Michaela Kastel: Worüber wir schweigen Teeniedrama mit tödlichen Nebenwirkungen

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Die österreichische Autorin Michaela Kastel hat ihren zweiten Thriller vorgelegt. „Worüber wir schweigen“ erzählt sehr spannend darüber, was geschehen kann, wenn pubertäres Chaos eine tödliche Wendung nimmt.

„Worüber wir schweigen“ heißt der neue Thriller von Michaela Kastel. Foto: Lukas Jenkner
„Worüber wir schweigen“ heißt der neue Thriller von Michaela Kastel. Foto: Lukas Jenkner

Stuttgart - Vor zwölf Jahren hat Nina plötzlich ihr Heimatdorf verlassen. Nun kehrt sie zurück und sorgt für Unruhe. Sie sucht Kontakt zu ihrer alten Clique, was bei allen dunkle Erinnerungen auslöst an ein – so viel darf verraten werden – tödliches Ereignis, an dessen Folgen seinerzeit ihre Freundschaft zerbrach und das seither totgeschwiegen wird. So lautet kurz und knapp der Inhalt von Michaelas Kastels „Worüber wir schweigen“, dem zweiten Thriller nach „So dunkel der Wald“ der österreichischen Nachwuchsautorin.

Die Gründe für das allgemeine Schweigen serviert Kastel dem Leser scheibchenweise. Dabei entwirft sie die Horrorvision eines österreichischen Kleinstadtidylls, in dem jeder mit ganz eigenen egoistischen Motiven das Geschehen vorantreibt, bis es in einer Katastrophe endet. Es beginnt damit, dass die Brüder Dominik und Tobias mit ihren Eltern in ein namenloses Dorf ziehen, von dem die Leser nur erfahren, dass es in Regionalzugnähe zu Wien liegt, aber weit genug weg, dass es allenthalben bornierte Provinzialität ausdünstet.

Kleinstadthorror als Kammerspiel

In diesem kleinstädtischen Milieu avanciert Dominik bald zum Mädchenschwarm, während sein Bruder als Underdog an den Rand gerät. Es beginnen Liebeleien; in der kleinen Clique, zu der neben Nina auch noch ihre beste Freundin Melanie zählt, brodeln Liebe, Hass und Eifersucht. Um das emotionale Chaos perfekt zu machen, halten die Eltern der jeweiligen Teenager ihre Existenzen mit Tabletten, Alkohol und Affären nur notdürftig im Griff und mischen munter mit im Geschehen. Es ist offensichtlich, dass alles in einer Katastrophe enden muss.

Den Weg dahin schildert Michaela Kastel als Kammerspiel aus stetig wechselnden Perspektiven der verschiedenen Protagonisten über einen Zeitraum von 27 Jahren. Das gibt dem Leser immer mal wieder einen Wissensvorsprung, oder er erfährt die gleiche Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln. Beides zieht den Spannungsbogen ordentlich an, und auch wenn die Auflösung ein bisschen zu diabolisch-hitchockesk gerät, ist Kastel ein runder Thriller gelungen, der seinen Sog auch dadurch erzeugt, dass jeder Leser sich bestens (oder eben schlechtestens) an das emotionale Chaos der eigenen Jugend erinnern dürfte.

Michaela Kastel: Worüber wir schweigen. Thriller. Köln Emons Verlag 2019. Gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 20 Euro.