketball gute Entscheidungen getroffen, alles andere spielt für uns derzeit keine Rolle.
Sie haben den Teamgeist der Weltmeistermannschaft gelobt. Aus dem Team ragte aber NBA-Star Dennis Schröder von den Toronto Raptors noch hervor, er wurde auch als wertvollster Spieler des Turniers ausgezeichnet.
Das stimmt, er hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Entwicklung hingelegt, ist viel reifer geworden und war so ein toller Anführer einer noch jungen deutschen Mannschaft.
Mitfavorit bei Olympia 2024 in Paris
Die nun welche Perspektiven hat? Im kommenden Jahr finden die Olympischen Spiele in Paris statt.
Zunächst einmal hat sich nicht nur Dennis Schröder toll entwickelt. Alle Spieler, die nun den Titel gewonnen haben, haben seit EM-Bronze im vergangenen Jahr noch mal einige Schritte nach vorne gemacht. Aus talentierten Jungs ist ein Weltklasseteam geworden.
Das der Trainer zu einer Einheit geformt hat.
Gordon Herbert hat tatsächlich exzellente Arbeit geleistet. Die Spieler kommen ja von überall her zu den Lehrgängen und Turnieren, haben nur wenig Zeit gemeinsam. Da muss ein Trainer schnell die richtigen Worte und Methoden finden. Das hat er nahezu perfekt geschafft.
Noch mal zu den Aussichten in Paris.
Die deutsche Mannschaft hat sich in den vergangenen Monaten in den Kreis der Topmannschaften gearbeitet. Wenn nichts Gravierendes passiert, wird sie dort auch im Sommer 2024 stehen – und gehört damit zum Kreis der Medaillenanwärter bei Olympia. Voraussetzung ist, dass jetzt keiner abhebt.