Michael Blume auf Antisemitenliste Wiesenthal-Zentrum gibt sich trotzig

Michael Blume bei einer Rede bei der Veranstaltung „Für jüdisches Leben in Deutschland“ im Oberen Schlossgarten in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Überprüfung der Vorwürfe gegen den baden-württembergischen Antisemitismusbeauftragten Michael Blume zeigt: Da ist nicht viel dran.

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Stuttgart - Trotz heftiger Kritik aus Baden-Württemberg rückt das Simon-Wiesenthal-Zentrum (SWC) in Los Angeles von seinen Vorwürfen gegen den Antisemitismusbeauftragte des Landes, Michael Blume, nicht ab. Blume, den das SWC auf seiner Liste der schlimmsten Antisemiten des Jahres führt, habe 2019 eine deutsch-jüdischen Aktivistin in seinem Blog mit dem Organisator der „Endlösung“, Adolf Eichmann, gleichgesetzt, bekräftigte der Vizedirektor, Rabbi Abraham Cooper, gegenüber unserer Zeitung.

 

Auf die Frage, wie er sich die positive Sicht der jüdischen Gemeinden im Land auf Blumes Arbeit erkläre, ging Cooper nicht ein. Die Israelitischen Dachorganisationen in Baden und Württemberg hatten die Liste scharf kritisiert, der Zentralrat der Juden nannte Blumes Nennung „absurd“.

Von rechten Portalen in die „Jerusalem Post“

Tatsächlich kann in Blumes kritisiertem Blog von einer Gleichsetzung der Aktivistin mit Eichmann keine Rede sein. Beide Namen tauchen im Text auf, jedoch ohne Zusammenhang. Trotzdem wurde die Geschichte auf rechten Onlineportalen wie „achgut“ oder „Tichys Einblick“ kolportiert. Das SWC verweist als Beleg auf einen Artikel der englischsprachigen „Jerusalem Post“, doch ist der Autor wohl eher Stalker als Journalist. Seit Jahren bombardiert er Blume auf Twitter und per Email mit Suggestivfragen. Politiker wie Winfried Kretschmann oder Christian Lindner, aber auch viele Medienvertreter erhalten dabei ungefragt Kopien seiner Mails.

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Erneut nutze das „rechte Wiesenthal-Zentrum“ seine Antisemiten-Liste, „um Menschen zu diffamieren und in eine Reihe mit der Hamas zu stellen“, schrieb der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, Menon Mendel, auf Twitter. So sorgte 2019 die Aufnahme des deutschen UN-Botschafters Christoph Heusgen für Unverständnis, ebenso 2020 die Nennung des Goethe-Instituts und der Kulturstiftung des Bundes.

„Hetze gegen Linke“

„Mit dem Nazijäger Simon Wiesenthal hat das Zentrum nur den Namen gemein. Statt gegen Antisemitismus zu kämpfen, hetzt es regelmäßig gegen Linke“, erklärte Mendel. Insider sagen dem 1977 gegründeten SWC eine Nähe zu Ex-Präsident Donald Trump nach, den es aber wegen dessen pauschaler Diskriminierung von Muslimen in der Vergangenheit auch kritisierte.

Dem SWC fehlten offensichtlich die Fachkenntnisse vor Ort, sagte der Vorsitzende der deutsch-israelischen Gesellschaft, Uwe Becker (CDU). Das dürfte auch für den Vorwurf gelten, Blume habe zu wenig dafür getan, dass das Konto des „Palästinakomitees Stuttgart“ bei der BW-Bank gekündigt wird. Hintergrund ist, dass die BW-Bank zur LBBW gehört, die mehrheitlich in Landesbesitz ist. Dem Palästinakomitee wird vorgeworfen, Teil der BDS-Bewegung zu sein, die sich für den Boykott des Staates Israel einsetzt.

Der BW-Bank sind die Hände gebunden

Allerdings kann sich die BW-Bank ihre Kunden nicht frei aussuchen. „Als mit der Sparkassenfunktion für Stuttgart betraute Bank ist uns eine Verweigerung einer Kontoverbindung rechtlich nur dann möglich, wenn nach deutschem Recht objektive Hinderungsgründe vorliegen.“ Das heißt: Für eine Kündigung bräuchte es einschlägige Urteile deutscher Gerichte.

Mit seiner Liste diene das SWC genau jenen Organisationen, die es zu bekämpfen vorgebe, sagte Becker. Entsprechende Reaktionen blieben nicht aus: „Großartige Neuigkeiten! Das SWC unterstützt uns gegen Michael Blume“, twitterte ein BDS-Aktivist.

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