Michael Ilk „Kein Prestigeprojekt“: Neuer Stadtbahn-Chef verwundert über Kritik

Will seine Stärken für die Stadtbahn einbringen: Michael Ilk. Foto: Simon Granville

Michael Ilk übernimmt die Führung der Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg in unruhigen Zeiten. Dem früheren Ludwigsburger Bürgermeister eilt sein Ruf als Vermittler voraus – eine Fähigkeit, die aktuell dringend benötigt wird.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Drei Monate stand der Zweckverband Stadtbahn ohne Führung im Wind der Kritik, jetzt kommt Michael Ilk. Der ehemalige Ludwigsburger Bürgermeister für Mobilität hat schon früher Kämpfe für die Stadtbahn gefochten und will das Projekt als Interims-Geschäftsführer weiter voranbringen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

 

Welche Vergangenheit haben Ilk und die Stadtbahn?

Michael Ilks Amtszeit als Ludwigsburger Bürgermeister von 2013 bis 2021 war eine entscheidende für die Entwicklung der Stadtbahn. In langen Debatten wurde damals im Gemeinderat und Kreistag über das Für und Wider gestritten. Ilk gehörte zu den Befürwortern des Projekts, und das, obwohl der damalige Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec ein bekannter Gegner der Stadtbahn war.

Beobachter sagen, dass das Verhältnis zwischen Ilk (parteilos) und Spec (parteilos) unter der Stadtbahn-Frage litt und am Ende sogar zerrüttet gewesen seien soll. „Ich stand damals ein Stück weit zwischen den Stühlen“, beschreibt es Ilk heute.

Warum wollte Ilk die Geschäftsführung übernehmen?

Er sei immer noch der festen Überzeugung, dass die Stadtbahn die Region voranbringe, sagt Michael Ilk. „Deswegen habe ich den Job angenommen.“ Der öffentliche Nahverkehr spiele beim Erreichen der Klimaneutralität eine besondere Rolle. „Wir müssen alles dafür tun, damit die Menschen umsteigen.“

So könnte die Stadtbahn Lucie in Ludwigsburg einmal aussehen. Foto: Zweckverband Stadtbahn Lucie

Zudem verhindere das Projekt perspektivisch einen Verkehrskollaps in und um Ludwigsburg. Die Stadtbahn sei ein unverzichtbares Instrument, um die Straßen im Landkreis zu entlasten.

Was sagen Beobachter über Ilk?

Bei vielen Bürgern, Ludwigsburger Stadt- und Kreisräten war der Ärger groß, als sich der Zweckverband und der bisherige Geschäftsführer Frank von Meißner im Juli trennten. Denn Äußerungen über Feindschaften, Seilschaften und intrigierende Stadtbahn-Gegner machten die Runde. Von Meißner galt als äußerst kompetent und war bei vielen beliebt – und musste dennoch gehen. Keine leichte Ausgangssituation für Ilk.

Er sei ein guter Moderator und Mediator, sagen mehrere Lokalpolitiker, die sich mit dem Stadtbahn-Projekt auskennen. Ilk habe gute Kontakte zu Behörden und wichtigen Persönlichkeiten, er wisse zu vermitteln und zu schlichten. Er sei die richtige Übergangslösung, so die einhellige Meinung.

Wie blickt Ilk auf die aktuelle Kritik an der Stadtbahn?

In den vergangenen Monaten wurde das Projekt wegen seiner Größe und Kosten immer wieder infrage gestellt, zuletzt von Bietigheims Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD). Der Landkreis und die Kommunen müssten dringend sparen, sagte Kessing. Die Verantwortlichen müssten sich fragen, ob man sich eine Stadtbahn noch leisten könne.

„Ich habe mich über die Aussage gewundert“, sagt Michael Ilk. „Herr Kessing weiß sehr gut, dass es gute und schlechte Jahre in den kommunalen Haushalten gibt.“ Die Stadtbahn sei kein Prestigeprojekt, stellt Ilk klar, sondern ein unverzichtbares Projekt für die Verkehrswende – in das die öffentliche Hand investieren müsse.

Kritische Stimmen werde es bei so einem großen Projekt jedoch immer wieder geben, damit müsse man umgehen, sagt Ilk. „Ich setze darauf, dass eine Mehrheit hinter dem Projekt steht“. Aktuell erkenne er vor allem Vorbehalte gegen die Innenstadttrasse durch Ludwigsburg. „Der Sache müssen wir nachgehen.“

Wie lange macht’s Ilk?

Ihm gehe es in den kommenden Monaten vor allem um die „Vermittlung im politischen Raum“ und die Öffentlichkeitsarbeit, sagt Ilk. Er wolle Diskussionen führen, kritische Stimmen hören und sie in sein zehnköpfige Team einbringen. „Anders als mein Vorgänger bin ich aber kein Bahn-Experte“, räumt Ilk ein. Wie lange der 61-Jährige den Zweckverband Stadtbahn führen wird, ist noch nicht bekannt. Die Suche nach einem langfristigen Geschäftsführer läuft. „Man muss realistisch sein, das kann gut ein halbes, dreiviertel Jahr dauern. Wenn es länger dauert, bleibe ich länger. Wenns schneller geht, gehe ich früher.“

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