Michael Hotz aus Rutesheim Der VfB-Allesfahrer, der auch Football liebt

Michael Hotz bei einem Spiel der New York Giants Foto: red

Michael Hotz aus Rutesheim ist bei fast allen Partien des VfB Stuttgart sowie der Nationalelf dabei – und zugleich Vorstandsmitglied des ersten deutschen Fanclubs des NFL-Teams New York Giants.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Dass die Arena in Fröttmaning mal zum Sehnsuchtsort für einen glühenden Anhänger des VfB Stuttgart werden würde? An den jüngsten Ergebnissen des Brustringclubs beim Gastspiel im Münchner Fußballtempel kann es nicht liegen. 0:3 in der vergangenen Saison, 0:4 vor wenigen Wochen. Und doch sagt Michael Hotz: „München steht in diesem Jahr über allem.“

 

Denn: Der 43-Jährige aus Rutesheim hält es nicht nur mit den Weiß-Roten vom VfB – sondern auch mit den Blauen aus dem fernen New York. Und ebendiese sind am Sonntag (15.30 Uhr/RTL) in München zu Gast.

Die NFL, die das Beste repräsentiert, was es im American Football gibt, ist mal wieder auf Europatour. In der Allianz-Arena am Rande der A 8 treffen die Carolina Panthers auf die New York Giants – was gerade in der Region Stuttgart viele Herzen höherschlagen lässt. Denn hier hat nicht nur der VfB seine Wurzeln, sondern auch ein Verein, der sich „Big Blue GermaNY“ nennt und mittlerweile viel mehr ist als ein Fanclub des Football-Unternehmens aus dem Big Apple. Dabei war der Start nicht frei von Hindernissen.

Als der damals noch eher lose Zusammenschluss von Anhängern der Giants aus Deutschland die Verantwortlichen in Übersee erstmals auf sich aufmerksam machte, war die Antwort eher ernüchternd. Michael Hotz beschreibt sie in etwa so: „Schön, dass es euch gibt – aber: nutzt ja nicht unser offizielles Logo.“ Doch aus dieser eher abwehrenden Haltung ist längst große Zuneigung geworden. „In Deutschland“, sagt der Wirtschaftspsychologe, „sind wir quasi erster Ansprechpartner der Giants.“ Und „wir ernten die Lorbeeren für viel harte Arbeit“.

Rund 1000 Mitglieder zählt Big Blue GermaNY nun

Im Jahr 2020 organisierten sich die deutschsprachigen Giants-Fans in einem eingetragenen Verein, gingen dann noch einmal auf die US-Amerikaner zu – und konnten alsbald auf eine stattliche Anzahl an Mitgliedern verweisen. Rund 1000 sind es aktuell – und in New York erkannte man schnell, dass sich mit den Machern aus Germany etwas auf die Beine stellen lässt. Zum Beispiel: das „Giants-House“ am Wochenende auf der Münchner Praterinsel.

Dort werden am Samstag 450 der Mitglieder zu Gast sein, rund 100 wiederum stammen aus der Region Stuttgart und fahren lediglich die A 8 hinunter, um das NFL-Wochenende in der bayerischen Hauptstadt zu feiern. In München übrigens durfte der „Big Blue GermaNY“ vor einigen Monaten auch einen Draft-Pick der Giants verkünden. Fast alle Mitglieder werden dann am Sonntag beim Spiel in der Allianz-Arena zu Gast sein – wo in Jakob Johnson vielleicht auch ein gebürtiger Stuttgarter für die Blauen aus New York auflaufen wird.

NFL-Gastspiel in München: Quarterback Daniel Jones (re.) tritt mit den New York Giants gegen die Carolina Panthers an. Foto: www.imago-images.de/IMAGO/Vincent Carchietta

Die Fanclub-Mitglieder kommen aus ganz Deutschland, vereinzelt auch aus Österreich und der Schweiz, sogar aus Spanien reist jemand an. Keimzelle der ganzen Nummer bleibt aber die Region Stuttgart, in der die Footballbegeisterung laut Michael Hotz besonders groß ist. Er selbst ist Vorstandsmitglied des Clubs; Dominic Wildegans, ein weiteres Gründungsmitglied und heute erster Vorstand, hat es nach Stuttgart auch nicht weit – er stammt aus der Region um Villingen-Schwenningen.

Bei Michael Hotz entflammte während seines Studiums in den USA erst die Liebe zu New York, dann jene zu den Giants. Beim VfB Stuttgart besaß er damals schon eine Dauerkarte, war aktives Mitglied bei den Ultras des Commando Cannstatt. Noch heute ist er „Allesfahrer“, besucht also, wenn es ihm möglich ist, jedes Heimspiel und Auswärtsspiel des Bundesligisten. Zudem engagiert er sich für die Fans der deutschen Nationalmannschaft, ist zuständig für die Choreografien bei Länderspielen. Auch hier gilt: keine Partie geht im Normalfall ohne ihn über die Bühne.

Der Unterschied zwischen Fußball und Football

„Viel Freizeit“, gibt er zu, „bleibt bei diesen Hobbys nicht.“ Aber in Kombination mit seinem Faible für den Football in den USA stellt sich ja neben der Frage, wie man das alles unter einen Hut bekommt, ja noch eine andere: Wie passt das durchkommerzialisierte US-Spektakel zum traditionsbewussten deutschen Fußball, für den gerade die aktive Fanszene steht?

„Für mich“, sagt Michael Hotz, „sind das zwei grundverschiedene Dinge.“ Am Fußball schätzt er die Vereinsstruktur, lebt die Leidenschaft, erlebt Emotionen pur, die wiederum die Identifikation mit dem Verein befeuern. Die Footballspiele in den USA, die sein Fanclub zwei- bis dreimal im Jahr besucht, sind dagegen eine Art Familienevent. „Ohne Reizpunkte“, wie er sagt, also auch ohne große Rivalität zwischen den Anhängern der jeweiligen Teams.

Fußball-Rivalitäten bleiben außen vor

Dass sich die Giants, Panthers, Dolphins, Cowboys, Chiefs oder wie sie alle heißen seit jeher als Sport-Unternehmen sehen und vermarkten, macht die Sache für ihn leicht zu akzeptieren. In Deutschland, glaubt er dagegen, werde sich ein solches Franchise-System im Sport nie ganz durchsetzen.

Beim „Big Blue GermaNY“ aber funktioniert es – auch, weil gerade der Fußball außen vor bleibt. Fast alle Giants-Anhänger haben auch ihren Fußball-Lieblingsclub. Aber: Mögliche Rivalitäten bleiben hier bewusst außen vor. Damit alle zusammen ohne störende Nebengeräusche ihre Begeisterung für die Giants ausleben können.

Auch – oder gerade – in München.

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