„Bühne frei“ hieß es für CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel und den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (links). Foto: Roberto Bulgrin
Sächsisch-schwäbisches Duett: CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel und der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer trafen sich zum Polit-Talk in Denkendorf.
Keine Prohibition in Denkendorf! Beim CDU-Parteitag in Stuttgart hatte es zur Gewährleistung eines geordneten Ablaufs ein Alkoholverbot gegeben. Doch in Denkendorf wurde beim Auftritt von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel und dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer im Vorfeld der Landtagswahl Bier ausgeschenkt. In Plastikbechern. Denn Gläser hätten laut Veranstalter als Wurfgeschosse verwendet werden können. Die Sicherheitsvorkehrungen in der Festhalle waren streng.
Auf der Bühne herrschte dagegen eine gediegen-solide Wohnzimmeratmosphäre. Sessel für die beiden Redner, ein kleiner Tisch, eine Lampe, die an einen Vogelkäfig erinnerte. Daneben ein Regal mit lokalem Bezug und Büchern mit Esslinger Titeln. Gewolltes intim-privates Flair. „Bühne frei“ nennt die CDU ihr Format im Vorfeld der Landtagswahl. Persönliches und große Politthemen sollen ausbalanciert auf den Wohnzimmertisch kommen.
Etwa 500 Zuschauer waren laut Veranstalter zum Polit-Talk mit Manuel Hagel und Michael Kretschmer in die Festhalle nach Denkendorf gekommen. Foto: Roberto Bulgrin
Das Persönliche kam etwas zu kurz. Sein schwäbisches Lieblingsgericht seien „Herrgottsbescheißerle“, verriet Michael Kretschmer mit leichtem Akzent. Maultaschen mag er also. Aber er mag auch die politische Konfrontation. Ex-Landwirtschaftsminister und Grünen-Spitzenkandidat, Cem Özdemir, bekam sein Fett weg. Er und seine Politik seien mit schuld an den massiven Bauernprotesten gewesen.
„Ingenieure statt Ideologen“, fordert Manuel Hagel
Attacken auch gegen andere politische Gegner. Es sei keine Zeit für Klassenkampf, sozialistische Inhalte, Gleichmacherei: „Ingenieure sind wichtiger als Ideologen“, so Hagel. Die SPD-Forderung etwa nach einer Erhöhung der Erbschaftssteuer bei großen Vermögen wurde von beiden Christdemokraten verworfen. Das würde Unternehmen etwa bei Nachfolgeregelungen ausbremsen.
Schwäbischen Sprachunterricht gab es auch. Die Vokabel „Gscheidle“ kannte Michael Kretschmer nicht. Das sei ein verniedlichtes Wort für Klugscheißer, übersetzte Hagel. Als „Klugscheißer“ möchte der 37-Jährige nicht auftreten. Mit der AfD werde man nicht durch moralische Keulen fertig. Mit Inhalten und Antworten müsse gegen die Alternative für Deutschland zu Felde gezogen werden. Menschen, die sich an Werte und Gesetze halten würden und bereit seien, zu arbeiten und sich einzubringen, seien in der Bundesrepublik willkommen.
Gediegene Wohnzimmeratmosphäre: „Bühne frei“ nennt die CDU ihr Format mit einer Mischung aus Persönlichem und großen Zukunftsthemen. Foto: Roberto Bulgrin
An politischen Taten im Falle einer Wahl zum Ministerpräsidenten nannte der gelernte Banker Hagel die Verbindlichkeit von Grundschulempfehlungen, die Abschaffung der Kosten für eine Meisterprüfung, Ausbau der Berufsorientierung, eine Einschulung erst nach Beherrschen der deutschen Sprache. Auch die Familie sei wichtig für die Ausbildung der Kinder. Kretschmer lobte die Bildungspartnerschaften seines Landes mit Baden-Württemberg. Bei einer Partnerschaft etwa mit Bremen hätte Sachsen jetzt das Bildungsniveau von Mexiko, meinte er streitbar-provokant.
Automobil wurde nicht erfunden, weil Pferdekutschen verboten wurden, meint Hagel
Mit Verboten, Bürokratie, Vorschriften und zu hohen Energiekosten werde die Industrie gegängelt, meinte Hagel: Das Automobil sei ja auch nicht erfunden worden, weil Pferdekutschen verboten wurden. Die Wirtschaft müsse gefördert werden. Die Worte von Bundeskanzler Friedrich Merz zu „Lifestyle-Teilzeit“ und zu hohen Krankenzeiten wiederholte er nicht. Aber er fügte an, dass Arbeit Freude machen und etwas Gutes sein könne. Fleiß sei wichtig. Ebenso Klimaziele. Doch Deutschland, das nur für etwa ein Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sei, könne das nicht allein tun. Bevölkerungsreiche Schwellenländer müssten mit ins ökologische Boot geholt werden, etwa indem Deutschland bei der Bekämpfung des Klimawandels eine Vorbildfunktion einnehme.
Die Veranstaltung dauerte etwa 90 Minuten. Sie endete mit dem gemeinsamen Singen der deutschen Nationalhymne.