Michael Gaedt feiert seine ersten 45 Jahre auf der Bühne höchst emotional – er packt sein Lebenswerk in eine Solo-Show. Ein Gespräch über Pleiten, Pech und Perlen.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

In Heubach auf der Ostalb ist der 1957 geborene Michael Gaedt aufgewachsen, nun bittet er in seiner ewig währenden Wahl-Heimat Stuttgart am 9. August zur persönlichen Geburtstags-Soloshow mit dem Titel „Perlen aus 45 Jahren“ ins Theaterhaus. Zu feiern gibt es mehr als genug: 35 Jahre lang tobte Gaedt mit der Kleinen Tierschau durchs Theater, als „Onkel Rock’n’Roll“ zündete er seine Powerchord-Raketen auf der Bühne, seit acht Jahren ist er Teil von KGB (Kuhnle, Gaedt und Baisch). Jetzt will sich der „Schrotti“ aus der „Soko Stuttgart“ mal ganz allein vor seinen Fans austoben.

 

Herr Gaedt, dass Sie ein mathematisches Wunder sind, überrascht mich. Wie sind Sie auf diese Gleichung gekommen? Wer 57 geboren ist, wird dieses Jahr 68. Wer Jahrgang 68 ist, wird 57. Was sollen uns diese Zahlen sagen?

Beim Nachdenken über den Anfang eines möglichen Pressetextes fiel mir diese mathematische Zufälligkeit auf. Und so wurde dieses Zahlenspiel der Anfang meines Textes. Dass sich dieses numerologische Phänomen auch sehr gut als Eingangsfrage für ein Interview eignet, haben Sie herausgefunden. Herzlichen Glückwunsch!

Sie sind also bald ein Alt-68er. Oder ist das Wort alt eine Beleidigung, da unser Kanzler und der US-Präsident älter sind als Sie?

Eine Beleidigung ist eher, mich in einem Atemzug mit Herrn Trump zu nennen. Denn neben allen sonstigen charakterlichen Fehlern kann der noch nicht mal tanzen. Das wiederum werde ich mit Herrn Merz auf der diesjährigen Stallwächterparty versuchen.

Sie versprechen uns Perlen und großes Scheppern aus 45 Jahren. Auf welche Klassiker können wir uns freuen?

Das weiß ich selbst noch nicht so genau. Ich bin mitten in den Proben. Aber jeder Tierschau-und KGB-Klassiker, den ich zur Not hupen, Tröten oder schrammeln kann, wird seinen Weg in die Show finden. Und die Originale Turbanwickelmaschine natürlich auch. Ein wild gewordener Dönerspieß und ein Scherbenbad unter der Rüttelplatte wurden im Theaterhaus auch noch nie gezeigt.

Was war der schönste Moment in Ihrer bisherigen Karriere?

Der schönste Moment war die ausverkaufte Schleyerhalle!

Was war der Moment, da Sie im Boden versinken wollten vor Scham auf der Bühne?

Der schrecklichste, als ich mit dem denkbar unpassendsten Song beim indischen Filmfest in Stuttgart den Siegerstreifen feiern wollte

Michael Gaedt von der Kleinen Tierschau in den 1990ern bei seinen Zuschauern Foto: Uli Kraufmann

Schmerzt die Trennung der Tierschau vor zehn Jahren noch immer? Ihre Ehe hält wohl länger als das Dreibündnis der Comedy-Veteranen.

Das Tierschau-Ende schmerzt tatsächlich noch immer. Aber ohne dieses Ende hätte es wahrscheinlich keine Soko Stuttgart, keine KGB-Comedy, keine Opern-Regie und Musical-Hauptrollen gegeben

Was hat sich für einen Comedy-Künstler in 45 Jahren verändert?

Meine Figur und mein Gewicht. Leider!

Wie lautet Ihr Ratschlag an den lustigen Nachwuchs?

Haltet durch! Ihr macht spätestens dann Karriere, wenn der Rest weggestorben ist.

Seit wann tragen Sie eigentlich eine gelbe Brille?

Die gelbe Brille habe ich seit Anfang der 80-er Jahre. Ein Blick durch die Gläser – und die Sonne scheint.

„Perlen aus 45 Jahren“ – die Solo-Show von Michael Gaedt findet statt am Samstag, 9. August, 20 Uhr, im Saal T 2 im Theaterhaus. Karten auf der Homepage des Theaterhauses .