Michael Kashi zur Reichsprogromnacht „Ein Schlussstrich darf nicht gezogen werden“

Von Sascha Maier und Mirko Peter 

Die Reichsprogromnacht jährt sich am Freitag zum 80. Mal. Michael Kashi, Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, sieht ungute Tendenzen in Deutschland: Immer mehr Deutsche meinten, dass ein Schlussstrich unter den Holocaust gezogen werden müsse.

Stuttgart - Was geht es uns Deutsche an, was unsere Vorfahren getan haben? Laut Michael Kashi, Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW), eine Menge. Im Video-Interview äußert er sich anlässlich der Reichsprogromnacht, die sich am 9. November zum 80. Mal jährt, auch über die Situation der Juden im heutigen Deutschland. Bedroht würden Juden auch noch heute – auf der einen Seite von radikalen Islamisten, auf der anderen von Rechtsradikalen, die „auch nicht verschwunden“ seien.

Gleichzeitig empfiehlt er eine Erinnerungskultur der Toten mit dieser Begründung: An wen noch gedacht wird, der ist niemals ganz tot. „Ich finde, die Ermordeten haben das verdient“, sagt Kashi.

Auch die Stuttgarter Synagoge brannte ab

Die Reichsprogromnacht – oder Reichskristallnacht – markierte eine neue Esklalationsstufe im Dritten Reich, die später im Massenmord an fünf Millionen Juden durch die Nationalsozialisten gipfelte. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 plünderten und zerstörten die NS-Verbrecher 1400 Synagogen und tausende jüdische Geschäfte, 30 000 Juden wurden in unmittelbar folgenden Aktionen in Konzentrationslager gebracht. Auch die Synagoge in Stuttgart brannte in dieser Nach ab. An derselben Stelle wurde sie ab 1951 wieder aufgebaut.

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