Michael Kramer und sein erster Erzählband Alltägliches in kurzen Geschichten

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Seit 2010 liest Michael Kramer seine Geschichten vor. Jetzt hat der Göppinger Hobby-Autor mit „Einmal blüht die Herbstzeitlose“ seinen ersten Erzählband herausgebracht.

Michael Kramer liest seine Texte  schon seit Jahren. Nun gibt es sie als Buch. Foto: privat
Michael Kramer liest seine Texte schon seit Jahren. Nun gibt es sie als Buch. Foto: privat

Göppingen - Eine Diät ist angesagt. Fünf Tage lang läuft alles glatt. Selbst eine Einladung zum Fest bei den polnischen Nachbarn wird mit der Notlüge „Ich bin krank“ ausgeschlagen. Doch die besorgten Leute meinen es gut und versorgen den vermeintlichen Patienten mit einem „Gesundpaket“ – in dem sich sieben fetttriefende, lecker duftende, polnische Würstchen befinden. Der Kampf gegen den inneren Schweinehund beginnt und droht verloren zu gehen, bis sich das Problem auf unvorhersehbare Weise doch noch löst: zum Missfallen des potenziell Fastenden, jedoch sehr zur Freude des Lesenden.

Eine Situation wie diese haben viele Menschen schon erlebt. Sie ist Alltag, zumindest für jene, die Speisen jeglicher Art nur anschauen müssen, um gleich etliche Kilos zuzulegen. Michael Kramer zählt zwar ganz offensichtlich nicht zu dieser Spezies, doch die Geschichte „Sieben kleine Würstchen“ zeigt seine Gabe, total normalen Ereignissen durch seine Schreibe eine besondere Note zu verleihen. Und sie zeigt, wie in allen anderen Geschichten, den Autor als ausgesprochen genauen Beobachter.

Von witzig bis traurig und mit dem speziellen Dreh

Aus schieren Alltäglichkeiten strickt Kramer, dessen erster Erzählband „Einmal blüht die Herbstzeitlose“ vor Kurzem erschienen ist, Kurzgeschichten: amüsante und traurige, anrührende und witzige, nachdenkliche und groteske. Und fast immer finden die meist nur wenige Seiten langen Texte einen speziellen und unvorhersehbaren Dreh. So dürfte fast jeder Student im Schwäbischen seine Erfahrungen mit den Gepflogenheiten der Kehrwoche gemacht haben. Kurios ist in Kramers „Stufen zum Glück“ allerdings, dass sich ausgerechnet ein türkischer Nachbar des Studis, unter anderem mit den Worten „So geht falsch“, um die Bewahrung der sozial-kulturellen Errungenschaft verdient macht.

Doch der 45 Jahre alte und mit etlichen Auszeichnungen und Preisen dekorierte Hobbyschriftsteller kann, wie gesagt, nicht nur lustig. Kramer schreibt über das Kranksein und über die Gebrechlichkeit, über das Sterben und über im Leben Versäumtes. Der gelernte Sozialwirt arbeitet im Hauptberuf bei der Göppinger Wilhelmshilfe – und schreibt auf, was er selbst erlebt oder erfährt. „Meine Geschichten enthalten daher auch etliche authentische Elemente, die ich mit Erfundenem und einer kräftigen Portion Fantasie mische und gut durchschüttle“, sagt er.

Gnadenlose Testleser als Teil des Erfolgsrezepts

Dem Zufall überlässt Kramer, der im Stadtbezirk Manzen lebt und im Holzheimer Bezirksbeirat mitmischt, dabei allerdings nichts. Seine Storys sollen sitzen. „Ich brauche Testleser, die ehrlich und gnadenlos sind“, betont er. Als Autor neige man doch dazu, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. „Deshalb ist es wichtig, dass es passt und zu wissen, wohin es passt“, fügt Kramer hinzu. Genau aus diesem Grund hat er, seine Geschichten betreffend, das Pferd auch von hinten aufgezäumt. Obwohl es bereits ein Kindheitstraum von ihm war, ein Buch zu veröffentlichen, suchte er erst einmal nach Gelegenheiten, seine Texte vorzulesen. Er lernte dazu, bildete sich autodidaktisch fort, reichte Beiträge zu Wettbewerben ein und verfeinerte sie weiter, trotz eines meist erfolgreichen Abschneidens.

Die Rückmeldungen des Publikums und der Jurys waren positiv. „So schlecht kann’s also nicht sein, dachte ich mir“, erklärt Kramer – und als er mit dem Candela Verlag einen Verlag fand, „der nichts dafür wollte, dass er mich druckt“, erfüllte sich sein Kindheitstraum. Diesen treibt er akribisch voran. Mindestens eine Stunde täglich wird geschrieben. „Würde ich das nicht tun, würde es nicht klappen. Ich brauche diese Disziplin, um den roten Faden nicht zu verlieren und das Hirn kreativ zu halten“, sagt der Autor, dessen erster Roman bereits in der Schublade liegt.

Worum es darin geht, will Kramer nicht verraten. Ein Krimi ist es jedoch nicht. „Ich kann so etwas nicht schreiben, weil mir Krimis meist schon beim Lesen zu brutal sind“, erklärt er. Kriminalistische Elemente seien seinen Geschichten indes nicht fremd. „Diese gleiten dann allerdings immer ins Humoreske ab“, ergänzt Kramer. Seine Kurzgeschichten „Der freundliche Herr Lohmann“ und „Kurz vor dem siebten Himmel“ sind dafür der beste Beleg.